398 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1934,
Bodendrucke von $h zugrunde gelegt. Es wird dadurch eine bessere synoptische
Übersicht erreicht, da es sich gezeigt hat, daß die Änderungen des Druckes
weitgehend von den Temperaturschwankungen unabhängig sind!) Ein ein-
wandfreier Vergleich wird jedoch besonders dadurch begünstigt, daß fast alle
Aufstiege zum synoptischen 8 Uhr-Termin ausgeführt wurden,
Die Karten der absoluten Topographie der 600 mb-Fläche wurden durch
direkte graphische Addition der Höhe der 1000 mb-Fläche und der Höhe der
600 mb-Fläche über der 1000 mb-Fläche ermittelt. Eine große Arbeitsersparnis
kann man dadurch erzielen, daB man die relativen Aequipotentialen für einen
Abstand von je 4 dyn. Dekametern zeichnet und dann in diese Karte die für je
5 mb gezeichneten Bodenisobaren überträgt; wie demnächst gezeigt werden soll,
entspricht einem Druckunterschied von 5 mb nämlich innerhalb der erzielbaren
Genauigkeit ein Abstand der Aequipotentialen der 1000 mb-Fläche von 40 dyn.
Metern, so daß bei der graphischen Addition zur Ermittlung der HNöhenwetiter-
karte die Bodenkarte zugrunde gelegt werden kann und man nicht die Höhe der
1000 mb-Fläche erst zu berechnen braucht. Geringe Abweichungen des so er-
haltenen Kartenbildes für die Höhe der 600 mb-Fläche im Vergleich zu den tat.
gächlichen Werten über den aerologischen Stationen lassen sich leicht berück-
sichtigen, und die Einzeichnung aller Höhenwinde?) in der 4000 m-Schicht erhöht
die Zuverlässigkeit, Wertvolle Hilfe leisten außerdem die Wolkenbeobachtungen?),
eine Hinzufügung der Temperaturen bei 600 mb Druck soll eine Übersicht über
die Wärmeverhältnisse in diesem Niveau vermitteln.
4. Kritik der aerologischen Messungen.
Die für jeden Tag notwendige Nenuberechnung aller Höhenaufstiege ermöglicht einen Vergleich
mit den im 2, Teil der „Aerologischen Berichte“ veröffentlichten Höhen der Hauptisobarenflächen.
Im allgemeinen erreichen die Höhenunterschiede der Isobarenflächen nicht mehr als 10 m, größere
Unstimmigkeiten sind auf Rechenfehler zarückzuführen, So müssen die Höhen der Hauptisobaren-
flächen über Darmstadt am 17, VII eine Korrektur um mehr als 100 m erfahren, und am 19, VII
sind die Werte über dem gleichen Örte von 500 mb an aufwärts um 300m falsch. Am gleichen
Tage beginnt die Veröffentlichung des Berliner Aufstiegs mit einem 50m zu tiefen, Hamburg mit
einem 40 m zu hohen Bodenwert. Auch am 23. sind alle Höhea über Berlin 50 m zu tief, und für
den 24, erhält man über Hamburg eine um 40 m höhere Lage der 600 mb-Fläche,
Schwierig sind Temperaturfehler der einzelnen Aufstiege zu beseitigen und lassen sich meist nur
erkennen, wenn Aufstiege von benachbarten Orten vorliegen. So erhält man am 18. für Berlin eine
um 30 m medrigere Lage der 600 mb-Fläche als über Lindenberg, ein Ergebnis, das unmöglich reell
sein kann. Da es in diesem Falle der von W. Fepplert hervorgehobenen höheren Temperatur-
angabe der Flugzeugaufstiege widerspricht, ist eine Entscheidung über die Richtigkeit schwer zu
fällen, Die Übereinstimmung der Lindenberger Bodentemperatur von 19° mit der um £h zu Berlin
gemessenen Luftwärme®) im Gegensatz zu dem mit einem 3° niedrigeren Wert beginnenden Tempel»
hofer Flugzeugaufstiog deutet darauf hin, daß an diesem Tage die Lindenberger Werte richüger sein
ur: n
5. Die Wetterlage am 17. Juli 1930,
Ein über den Britischen Inseln liegendes Zentraltief gehört einer Folge von
Depressionen an, die seit 14 Tagen eine Erwärmung Mitteleuropas verhindern,
während im Mittelmeergebiet bei geringen Druckgegensätzen eine starke Er-
hitzung begünstigt wird. In Höhe der 600 mb-Fläche (Abb, 6) herrscht südlich
der Nord- und Ostseeküste eine ziemlich gleichmäßige Strömung aus WSW,
Das Fallgebiet eines vom Ostatlantischen zur nördlichen Biscaya gezogenen Teil-
tiefs hat Mittelfrankreich erreicht.
6. Die Divergenz am 18. Juli,
a) Die Wetterlage am Morgen, Das westeuropäische Teiltief hat sich
ostwärts bis nach Friedrichshafen verlagert (Abb. 1), das Zentrum des Fallgebiets
liegt mit — 12 mb Druckfall innerhalb 24 Stunden an gleicher Stelle. Auf der
Vorderseite dieses Fallgebiets konnte die warme Mittelmeerluft Deutschland öst-
45 Z. B. Ann, Hydr. 61, 290. — ?) Wenn zu wenig Piloten diese Höhe erreichten, wurden die
nur für 3000 m vorliegenden Höhenwinde (eingeklammert) oder (in doppelten Klammern) die für die
2000 m-Schicht eingezeichnet, — % Vgl, R. Scherhag, Die Bedentung von Messungen der Richtung
und Geschwindigkeit der höheren Wolken für den Entwurf von Höhenwetterkarten im Wetterdienst,
Zechr. f. angew. Met. 50, 111. Für Ci, Cist wurde eine Höhe von S, für Ciew von 5 und Ast od,
Acu von 3 km zugrunde gelegt, — 4) W, Peppler, Vergleichende Untersuchung über die aerolog.
Messungen usw. Beitr, Phys. fr. At, 21, 105, — *} Vgl, den Tögl. Wetterb. d. D. Seewarte,