Die Deutsche Seewarte und ihre Zukunft.
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arbeit mit Ihren vorgesetzten Behörden und mit der Handelsmarine und allen
an Ihrer Arbeit interessierten Stellen zum Wohle der deutschen Schiffahrt und
damit zum Wohle unseres Vaterlandes,
Heil Hitler!
Ansprache des Präsidenten der Deutschen Seewarte Dr. Spieß,
Gestatten Sie mir zunächst, in eigener Sache Ihnen meinen ergebensten
Dank auszusprechen für die ehrenden Worte und die Wünsche, die Sie seitens
der durch Sie vertretenen Herren Reichsminister an mich zu richten die Güte
hatten. Sie sollen mir Ansporn und Verpflichtung sein, mein Bestes herzugeben
für die Führung der mir anvertrauten Reichsbehörde. Dann aber danke ich
auch im Namen des gesamten Personals, daß Sie uns heute die hohe Ehre Ihres
Besuches erwiesen haben, um mich in mein neues Amt einzuführen. Sie haben
dadurch sichtbar zum Ausdruck gebracht, daß die nunmehrige Unterstellung
der Deutschen Seewarte nicht lediglich eine formale Neuordnung verwaltungs-
technischer Art auf Grund interministerieller Abmachungen bedeutet, sondern
daß Sie diese Neuordnung als aus der Entwicklung der Dinge organisch ent-
standen, als eine Notwendigkeit ansehen und behandelt haben, Daß demgemäß die
Eingliederung der meteorologischen Abteilungen der Deutschen Seewarte in die
großzügige Organisation des Reichswetterdienstes einerseits und die Rückkehr
der nautisch-hydrographischen Abteilungen zur Reichsmarineleitung andererseits,
die dieses Institut vor. heute fast 60 Jahren ins Leben gerufen und 45 Jahre
lang betreut hat, nach außen hin in feierlicher Form dokumentiert und begründet
werden sollte.
Wenn ich nun vom Standpunkte der Deutschen Seewarte aus und im Namen
meiner Mitarbeiter mir zu dieser Neugestaltung eine Stellungnahme erlauben darf, so
kann es nur der Ausdruck unserer größten Genugtuung und unseres aufrichtigen
Dankes sein dafür, daß alles so gekommen ist. Im Gange der Entwicklung des
letzten Jahres lag ja immerhin für die Seewarte die Gefahr verborgen, daß man
aus diesem einzigartigen und lebendigen Organismus, der in der Gesamtheit
seiner Aufgaben das Meer und die Atmosphäre, die Seefahrt und die Luftfahrt
umfaßt, hätte Einzelaufgaben herausnehmen können, z.B. die Meteorologie von
der Hydrographie und Nautik hätte trennen wollen. Hierdurch wäre die See-
warte zu einem Torso geworden, einem Körper ohne Rückgrat. Denn, meine
Herren, die Erforschung der Luft und des Meeres und die hieraus auf die
Schiffahrt und Luftfahrt angewandte Praxis lassen sich ebensowenig voneinander
trennen, wie die salzige Flut von dem Sturm, der sie bewegt, wie der Mond von
den Gezeiten, und sind so untrennbar wie die einzelnen Faktoren des ewigen
Kreislaufes von Wärme, Luft und Wasser im großen Haushalt der Natur, so
untrennbar wie Ursache und Wirkung. Daß diese Amputation an der Seewarte
nicht vorgenommen wurde, war ihre Rettung und Erhaltung für die Zukunft
und ist das bleibende Verdienst der beteiligten Ministerien.
Die wissenschaftliche geophysikalische Tätigkeit der Seewarte ist weltweit
in ihrer räumlichen Ausdehnung, ihr Blick ist auf das Weltmeer und das Luft-
meer gerichtet, die Auswertung für die Praxis ist weltweit in ihrer Wirkung;
sie umfaßt den Seeverkehr, den Transozeanluftverkehr, die Seewirtschaft und
die Volkswirtschaft in Übersee. Diese Totalität der Aufgaben und ihrer Nutz-
anwendung liegt begründet in der Totalität einer genialen Persönlichkeit, des
Schöpfers der Seewarte, Georg v. Neumayers, der den Nautiker und Gelehrten,
den Fahrensmann und Goldsucher, den lebensnahen Forscher und faustischen
Menschen in sich vereinigte, Sein umfassendes Wissen, sein Forscherdrang und
seine seemännische Erfahrung haben seiner Schöpfung und unserer Arbeit das
Gepräge auf ewige Zeiten gegeben und jene ungeschriebene, weil stets lebendig
wachsende Geschäftsordnung dieser Behörde geschaffen, die sich in der kurzen Segel.
order zusammenfassen läßt: „Die Seewarte hat Schiffahrt und Luftfahrt auf Grund
wissenschaftlicher Forschungen und enger Mitarbeit der Praktiker zu fördern.“
Ann. d., Hydr, mar. 10934, Heft IX,