Schmidt, W.: Prüfung von Anemometern auf die Wiedergabe rascher Schwankungen usw. 333
Eine Bemerkung ist vielleicht im Hinblick auf den in der letzten Zeit
wiederholt gemachten Versuch, Schalenkreuze zusammen mit besonderen An-
ordnungen für Analyse der Windstruktur zu verwenden, nötig: nicht bloß die
Ungenauigkeit von Ablesungen über kürzere Zeiten oder die eben erwähnte
Schwierigkeit legen bei derartigen Versuchen große Vorsicht auf; es sind viel-
mehr auch die Nachhinkbilder nur in wenigen Fällen genügend genau Ellipsen,
sonst aber oft verzerrt, so daB reine Sinusschwingungen des Windes nicht als
solche wiedergegeben werden, Jede solche Abweichung von der einfachen An-
nahme, vor allem aber die Abhängigkeit von T, geht höchst störend in die Auf-
zeichnung ein,
Einige Schwierigkeiten machte die Prüfung des Instrumentes von Kousnetzoy,
und zwar deswegen, weil die Registrierung auf einem Kymographion erfolgen
mußte und zur Übertragung darauf ein längerer, vor dem starken Luftstrom
zu schützender Schnurzug notwendig war. Auf derselben Trommel waren die
Kontakte, aus denen die Windgeschwindigkeit entnommen wurde, aufzuzeichnen.
Die Reibung im ganzen Übertragungsmechanismus wurde durch das ständige
Klopfen eines Klingelwerkes ausgeschaltet, Die Versuche zeigten, daß das Instru-
ment außerordentlich rasch den Änderungen der Windgeschwindigkeit folgte —
nicht anders zu erwarten, wo doch die bewegte Masse so besonders klein ist
und nur geringe Wege zurückzulegen sind. Von Nachteil blieb immerhin die
recht ungleichförmige Teilung der Skala.
IN. Prüfung der Gruppe B, Sonderbauweisen (Wien).
Dines-Anemometer, Versuchsanordnung.
Bei der Eichung des Dines - Anemometers wurde folgendermaßen vor-
gegangen: Es kam darauf an, vor dem Anemometerkopf Schwankungen der
Windgeschwindigkeit oder des Winddruckes zu erzeugen, und zwar in einer
Weise, daß immer genügend für Nachfuhr von Luft gesorgt war. Dazu war
der Kopf (Druckseite) durch ein kurzes Schlauchstück mit der Auslaufseite eines
Staubsaugers verbunden. In dieses Verbindungsstück war eine Drosselklappe
eingeschaltet, die sich im lichten Raume des Rohres durchädrehen konnte und
für sich mit beliebig einstellbarer Umdrehungsgeschwindigkeit von einem Motor
aus gleichmäßig angetrieben wurde, Je nach dem Bereich, der überstrichen
werden sollte, wurde diese Drosseleinrichtung unmittelbar in den Weg des
Luftstromes oder als Abzweigung nach außen geschaltet. Dadurch und durch
ainige Zusätze konnte auch die Wellenform, die normal sehr genau regelmäßig
nach der Sinuslinie verlief, abgeändert werden in eine solche mit breiten Rücken
und schmalen Senken oder umgekehrt.
Entweder mit ganz kurzer Leitung (26 cm) oder mit einer 1242 cm langen
Leitung von 13 mm innerer Weite (wie sie einer Reihe von ausgeführten Auf-
stellungen solcher Druckrohranemometer entspricht) war nun an das Druckrohr
die Druckseite des registrierenden Apparates angeschlossen, die unter dem
Schwimmer endigt. Da nach vorläufigen Versuchen eine gleichzeitige Verbindung
der Saugseite mit den Lochreihen des aufnehmenden Teiles die Ergebnisse
kaum merklich beeinflußte, wurde später davon ganz abgesehen: deren Hahn
konnte einfach frei gegen das Zimmer geöffnet bleiben. Die dabei mögliche
Beeinflussung der Absolutwerte blieb unschädlich, da ja gesondert statisch ge-
eicht wurde,
Es handelte sich nun darum, die Angaben des Dines-Anemometers mit
solchen eines Anzeigegerätes in Beziehung zu bringen, das möglichst rasch den
Druckschwankungen folgte. Zu diesem Zwecke war knapp vor dem Anemo-
meterkopf eine seitliche Rohrabzweigung angebracht, die kurz unter eine durch
Wasser abgedichtete, an einem Waagebalken aufgehängte Gasometerglocke mündete.
Es war darauf gesehen, daß die Glocke nur ganz kleine Bewegungen machte,
diese aber entsprechend vergrößert auf einen Schreibarm übertragen werden
konnten, der über die Tischplatte des Kessels des Dines-Apparates hinaufreichte.
Bei den ersten Versuchen wurde auf einem schnell bewegten Papierstreifen
nebeneinander der Stand des Schwimmers des Dines-Apparates, der Stand des