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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 62 (1934)

Harms, M.: Zur Beobachtungstechnik des Libellensextanten. 
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Zur Beobachtungstechnik des Libellensextanten. 
Von Dr. M. Harms. 
Die von Herrn Dr. Michler mitgeteilten Beobachtungsreihen mit Hilfe des 
Libellensextanten (Ann. d. Hydr. 1933, S. 254) gestatten eine Auslegung, die zu 
yerade entgegengesetzten Folgerungen führt. 
Die. Libellenblase des Sextanten folgt dem Scheinlot, der Resultierenden aus 
Schwerkraft und Trägheitskräften. Zur Vereinfachung der Darstellung ist im 
folgenden angenommen, daß dieses Folgen verzögerungsfrei vor sich gehe; die 
Schlüsse bleiben aber auch in Kraft, wenn eine — in Wirklichkeit wohl meist 
sehr geringe — „Phasenverschiebung“ zwischen Scheinlot und Libellenblase 
vorliegt. 
Trägheitskräfte entstehen, wenn das Instrument eine Beschleunigung erfährt. 
Vertikalgerichtete Beschleunigungskomponenten ergeben auch vertikale Träg- 
heitskräfte, die bei der Zusammensetzung mit der Schwerkraft deren Richtung 
nicht fälschen; sie sind also unschädlich. Horizontalkomponenten aber setzen 
sich mit der Schwerkraft zu einem Scheinlot zusammen, das von der Senkrechten 
abweicht. Praktisch wird auch hier nur die Komponente in der Richtung des 
Beobachtungsazimuts, d. h. in der Längsrichtung der Libelle, zur Wirkung kommen. 
Für einen Beobachter auf schlingerndem oder stampfendem Schiff wird nun das 
Scheinlot in mehr oder weniger regelmäßigen Ausschlägen über das wahre Lot 
hin- und herpendeln, und das Scheinlot und mit ihm die Libelle steht einen 
Augenblick lang still, wenn die Störbeschleunigung, den höchsten Wert erreicht 
und wieder abnimmt. Also: Steht die Libelle, so steht sie falsch; durch die 
richtige, der Schwerkraft entsprechende Lage läuft sie durch, So erklärt sich 
ohne weiteres, warum „nicht selten die bei der Beobachtung als gut gelungen 
bezeichneten Messungen sich bei der dann folgenden Auswertung als falsch er- 
weisen“ (a,a.O,, S. 257). Die dort gegebene Erklärung, daß man durch „Brem- 
sung der Beschleunigungsbewegung der Libellenblase“ „scheinbare Ruhestellungen“ 
schaffe, dürfte nicht zutreffen, Man kann wohl durch zusätzliche Bewegungen 
des Instrumentes die Blase zur Ruhe bringen. Ist dabei das Instrument im Raum 
unbeschleunigt, so wird die Messung richtig. Aber die Blase steht auch, wenn 
man die Horizontalbeschleunigung des Instrumentes für kurze Zeit durch Zu- 
gsatzbewegung zu einem konstanten Wert ergänzt; in diesem Falle wird die 
Messung falsch. Wäre dieser Fehler allein oder auch nur in nennenswertem 
Maße neben anderen vorhanden, so müßte man ganz regellose Streuungen er- 
warten. Wie weiter unten näher auseinandergesetzt wird, ist das aber hier 
keineswegs der Fall. 
Die mitgeteilten Überlegungen drängten sich mir auf, als ich bei der Aus- 
wertung von Flugzeugbeobachtungen die Erfahrung machte, daß eine ganze 
Reihe von Messungen Fehler im Bereich von etwa 1° 0’ bis 1° 20’ nach einer Seite 
hin aufwies, Die Messungen zeigten also einen systematischen Fehler von etwa 
1° 10’ mit Schwankungen von etwa -t 10’; diese Schwankungen erschienen bei den 
ziemlich ungünstigen Nebenumständen als auffallend klein, Der große systema- 
tische Fehler konnte nicht vom Instrument herrühren, da andere Meßreihen des- 
selben Fluges ihn nicht aufwiesen. Eine Erklärung ergibt sich aber, wenn man 
annimmt, daß die erste Beobachtung in einem Umkehrpunkt der Pendelung er- 
Iolgte, also zur Zeit des größten Ausschlages des Scheinlotes. Wenn man nun 
das Instrument nicht völlig verstellt, sondern nachdreht, wie ich damals auch 
getan hatte, so wird man in der Meinung, daß die erste Beobachtung einen An- 
haltspunkt gegeben hat, im richtigen Sinne nachdrehen, immer die Umkehrpunkte 
an derselben Seite erwischen und gar nicht auf den Gedanken kommen, daß es 
noch eine zweite Reihe von Paralleleinstellungen geben könnte, die genau 80 
„zuverlässig“ sein würde, Man beobachtet also Reihen mit den üblichen Schwan- 
kungen, dem richtigen Gang, aber beträchtlichen systematischen Fehlern. 
Mit großer, an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hat bei den Be- 
obachtungen von Herrn Dr. Michler der gleiche Einfluß die Hauptrolle ge- 
spielt. Sieht man einmal die mitgeteilten Meßreihen daraufhin an, so fällt auf,
	        
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