Michler, H.: Der Sphärant, ein Instrument zur direkten Beobachtung von Stundenwinkel usw. 29
eine Standlinie durch Breitenmessung gewonnen werden, Es sind hierzu wieder
zwei schnell aufeinanderfolgende Messungen mit veränderter T-Einstellung
erforderlich, das Verfahren ist sonst genau das gleiche, wie vorher bei der
Stundenwinkelmessung beschrieben,
Auch Gestirnshöhen oder Zenitdistanzen können mit dem Instrument ohne
weiteres gemessen werden. Will man eine Höhe haben, so sind der Stunden-
winkelnonius auf 0b (Breitenbogen und Abweichungskreis sind jetzt parallel) und
der Breitennonius auf 90° festzustellen, Die Beobachtung geschieht nun durch
Bewegen des Abweichungsnonius, dessen Ablesung dann die Höhe ergibt. Stellt
man dagegen den Breitennonius auf 0° fest, dann ist die Ablesung des Ab-
weichungsnonius die Zenitdistanz,
Berichtigungen. Bislang sind, mit Ausnahme der Kimmtiefe, die erforder-
lichen Berichtigungen — Strahlenbrechung und Höhenverschub — noch nicht
erwähnt worden. Da mit dem Sphäranten entweder der Stundenwinkel oder
die Breite direkt, also keine Höhen im alten Sinne, gemessen werden, sind
natürlich die für diese Berichtigungen aufgestellten nautischen Tafeln unbrauchbar,
Die für astronomischen Gebrauch vorhandenen Tafeln, die die Strahlenbrechung
auf die Abweichung beziehen, sind für die nautische Praxis zu kompliziert. Es
wäre daher erforderlich, eine einfache Tafel oder ein Diagramm zu schaffen,
deren Koordinaten Abweichung und Stundenwinkel die anzuwendende Berichtigung
ergeben. Für Mondbeobachtungen wäre eine ähnliche Berichtigungstafel für den
Höhenverschub erforderlich, Zur astronomischen Ortung auf See und in der
Luft ist bei Benutzung des Sphäranten also nur das Jahrbuch, in das man die
Berichtigungstafel für Strahlenbrechung und Verschub hineinklebt, und ein Chrono-
meter erforderlich!
Wenn soweit im wesentlichen die Ausführungen Kasters wiedergegeben
wurden, so soll dieser Bericht nicht ohne einige Kritische Bemerkungen ab-
geschlossen werden. Es ist natürlich schwer, ein abschließendes Urteil zu geben,
ohne das Instrument, das zur Zeit in Deutschland noch nicht zu haben ist, selbst
geprüft zu haben. Wenn der Sphärant die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt,
woran unter Berücksichtigung der Untersuchungsergebnisse der U. S. Marine
kaum zu zweifeln ist, so wären die vielen Bemühungen um eine Vereinfachung
und Beschleunigung der astronomischen Ortung, die besonders für die Luftfahrt
unerläßlich ist, gelöst, Nautische Tafeln, Nomogramme, Karten gleicher Stern-
nöhen, Rechenschieber und -maschinen und anderes mehr werden überflüssig,
Rechenfehler und Versehen beim Aufschlagen von Tafelwerten und Logarithmen
sind unmöglich, da nicht mehr gerechnet wird. In bezug auf die Schnelligkeit
scheint die Grenze des überhaupt Möglichen erreicht, die von keiner anderen
Methode oder Hilfsmittel — bei gleicher Genauigkeit des Ergebnisses — über-
iroffen werden kann, dazu soll das Beobachten mit dem Sphäranten leichter
sein als mit dem Sextanten, so daß selbst Anfänger schnell sichere Ergebnisse
erzielen, Diese Erleichterung der Beobachtung ist im wesentlichen durch das
direkte Anvisieren des Gestirns mittels Teleskop gegeben, was besonders bei
Nachtbeobachtungen wichtig ist. Dem geübten Beobachter bereitet es zwar unter
aormalen Verhältnissen kaum Schwierigkeiten, mit dem Sextanten das Gestirn
„herunterzuholen“, aber bei der Ausrüstung der modernen Sextanten — ins-
besondere der Libellensextanten — mit möglichst großen Spiegeln kann es leicht
vorkommen, daß mehrere Sterne im Spiegel zu sehen sind, die dann beim Beob-
achten verwechselt werden, was bei Benutzung des Sphäranten ausgeschlossen
ist. Über den Preis des Instrumentes war nichts zu erfahren, er dürfte aber
anter Berücksichtigung der instrumentellen Einrichtung ein Vielfaches des Preises
eines gewöhnlichen Sextanten betragen, was immerhin für seine Einführung von
nicht unwesentlicher Bedeutung ist.
Die Ideallösung ist mit dem Sphäranten jedoch noch nicht gefunden, denn
auch er ist zur Herstellung der horizontalen bzw. vertikalen Haltung des In-
strumentes auf die Libelle angewiesen, Die Versuche, die bisher mit Libelle,
Pendel und Kreisel zu diesem Zweck gemacht wurden, haben nur eins er-
wiesen, nämlich, daß all diese Hilfsmittel mehr oder weniger einer zur Zeit