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Full text: 62, 1934

Die Deutsche Seewarte und ihre Zukunft. 
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arbeit mit Ihren vorgesetzten Behörden und mit der Handelsmarine und allen 
an Ihrer Arbeit interessierten Stellen zum Wohle der deutschen Schiffahrt und 
damit zum Wohle unseres Vaterlandes, 
Heil Hitler! 
Ansprache des Präsidenten der Deutschen Seewarte Dr. Spieß, 
Gestatten Sie mir zunächst, in eigener Sache Ihnen meinen ergebensten 
Dank auszusprechen für die ehrenden Worte und die Wünsche, die Sie seitens 
der durch Sie vertretenen Herren Reichsminister an mich zu richten die Güte 
hatten. Sie sollen mir Ansporn und Verpflichtung sein, mein Bestes herzugeben 
für die Führung der mir anvertrauten Reichsbehörde. Dann aber danke ich 
auch im Namen des gesamten Personals, daß Sie uns heute die hohe Ehre Ihres 
Besuches erwiesen haben, um mich in mein neues Amt einzuführen. Sie haben 
dadurch sichtbar zum Ausdruck gebracht, daß die nunmehrige Unterstellung 
der Deutschen Seewarte nicht lediglich eine formale Neuordnung verwaltungs- 
technischer Art auf Grund interministerieller Abmachungen bedeutet, sondern 
daß Sie diese Neuordnung als aus der Entwicklung der Dinge organisch ent- 
standen, als eine Notwendigkeit ansehen und behandelt haben, Daß demgemäß die 
Eingliederung der meteorologischen Abteilungen der Deutschen Seewarte in die 
großzügige Organisation des Reichswetterdienstes einerseits und die Rückkehr 
der nautisch-hydrographischen Abteilungen zur Reichsmarineleitung andererseits, 
die dieses Institut vor. heute fast 60 Jahren ins Leben gerufen und 45 Jahre 
lang betreut hat, nach außen hin in feierlicher Form dokumentiert und begründet 
werden sollte. 
Wenn ich nun vom Standpunkte der Deutschen Seewarte aus und im Namen 
meiner Mitarbeiter mir zu dieser Neugestaltung eine Stellungnahme erlauben darf, so 
kann es nur der Ausdruck unserer größten Genugtuung und unseres aufrichtigen 
Dankes sein dafür, daß alles so gekommen ist. Im Gange der Entwicklung des 
letzten Jahres lag ja immerhin für die Seewarte die Gefahr verborgen, daß man 
aus diesem einzigartigen und lebendigen Organismus, der in der Gesamtheit 
seiner Aufgaben das Meer und die Atmosphäre, die Seefahrt und die Luftfahrt 
umfaßt, hätte Einzelaufgaben herausnehmen können, z.B. die Meteorologie von 
der Hydrographie und Nautik hätte trennen wollen. Hierdurch wäre die See- 
warte zu einem Torso geworden, einem Körper ohne Rückgrat. Denn, meine 
Herren, die Erforschung der Luft und des Meeres und die hieraus auf die 
Schiffahrt und Luftfahrt angewandte Praxis lassen sich ebensowenig voneinander 
trennen, wie die salzige Flut von dem Sturm, der sie bewegt, wie der Mond von 
den Gezeiten, und sind so untrennbar wie die einzelnen Faktoren des ewigen 
Kreislaufes von Wärme, Luft und Wasser im großen Haushalt der Natur, so 
untrennbar wie Ursache und Wirkung. Daß diese Amputation an der Seewarte 
nicht vorgenommen wurde, war ihre Rettung und Erhaltung für die Zukunft 
und ist das bleibende Verdienst der beteiligten Ministerien. 
Die wissenschaftliche geophysikalische Tätigkeit der Seewarte ist weltweit 
in ihrer räumlichen Ausdehnung, ihr Blick ist auf das Weltmeer und das Luft- 
meer gerichtet, die Auswertung für die Praxis ist weltweit in ihrer Wirkung; 
sie umfaßt den Seeverkehr, den Transozeanluftverkehr, die Seewirtschaft und 
die Volkswirtschaft in Übersee. Diese Totalität der Aufgaben und ihrer Nutz- 
anwendung liegt begründet in der Totalität einer genialen Persönlichkeit, des 
Schöpfers der Seewarte, Georg v. Neumayers, der den Nautiker und Gelehrten, 
den Fahrensmann und Goldsucher, den lebensnahen Forscher und faustischen 
Menschen in sich vereinigte, Sein umfassendes Wissen, sein Forscherdrang und 
seine seemännische Erfahrung haben seiner Schöpfung und unserer Arbeit das 
Gepräge auf ewige Zeiten gegeben und jene ungeschriebene, weil stets lebendig 
wachsende Geschäftsordnung dieser Behörde geschaffen, die sich in der kurzen Segel. 
order zusammenfassen läßt: „Die Seewarte hat Schiffahrt und Luftfahrt auf Grund 
wissenschaftlicher Forschungen und enger Mitarbeit der Praktiker zu fördern.“ 
Ann. d., Hydr, mar. 10934, Heft IX,
	        
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