366 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1934,
Nordkomponente v = -— 14.3 und einer Ostkomponente u = — 22,6 cm/sec). Sieht
man die einzelnen Abweichungen vom letzteren als zufällige Fehler an, so er-
hält man als mittlere Unsicherheit:
Tabelle I. Mittlere Unsicherheit, _
Nordkomponente | Ostkomponente | Gesamtstrom
Einzelbeobachtung
Minutenmittel . .
3-Minutenmittel .
5-Minutenmittel
30-Minutenmittel
Da die gesamte Geschwindigkeit im Mittel w=— 26,7 cm/sec ist, würde der Fehler
einer Einzelbeobachtung im Mittel fast !/, des Stroms betragen! Auch der
auf „Poseidon“ bei der Planung des Kattegat-Unternehmens als ausreichend
grachtete Zeitraum von drei Minuten für jede Strombeobachtung wäre auf Grund
dieser nachträglichen Bearbeitung besser durch einen solchen von fünf Minuten
zu ersetzen gewesen. Ob die gefundene Unsicherheit nur eine Auswirkung des
Fahrtstroms ist, oder ob noch andere Umstände mitsprechen, darüber geben die
Beobachtungen an einem einzelnen Instrumente keine Auskunft.
$ 2. Verwertung der gleichzeitigen Aufzeichnungen zweier Instrumente. —
Geben so die Drei-Minuten-Beobachtungen leidlich verläßliche Werte, so war doch
der ursprüngliche Plan ein anderer gewesen. „Poseidon“ arbeitete mit drei
Strommessern zugleich; einer war backbords achtern (= A-Instrument, seine An-
gaben sind durch ein angehängtes a bezeichnet) ausgebracht, einer backbords in
der Mitte des Schiffes (B-Instrument, seine Angaben sind durch ein angehängtes
D bezeichnet) und der dritte steuerbords in der Mitte, alle drei in etwa
4 m Abstand von der Schiffswand. Die beiden letzteren wurden zu den
Reihenmessungen des Stroms in verschiedenen Tiefen gebraucht, während
Aas A-Instrument dauernd in 10 m Tiefe blieb und dazu dienen sollte, den
Fahrtstrom zu ermitteln: Hat man nach dem soeben beschriebenen Aus-
gleichsverfahren den wahren Strom für eine halbe Stunde gefunden, so er-
hält man durch Verbinden des Doppelkreises der Nr. 1 mit den einzelnen
Kreuzen den jeweiligen Fahrtstrom. Wenn dieser von den einzelnen Angaben
z. B. des B-Instruments abgezogen wird, so muß sich der wahre Strom für die
Tiefe ergeben, in der dieses gearbeitet hat. Während also für die 10 m-Tiefe
jer Weg der Rechnung von dem beobachteten Strome 1. zum wahren und 2. zum
Fahrtstrome führte, sollte er für die übrigen Tiefen umgekehrt vom beobach-
teten Strome mittels des soeben gefundenen Fahrtstroms zu dem wahren Strome
gehen. (= Wittings Verbesserungsmeth ode, correction method, Abb, 1).
Wenn diese Überlegung richtig war, so mußten die 18 Einzelbeobachtungen
einer Drei-Minutenperiode, jede mit dem aus der 10 m-Tiefe erschlossenen Fahrt-
strom verbessert, lauter ungefähr gleiche Ströme liefern. Doch das traf in Wirk-
lichkeit auch nicht annähernd zu. ‚Ja, es kam noch schlimmer: Das B-Instrument,
das alle halbe Stunde zur Kontrolle auch drei Minuten lang in die 10 m-Tiefe
versenkt wurde, zeigte fast stets merklich anderen Strom als das gleichzeitig in
10 m arbeitende A-Instrument, das beilänfig nur 19 m von ihm entfernt war!
Es stellt sich sogar ein systematischer Unterschied heraus. Es bezeichne
Ka & die vom A- und B-Instrumente angegebene Richtung, wohin der Strom
Nießt, in Graden von Nord an rechts herum gerechnet (Mittel aus drei Minuten),
so war bei 324 Beobachtungssätzen (nur wenige blieben wegen schwachen Stroms
außer Betracht) der Mittelwert des Unterschiedes a, — &«,, der fortan mit
M (@&a — &@) bezeichnet sei, = 4,8°, Lagen beide Strommesser in „Stromluv“,
so daß der Strom sie traf, bevor er das Schiff passierte, so war M (aa — &) = 3.2°,
waren sie in „Stromlee‘“ so war M («a — &p) = 4.4°. Kam der Strom von vorn
innerhalb eines Winkels von 40° beiderseits der Kiellinie, so war M (as — ay) = 2.2°,
kam er entsprechend von achtern, so war M (c,—d@,) = 6.7°, also stets positiv:
der Strom achtern lag rechts von dem in der Schiffsmitte gemessenen, siehe die
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