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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1934,
See, Oft fallen die Perioden ihres Laufes zusammen. Dann rollt ein besonders
mächtiger Wellenberg heran, schwappt gegen die Bordwand, wirft große Spritzer
an Deck,
Mit prächtigem Sonnenschein nimmt der Tag seinen Anfang. Leichter nord-
östlicher Wind, Stärke 2 bis 3, setzt gleich nach Sonnenaufgang ein. Die Luft
ist völlig klar und von besonderer Durchsichtigkeit, so daß sich die Umrisse
der Kaplandberge scharf gegen den blauen Himmel abheben. Wenige Ci stehen
im Zenit, sonst stört keine Wolke die Harmonie von blauem Himmel und sprühen-
dem Sonnenschein,
Etwa 8b: Parallel zum Kurse, E-W laufend, entwickelt sich langsam ein aus-
gedehnter Bogen aus feingegliederten Streifen-Ci. Der Scheitelpunkt des Bogens
liegt im Norden und erreicht eine Höhe von 22°. Über 100° mißt das dazu-
gehörige Sehnenstück des Horizontes,
Wohlgeordnet legt sich ein Ci-Band unter das andere, bis der ganze Kreis-
abschnitt ausgefüllt ist. Während die oberen Ci sehr fein bleiben, nimmt deren
Dichte nach unten scheinbar zu, so daß über dem Horizont eine kräftige weiß-
graue Schicht lagert. Im Zenit sammeln sich jetzt immer mehr Ci an. Die
Wolken erscheinen bewegungslos; an derselben Stelle, an der die Wolken ent-
standen sind, verharren sie viele Stunden. Das Wolkenbild wechselt im Laufe
entstehungen oder Auflösungen. Erst spät am Nachmittag setzt ein wenig
Wolkenzug ein.
Etwa 9b; Gleichsam als Spiegelbild zu dem nördlichen Ci-Bogen entsteht im
S, ebenfalls E-W verlaufend, dasselbe Gebilde. Auch hier beginnt die Entwick-
lung von oben herab, indem sich Band unter Band reiht. Der südliche Bogen
füllt sich jedoch nicht ganz aus, sondern bleibt im unteren Teil leer. Auch an
Höhen- und Weitenausdehnung bleibt er hinter dem im N stehenden Bogen
zurück. — Die über uns stehenden Ci formen sich langsam um. Aus den dünnen
Streifen werden schuppenartige Bänder, die sich später zu einer geschlossenen
Schicht von feinem Ci-Str umbilden. Die Himmelsbedeckung beträgt nun 3/10.
Vor der Sonne wächst eine Wolke aus weißen Federwölkchen auf, die das Muster
einer riesigen Gräte annimmt, oben spitz zuläuft und im Zenit endet. Langsam
gewinnt diese Wolke an Ausdehnung. Die einzelnen Flocken verwachsen mit-
einander und bilden bald vor der Sonne einen leichten Schleier,
Etwa 10°; Immer mehr gewinnt die riesige Schleierwolke an Breitenausdeh-
aung, Nach N und S schieben sich lange hakenförmige Ci heraus, Die Ränder
nehmen zerfetzte Formen an, bis sich schließlich ein Durcheinander von ty-
pischen „Windbäumen“ über den ganzen östlichen Himmel verteilt. Gleichzeitig
wird der Ci-Bogen im S immer schwächer. Schon nach 30 Minuten ist er ebenso
überraschend verschwunden, wie er sich gebildet hat.
Gegen Mittag beginnt vom großen N-Bogen her die Umklammerung der im
Zenit stehenden „Windbäume“. Zunächst wachsen hauchdünne lange Streifen
heraus, die wie feiner bläulicher Rauch aussehen. Allmählich bilden sich kleine
Tupfen heraus, die bald 2/10 des Himmels in regelmäßigen Häufchen bedecken,
Es sind Ci-Cu oder Schäfchenwolken, die sich besonders scharf gegen den blauen
Himmel abheben,
Etwa 14h: Das Wolkenbild ist einzigartig gemischt. Alle nur möglichen
Arten von Ci stehen scheinbar unbeweglich am klaren blauen Himmel. Die
Himmelsbedeckung ist nun auf 6/10 gestiegen, Von geringen Umformungen ab-
gesehen, die sich meistens im Zenit vollziehen, ist bis 16h keine besondere Ver-
änderung zu verzeichnen, Die Sonne steht bereits am westlichen Himmel, der
den ganzen Tag wolkenlos geblieben ist und im prächtigsten Blau erstrahlt.
Etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang setzt Wolkenzug!) ein. Der große N-
Bogen aus Fr-Ci zerfließt, indem sich breite Bänder nach S schieben. Die
ziehenden Bänder verdichten sich mehr und mehr, fallen über dem S-Horizont
*) Vgl. Ann, d. Hydr. 1930, S. 228: Bemerkungen (über Wolkenzug u. ä.) zu O. d’Allinge:
„Wettererscheinungen im Passat- u. Monsungrenzgebiet usw.“ Schriftitg.