Schmidt, W.: Prüfung von Anemometern auf die Wiedergabe rascher Schwankungen usw. 331
Luft mit nur wenig abnehmender Geschwindigkeit weiter rotiert. Es liegt wohl
nahe, daran zu denken, daß eine derartige Wirkung für die kleinen leichten
Schalenkreuze viel weniger in Betracht kommt als etwa für massigere.
Schon bei diesem Gerät tritt wie auch ganz allgemein deutlich hervor, daß
die Angleichung an die richtigen Schwankungsweiten bei höherer mittlerer
Windgeschwindigkeit wesentlich besser ist. Die Wirkung ist an und für sich
aus den bei größeren mittleren Geschwindigkeiten verhältnismäßig größeren
Änderungen der Wucht verständlich; immerhin sind diese Zusammenhänge aus
unseren Zahlen nicht rein herauszuschälen, sondern verdeckt durch die Ab-
hängigkeit von der mittleren Schwingungsdauer. Nach den Einzelablesungen
der beiden oben besprochenen Instrumente wirkt eine Erhöhung der mittleren
Windgeschwindigkeit um 1 m/sek ähnlich wie eine Erhöhung der Schwingungs-
dauer um rund 30%; bei großen Geschwindigkeiten und großen Schwingungs-
dauern wirkt sich ein weiterer Anstieg der ersteren weniger aus. Deshalb
erscheint eben auch die Umrechnung auf lange Schwingungsdauern, wie sie
bei den drei letzten Instrumenten der Tabelle vorgenommen wurde, gerecht-
fertigt.
Die Nachteile größerer bewegter Massen läßt das Ergebnis für das Instrument
Krafft erkennen. Es zeigt bei weitem das ungünstigste Amplitudenverhältnis:
gibt für Schwingungsdauern von 21 und sogar von 46 sek (Zahl 8 und 9) nur
rund die Hälfte der tatsächlichen Schwankungen an,
Wir können daraus schließen, daß noch größere und schwerere Schalen-
kreuze, wie sie oft für dauernde Registrierung im Freien verwendet werden
(obere Grenze das „KEW-Modell“), für rasche Windschwankungen, selbst wenn
irgendeine mechanische Vorrichtung Augenblickswerte herauszuschälen gestatten
würde, unbrauchbar sind,
Ganz außerordentlich gut hat sich das Anemometer Morell gehalten. Trotz
seiner größeren Abmessungen kommt es bei kurzen Schwingungsdauern T den
leichtesten Handanemometern gleich; wenn aber T einer Minute nahe kommt, ist
as ihnen ausgesprochen überlegen: da sind die Schwankungsweiten bereits ganz
richtig wiedergegeben,
Nicht so sehr diese Amplitudenverhältnisse als vielmehr die in der nächsten
Spalte angeführten mittleren Abweichungen der Einzelbeobachtungen
der Geschwindigkeit vom ausgeglichenen Wert sind aber das Ausschlag-
gebende, soweit es sich um die Zuverlässigkeit der Bestimmung von Schwan-
kungen handelt. Wir sehen bei den Handanemometern überraschend hohe Be-
träge, eine Ungenauigkeit der Einzelablesungen, die sich nicht weit von 0.5 m/sek
entfernt. Besonders fällt auf: bei geringen und sehr hohen Windgeschwindig-
keiten ist der absolute Betrag annähernd gleich, mit anderen Worten: die ver-
hältnismäßige Ungenauigkeit ist bei schwachem Wind ganz erheblich größer
als bei starkem, steht annähernd in verkehrtem Verhältnis zur Geschwindigkeit.
Ähnlich auch für das Anemometer Krafft.
Für die Praxis mit ihren längeren Beobachtungszeiten scheint dies wohl
nicht allzu wichtig zu sein; immerhin geht daraus hervor, daß die gebräuch-
lichste Bauart mit umlaufendem Zeiger nicht ohne weiteres allen Bedürfnissen
gerecht werden kann. Die Ablesegenauigkeit der einzelnen Beobachtung war
ja bei unseren Untersuchungen wesentlich größer, konnte auf ein Dezimeter je
Sekunde oder Bruchteile davon getrieben werden. Es liegt hier also eine Un-
regelmäßigkeit vor, deren eigentliche Ursache wohl in der ungleichförmigen,
mehr oder weniger zufälligen Ausbildung von Wirbeln und Strömungen auf der
Leeseite der bewegten Schalen zu suchen sein dürfte,
Ganz vorzüglich ist aber die Ablesung am Instrument Morell. Die Punkt-
reihen lagen so gedrängt, daß ohne irgendeine Überlegung und Mühe die aus-
geglichene Kurve durch sie durchgelegt werden konnte, Bei kleineren Ge-
schwindigkeiten ergab sich eine Unsicherheit von 9, bei größeren bloß eine
solche von 5 ecm/sek, wahrscheinlich der gedrängten Bauart des Schalensystems
zu danken. Das Instrument kann also für richtige Bestimmung von Schwankungs-
weiten, von Böigkeit u. dgl. besonders empfohlen werden.