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Full text: 62, 1934

390 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1934, 
vorbeieilenden Wellenscheitel nicht bis zu voller Höhe aufgezeichnet haben, 
da die Pegel einem plötzlichen Anstieg bzw. Abfall des Wasserspiegels erst all- 
mählich folgen. So ist es sehr wohl möglich, daß die wirklichen Amplituden 
größer waren als die aufgezeichneten. Immerhin sind auch diese an den frei 
liegenden Pegeln schon beträchtlich. 
{n Tabelle 1 sind alle wichtigen Zahlenwerte der einzelnen Beobachtungs- 
stationen zusammengestellt. Danach erreichte die Größe des 1. Anstieges bei 
der ersten Welle an den frei liegenden Pegeln Werte von 35 bis 47 cm. Der 
darauf folgende 1. Abfall erreichte Werte von 117 bis 157 cm und der 2. Anstieg 
von 40 bis 74 cm, 
Es sei noch bemerkt, daß das vorhergehende Hochwasser an der ostfriesischen 
Küste eine Höhe von etwa 30 bis 40 cm über m. Hw. erreichte, ; 
Daß im übrigen der Schwingungsverlauf in der ganzen Deutschen Bucht 
sehr ähnlich war, zeigt ein Vergleich der Pegelkurven von der ostfriesischen 
Küste und den Sylter Pegeln. Auch die Eintrittszeiten der ersten Anschwellung 
(Wellenscheitel) zeigen ein durchaus klares Bild, In Abb. 3 sind daher aus den 
in Tabelle 1 enthaltenen Werten die „Linien gleichzeitigen Eintreffens des 
1. Wellenscheitels“ gezeichnet. Hierbei wurden Gebiete, für welche keine genügenden 
Unterlagen vorliegen, frei gelassen. Nach See zu wurden die Linien unter Be- 
nutzung des Wertes für Helgoland für ein gewisses Gebiet in ihrem vermut- 
lichen Verlauf gezeichnet; ihr Abstand wurde überschläglich nach der Formel 
von Lagrange bestimmt. Aus dem Verlauf dieser Linien wird man bereits 
schließen dürfen, daß der Seebär etwa im Raume nordwestlich von Helgoland 
entstanden ist. 
Der plötzliche Anstieg und Wiederabfall des Wasserspiegels hat an der 
Küste jedoch nicht nur die oben geschilderten Brandungserscheinungen hervor- 
gerufen, sondern brachte auch plötzliche und beträchtliche Steigerungen der 
Stromgeschwindigkeiten mit sich, Hierzu sei nur eine Beobachtung mitgeteilt: 
Die Verfasser befanden sich während der Erscheinung auf einer Dienstfahrt 
an Bord eines Motorbootes und fuhren in die Einfahrt des Hafens Norderney 
ein, gerade als der in der dortigen Pegelkurve sichtbare plötzliche Abfall zwischen 
14% und 15% Uhr eintrat. Es war bei der gleichzeitigen starken Ebbeströmung 
nicht möglich, vorwärts zu kommen, sondern das Boot konnte sich bei voll 
laufendem Motor gerade eben auf der Stelle halten, Es läuft normal 7 Sm 
je Stunde, d.h. der herrschende Strom hat demnach auch etwa 3.5 m/sec be- 
tragen. Normalerweise betragen die stärksten Stromgeschwindigkeiten an dieser 
Stelle etwa 1.2 m/sec. 
Es ist nun versucht worden, eine Erklärung für die Ursache der Erscheinung 
aus den gleichzeitig auftretenden meteorologischen Umständen zu finden, welche 
schon bei bloßer Augenbeobachtung als besonders ungewöhnlich auffallen mußte. 
Die Tage vor dem 19. VIIL 1932 brachten in der deutschen Bucht heiteres 
Wetter mit schwachen Winden aus meist östlichen bis südlichen Richtungen. 
Die Barometerstände lagen um 770 mm (über 1025 Millibar) mit einem kräftigen 
Hoch. Die Deutsche Seewarte meldete vom 19. VIII 1932 vormittags: „Die 
Wetterlage über West- und Mitteleuropa bleibt weiter sehr stabil, Das Hoch 
verstärkt sich und zieht langsam nordostwärts nach Mittel- und Nordosteuropa.“ 
Der 19. VIIL mittags brachte brütende Hitze (bis 30°C) bei Windstille, 
nachdem vormittags schwache Luftbewegung aus Südosten geherrscht hatte. 
An der ostfriesischen Küste setzte dann um etwa 15% Uhr eine heftige Böe aus 
Nordosten ganz plötzlich ein, Die Windgeschwindigkeit steigerte sich sofort auf 
10 bis 12 m/sec. Die Stärke hielt zumeist etwa bis gegen 18% bis 20% Uhr an, 
wobei der Wind langsam auf Südost zurückdrehte. 
Der Verlauf der Windbewegung und der Luftdruckschwankungen kann bei 
einer Anzahl Windmesser und Barographen verfolgt werden. Einige bemerkens- 
werte Kurven sind in Abb. 2 wiedergegeben. Es zeigt sich hier deutlich die 
plötzliche Winddrehung und das Einsetzen der Böe für alle Windmesser, und 
zwar so charakteristisch, daß man ebenso wie für den 1. Wellenscheitel „Linien 
gleichzeitiger Winddrehung"“ zeichnen kann. Die Eintrittszeiten sowie die Luft-
	        
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