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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 62 (1934)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1934, 
Neumayer hat als junger Gelehrter mit abgeschlossener Hochschulbildung 
zwei große Weltreisen vor dem Mast als Leichtmatrose unternommen und er 
war sein Leben lang stolz darauf, daß sich seine Gelehrtenhände die ersten 
Schwielen am Kutterläufer und auf der Oberbrahmrah geholt haben. Mit der 
theoretischen Erkenntnis vermählte er als erster die nautische Erfahrung, Sein 
Kind, die Deutsche Seewarte, ruft seinen Manen am 100. Geburtstag nach: „Nicht 
zwischen Mastspitze und Ankergrund lag Deiner eigenen Forschertätigkeit Be- 
reich, die Deiner Anstalt zum Vorbild wurde, Von den Sternen bis zum Boden 
der Tiefsee, von der Arktis bis zur Antarktis erstreckte er sich, griff auch un- 
bekümmert ins Binnenland hinüber, wenn dort Zusammenhänge der Natur- 
erscheinungen ergründet werden konnten, die als bedeutsam für die Verhältnisse 
in und über den Meeren und an deren Gestaden erkannt wurden.“ Und in 
Übereinstimmung mit seinem großen Gönner Alexander v, Humboldt und mit 
Ferd. v. Richthofen bekannte Neumayer sich zu dem Gedanken: In der Natur- 
wissenschaft mag die Arbeit dieses oder jenes Gelehrten noch so rein theoretisch 
wertvoll erscheinen, über kurz oder lang wird sich eine recht nahe Beziehung zur 
Praxis herausstellen, 
Die enge Zusammenarbeit mit dem praktischen Leben bildet unser 
Fundament. In der Seewarte und durch die Seewarte sind Forschung und 
Praxis gebend und nehmend miteinander verbunden zur gegenseitigen Be- 
fruchtung. Jedes unserer Wissensgebiete ist daher auch mit einer unmittelbaren 
praktischen Ausübung verknüpft: Die Nautik mit dem Eisdienst, die Meteoro- 
logie mit der Prognose und dem Sturmwarnungsdienst, die Aerologie 
mit dem Seeflug, die Klimatologie mit der Beratung der Auswanderer und 
Übersee-Deutschen, die Astronomie mit Zeitdienst und Chronometer- 
prüfung, die Ozeanographie mit der Labor atoriums-Arbeit, die Gezeiten- 
forschung mit Windstauvorhersage und Sturmflutwarnungsdienst, die 
Instrumentenkunde mit Geräteprüfung und Versuchsanstalt und der 
Erdmagnetismus mit der Kompaßprüfung. 
So kommt es, daß die Nutznießer auch die Hauptmitarbeiter der See- 
warte sind, und zwar alles praktische Berufskreise: Der Seemann in Gestalt von 
vielen Seeoffizieren, 300 deutschen Handelsschiffskapitänen und 1200 Schiffs- 
offizieren, der Fischer, der Luftfahrer, der Feinmechaniker, der Kaufmann und 
die zahlreichen Farmer, Missionare und Ärzte in Übersee. Dieser Mitarbeiter- 
kreis läßt erkennen, daß sich der Forschungsraum, der anfänglich lediglich auf 
die See beschränkt war, mit der Zeit immer mehr erweiterte, in das Luftmeer 
übergriff und auch auf das Festland, denn die Ursachen der Horizontal- und 
Vertikalbewegung des Meerwassers, der Stauerscheinungen an den Küsten, der erd- 
magnetischen Störungen, der Stürme, Nebel und sonstigen Wetterunbilden, der 
Anomalien der atmosphärischen Strahlenbrechung, der Abweichungen der Funk- 
peilstrahlen liegen vielfach auf dem Lande, So wurde vor allem auch die Mit- 
arbeit der Überseedeutschen an der naturkundlichen Aufschließung des Erd- 
raumes eingeleitet, ein Gedanke, den besonders die Nachkriegsentwicklung der 
Meteorologie und Ozeanographie gerechtfertigt hat und dessen ganze Größe, wie 
wir hoffen, durch das neue nationale Reich unseres großen Führers herausgestellt 
werden wird. 
Weltwirtschaft und Weltverkehr zwingen gerade auf dem Gebiete der 
angewandten Naturkunde die Völker immer mehr zur friedlichen und inter- 
nationalen Zusammenarbeit, Jede Nation hat die Pflicht, mit den ihr verliehenen 
Gaben und Möglichkeiten im Dienste für sich selbst der ganzen Menschheit zu 
dienen. Gebend und nehmend tauschen die Völker ihre Geisteserzeugnisse 
aus, und so dient auch unsere Behörde in enger Verbundenheit mit zahlreichen 
wesensverwandten Instituten im ganzen Auslande dem Vaterlande und der Mensch- 
heit. Sie schreitet fort auf dem Wege, den ihr Gründer und ihre geistigen Paten 
ihr gewiesen haben: die Deutschen Friedrich Liszt, Dove, von Freeden und 
Kirchenpauer, der Nordamerikaner Maury, der Niederländer Buys-Ballot, 
der Engländer Fitzroy, der Däne Hoffmeyer, der Schwede Rubenson, der 
Norweger Mohn und der Ire Scott,
	        
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