Ansprache
des Präsidenten Konteradmirals a. D. Dr. F. Spieß
in der Deutschen Seewarte bei der Totenfeier für den
Reichspräsidenten Generalfeldmarschall
von Hindenburg
am
7.
August
1934
In wenigen Minuten werden wir in Gedanken nach Tannenberg
eilen, wo heute im weiten Rund des gewaltigen Befreiungsdenkmals sich
Tausende von Volksgenossen, Feldgraue und Blaujacken, Bürger, Bauern
und Arbeiter, Veteranen und Jugend, Führer und Gefolgschaften um den
großen Toten scharen, wo im Feldherrnturm Deutschlands ruhmgekrönter
Feldmarschall und Staatslenker in der heiligen Erde seiner Heimat, die
sein Feldherrngenie vom Feinde errettet hat, zur ewigen Ruhe gebettet
wird. Wir werden in Trauer und Ergriffenheit zusammen mit vielen Millionen
deutscher Volksgenossen und zusammen mit Abermillionen unserer Freunde,
aber auch unserer Feinde von damals, in der ganzen Welt die Übertragung
der Totenfeier vernehmen. Zuvor wollen wir hier im kleinen Kreise unserer
Arbeitsstätte uns auseinandersetzen mit unseren persönlichen Empfindungen,
die uns beim Heimgange unseres „Vaters des Vaterlandes“ bewegen. Wollen
unsere Rechnung machen mit dem mahnenden und leuchtenden Vorbild,
das ein jeder von uns von ihm im Herzen trägt. Wollen Rechenschaft
darüber ablegen, ob wir immer und in allen Dingen seiner würdig waren,
ob wir ihm geloben wollen und können, sein erhabenes Beispiel von un»
erschütterlicher Pflichttreue und grenzenloser Vaterlandsliebe ihm nachzu»
leben, wie er es uns vorgelebt hat, ein sagenhaft langes und reiches, von
unermüdlicher Arbeit am Volke gesegnetes Leben lang.
Für uns, die wir im Dienste am Vaterlande groß geworden sind, steht
das eine fest: daß wir in Hindenburg nicht nur das Staatsoberhaupt, nicht
nur den Heros aus dem großen Völkerringen verloren haben, sondern daß
uns mit ihm etwas ganz Persönliches, uns immer wieder Stärkendes, ein
Symbol des Glaubens und ein menschlichskindliches Gefühl des Geborgens
seins entrissen wurde. Mit Hindenburg ist die letzte große Tradition des