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Zwei wissenschaftliche Ballonfahrten von Hamburg 1933/34
mit meteorologischen und bakteriologischen Untersuchungen, Versuchen
mit einem neuen Kompaß, Bestimmungen der Größe der Wolkenelemente
und kalorimetrischen Feuchtigkeitsmessungen.
Von Dr. Paul Perlewitz, Hamburg,
Erste Fahrt.
1. Fahrtbericht.
Die Bereitstellung von Mitteln durch das Ministerium ermöglichte es, am
9. März 1933 einen Freiballonaufstieg von Hamburg aus zu unternehmen, der
gemeinsam von der Hamburger Ortsgruppe des Deutschen Luftsportverbandes,
der Deutschen Seewarte und der Hamburger Universität (dem Meteorologischen
Institut) ausgeführt wurde. Die Teilnehmer waren Dr. Perlewitz als Führer,
die Meteorologen Dr, H. G. Müller und Dr. W, Findeisen sowie der Fein-
mechaniker H. Friedrichs als Beobachter.
Die Durchführung der geplanten Fahrt war noch am Morgen des betreffenden
Tages in Frage gestellt, da dichter Nebel nicht nur über Hamburg, sondern
über fast ganz Nordwestdeutschland lag. Gegen 10 Uhr klarte es zuerst in Han-
nover, wie wir bei der Flugwetterwarte erfuhren, langsam auf und später auch
in Hamburg, so daß um 11 Uhr noch der Auftrag zur Füllung des Ballons ge-
geben werden konnte. Schließlich verzog sich der Nebel vorübergehend so weit,
daß eine Windbeobachtung bis 2000 m Höhe gemacht werden konnte; sie zeigte
unten schwache Süd-, oben mässige westliche Winde, Damit war die Möglich-
keit gegeben, eine Fahrt nach Mecklenburg zu machen und die vorzeitige Lan-
dung vor der nahen Lübecker Bucht zu vermeiden,
Die Fahrt dauerte fast 6 Stunden, von 13 bis 19 Uhr, Anfangs ging es
2 Stunden wie beabsichtigt in Wolken und Nebel, ohne Sicht der Erde, vom
Flughafen nach Nord bis Nordost. Wie vereinbart, erschien 40 Minuten nach
dem Start das Flugzeug der Wetterflugstelle über uns und dem Nebel; es näherte
sich und umkreiste uns mehrmals grüßend; doch wäre es uns lieber gewesen,
wenn der erprobte Flugkapitän Neuhaus uns unsere Ortslage über dem
Nebel mitgeteilt hätte, da wir fürchteten, nach der Lübecker Bucht getrieben
zu werden. Schließlich wurde es aber auch unter uns klarer, und wir bekamen
Orientierung bei Siebenbrunnen an der Bahn Oldesloe— Ratzeburg.
Mehrmals fuhren wir tief und hörten dann von der Landbevölkerung die
Zurufe: „Hummel-Hummel“ und „Heil-Hitler“. Wir dankten und warfen einen
unserer kleinen Gummipilotballone herunter, dem die Kinder im Wettlauf nach-
jagten. Über den noch mit Eis bedeckten Ratzeburger See und andere kleine
Eisseen ging die Fahrt in 700 m weiter in Richtung auf Gadebusch. Dann
mußten wir wegen beginnender Dunkelheit herunter. In 200 m trafen wir wieder
auf Südwestwind, während oben fast Westwind war. Vor uns lagen ausgedehnte
Sümpfe, Da nur einer von uns langschäftige Gummistiefel anhatte, so suchten
wir nach Bergung der Instrumente ein trockneres Gelände auf und landeten
glatt bei Niendorf nordwestlich von Bad Kleinen i. M. 103 km hatten wir in
5 Stunden 46 Minuten mit 18 km Stundengeschwindigkeit zurückgelegt; die
größte erreichte Höhe betrug 760 m.
2, Meteorologischer Bericht.
Über die Wetterlage berichten Dr. Müller und der Flugzeugbeobachter
Boljahn: Die Großwetterlage wurde am 8. 3.33 durch ein kräftiges Hochdruck-
gebiet beherrscht, das sich als Rücken durch ganz Mitteleuropa erstreckte und
seine beiden Druckmaxima über Finnland und Nordspanien hatte, Nächtliche
Ausstrahlung und die in höheren Schichten stattfindende Zufuhr kalter Luft
führten am 8. und 9. früh zu weiterem Druckanstieg über Deutschland, während
der Angriff der Warmluftmassen von Westen her vorerst nicht bis Mitteleuropa
vordringen konnte. Schon am 8. herrschte in Nordwestdeutschland vielfach