324 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1934.
ausgeprägten Sprungschicht, wie es an unserer Ankerstation der Fall war, die
Pyknosondenmessungen von den Titrationsergebnissen abweichen, Die Ab-
weichungen der Salzgehaltskurve, die die Pyknosondenmessung liefert, von der auf
Grund der Serienmessung gezeichneten sind bei allen vorgenommenen Messungen
gleichsinnig. Daß es sich um Abweichungen handelt, die durch die Arbeitsweise
der Pyknosonde verursacht werden und nicht dem Zufall zuzuschreiben sind,
geht besonders aus zwei Reihenmessungen hervor, die ausgeführt wurden, Die
erste besteht aus elf Messungen mit der Pyknosonde, die im Verlaufe von
45 Minuten, unmittelbar hintereinander, vorgenommen wurden (Fig. 2), Die Reihe
begann am 13. VIIL um 14.21% und endete 15,06% Ihre Resultate wurden mit
zwei Salzgehaltsserien verglichen, die aus Titration geschöpfter Wasserproben
gewonnen waren. Die erste gehört zu einer Serienmessung um 14.15b, die
zweite zu einer solehen um 15.13%, Das Diagramm zeigt, daß die Pyknosonden-
messungen nur wenig voneinander abweichen. Die verhältnismäßig kleine
Streuung der Einzelwerte um einen Mittelwert, der selbst vom wahren Salzgehalts-
wert stärker abweicht als die Einzelwerte voneinander, läßt erkennen, daß bei
den einzelnen Pyknosondenmessungen die wahre Salzgehaltskurve in gesetz-
mäßiger und fast gleichbleibender Weise verfälscht wird, Jeder wahren Salz-
gehaltskurve scheint also eine bestimmte, von der Pyknosonde gelieferte gesetz-
mäßig veränderte Kurve zu entsprechen, und es fritt die Frage auf, ob die
geringe Streuung der Einzelwerte um ihren Mittelwert als zufällig anzusehen
ist, also der Meßungenauigkeit zugeschrieben werden muß, oder ob sie real ist,
also der zeitlichen Veränderung der Wassersäule entspricht.
Betrachten wir zunächst den gesetzmäßigen Fehler der Pyknosondenmessung,
indem wir die Mittelwerte der Einzelmessungen mit den wahren Salzgehaltswerten
vergleichen. Das typische Bild zeigt Fig. 3. Beide Salzgehaltskurven kreuzen
sich, Oberhalb der Sprungschicht, die in ihrer Schärfe bei der Pyknosonden-
kurve stark verwischt wird, sind die Abweichungen am größten. Eine Er-
klärung ergibt sich, wenn man bedenkt, daß auch dann, wenn man die Pykno-
sonde im vorgeschriebenen Tempo fiert, eine Mischung im eindringenden
Wasser vor sich gehen muß. Das Wasser dringt durch die kleine Öffnung
hinein, fließt dann um den Ventildeckel herum und muß durch das Sieb hin-
durch, auf dem die Schwimmer liegen; daß dabei auch bei langsamem Fieren
ein turbulentes Eindringen des Wassers zustande kommt, wodurch benachbarte
Schichten miteinander vermischt werden, leuchtet ein. In den oberen Wasser-
schichten sind nun die Mengen, die beim Senken um beispielsweise 1m in die
Pyknosonde eintreten, bedeutend größer als in den unteren, wie man es auf
dem Tiefenmaßstab anschaulich sieht. Darum hat ja auch La Cour ein be-
sonders langsames Fieren für die ersten Meter empfohlen (S. 11). Dennoch
ist auch bei Befolgen seiner Angaben die Mischung in der Pyknosonde für die
obersten Schichten besonders groß. Unterhalb der Sprungschicht zeigt sich
guch eine Mischung, aber sie ist kleiner als die der Oberschichten, weil das
Wasser viel langsamer in die Pyknosonde eintritt, den kleinen Mengen ent-
sprechend, die eine Wassersäule von 1m Länge im Meer repräsentieren. So
kommt es, daß die Pyknosonde über der Sprungschicht in unserem Beispiel zu
große Salzgehaltswerte zeigt, daß die Sprungschicht gehoben. und der Übergang
zwischen Ober- und Unterschicht zu allmählich erscheint. In der Tiefe sind
entsprechend die Salzgehalte zu klein, aber die Kurve paßt sich den wahren
Verhältnissen besser an als in der Oberschicht, wo die Abweichungen beträcht-
lich sind. Daß die Mischung bei verschiedenen Messungen in derselben Wasser-
säule immer in der gleichen Weise vor sich geht, muß von vornherein gefordert
werden und ist auch bestätigt. Denn bei den elf Messungen unseres Beispiels
liegen die Einzelwerte, wie schon oben hervorgehoben, eng beieinander und
weichen alle gleichsinnig von der wahren Kurve ab. Daraufhin könnte man
versuchen, durch umfassende Beobachtungen mit der Pyknosonde und zugleich
mit Serienmessungen in verschieden geschichteten Schelfmeeren empirische Kor-
rekturen für die Pyknosondenbeobachtungen anzugeben, Das wäre aber ein
sehr schwieriges und wohl kaum lohnendes Unternehmen, weil die Korrekturen
von der Lage und dem Gradienten der Sprungschicht abhängen müssen.