Harms, M.: Zur Beobachtungstechnik des Libellensextanten, 33
gich aber nach dem Vorschlag von Herrn Dr. Michler die zeitlichen Höhen-
änderungen, d. h. das Gefälle der Kurve, vorher aus und benutzt nur Teile der
Beobachtungsreihen, die sich diesem Gefälle anpassen, also in sich die erforder-
lichen Höhenänderungen am besten wiedergeben, so schließt man gerade die-
jenigen Teile aus, die die Null kreuzen, also in der Mittelbildung richtige
Werte ergeben, und bevorzugt solche, die einen systematischen Fehler ent-
halten! Dieses Vorgehen würde z, B. selbst in Abb, 6 bessere Geschlossenheit er-
geben als die begünstigten Reihen 3 und 4, aber einen großen Fehler hinein-
„korrigieren“,
Man kann aber die Frage aufwerfen, ob man nicht eine spiegelbildlich
liegende Reihe gefunden hätte, wenn systematisch danach gesucht wäre, Abb, 1,
5, 6, aber auch 2, lassen das vermuten, Zur Übung wird man so verfahren:
Hat man die richtigen Höhen ausgerechnet und die Kurve gezeichnet, so trägt
man die ersten Beobachtungen sofort ein; liegen sie einseitig, so versucht man
mit einer um den gleichen Betrag nach der anderen Seite abweichenden Ein-
stellung Beobachtungen mit stehender Libelle zu bekommen. Man würde dann
zwei die richtige Kurve begleitende Linienzüge bekommen, und erst, wenn man
diese mittelt, hat man das, was aus dem Instrument wirklich herauszuholen ist.
Bei Beobachtungen im Ernstfall weiß man allerdings nicht, nach welcher Seite
man die zweite Reihe zu suchen hat; es ist aber anzunehmen, daß die in Übungen
erworbene Praxis hier von vornherein Anhaltspunkte gibt. Leider hatte ich
noch keine Gelegenheit, Beobachtungsreihen dieser Art auszuführen. Es muß
aber verlangt werden, daß das endgültige Urteil über die Brauchbarkeit des
Libellensextanten zurückgestellt wird, solange dieser Weg noch nicht beschritten
worden ist.
Daß im Flugzeug die Bewegungsverhältnisse für Libellen- und Pendel-
gextanten günstiger sind als auf einem Seeschiff, ist ein anscheinend unausrott-
barer Irrtum, Zwar hat man keine Schlinger- und Stampfbewegungen durch
Seegang, aber auch keine Liegestühle mit Segeltuchbespannung gegen Vibra-
tionen. Dafür ist aber ein Flugzeug mindestens fünfmal so schnell als ein
20 Knoten-Schiff. Pendelt es auch nur ebenso langsam um seinen Kurs herum,
wie das Schiff, sind also die beschriebenen Bögen fünfmal so lang, so ist immer
noch die Querbeschleunigung fünfmal so groß! Wie mir aus eingehenden Unter-
haltungen mit Herrn Opitz bekannt ist, verfolgte er mit der Konstruktion seines
Periskopsextanten die Absicht, mit dem Instrument selbst günstige Beobachtungs-
momente erkennbar zu machen, Bewegt sich bei fest eingestelltem Instrument
das Gestirn nicht im Gesichtsfeld, so macht das Flugzeug keine Drehung, sondern
nur Parallelbewegung; steht gleichzeitig die Blase, so kann man mit einer ge-
wissen Wahrscheinlichkeit, wenn auch nicht mit Sicherheit, auf Abwesenheit von
Störbeschleunigungen rechnen. Solche Augenblicke sollten zu einer schnellen
Messung benutzt werden. Da Herr Opitz leider die Erprobung seines Instruments
nicht mehr selbst vornehmen konnte, so ist anzunehmen, daß diese Ausnutzungs-
möglichkeit, die das Instrument grundsätzlich von dem frei gehaltenen Libellen-
oder Pendelsextanten unterscheidet, nicht die Aufmerksamkeit gefunden hat, die
sie verdient, Sie verlangt aber nicht kardanische Aufhängung, sondern gerade
festen Einbau oder zumindest die Möglichkeit, das Kardangehänge festzusetzen,
wenn man es schon für andere Zwecke nicht entbehren will.
Lübeck, September 19833.
Kleinere Mitteilungen.
1. Wolkenbeobachtungen auf See in der Nähe von Kap Agulhas-Süd-
afrika. — Am 10. Oktober 1933 befindet sich P.-D, „Wangoni“ auf der Fahrt
von Kapstadt nach Port Elizabeth. Noch vor einigen Tagen muß südlich vom
Kap stürmischer Wind gewebt haben, Hohe lange Dünung läuft aus Südwesten
herauf, Aus SSE läuft gleichzeitig eine Dünung, die aber schon flacher ist.
Überlagern sich die Dünungen beider Richtungen, £o entsteht eine kabbelige