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Full text: 62, 1934

316 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1934 
muß eine Rückströmung in größerer Tiefe stattfinden, bei der das spez. Volumen 
infolge von Mischung wieder vergrößert wird. 
Da die thermohaline Zirkulation an der Oberfläche von Gebieten mit großem 
zu solchen mit kleinem spez. Volumen gerichtet ist, wird eine Konvergenz der 
Oberflächenströämung dort vorhanden sein, wo das spez. Volumen ein Minimum 
oder die Dichte ein Maximum hat. Sollte die Antarktische Konvergenz durch 
die thermohaline Zirkulation hervorgerufen sein, so müßte die Dichte des Ober- 
fMächenwassers ein Maximum im Konvergenzgrebiet aufweisen, und dies Maximum 
müßte von den äußeren Bedingungen, den klimatischen Verhältnissen, erhalten 
werden, d. h, die Dichte der von beiden Seiten heranströmenden Wassermassen 
müßte in der Bewegungsrichtung zunehmen. Dies ist aber nicht der Fall. Im 
Winter nimmt die Dichte von Norden nach Süden zu und erreicht ein Maximum 
am Schelfrande des Südpolarkontinents. Die thermohaline Zirkulation muß in 
dieser Jahreszeit überall von Norden nach Süden gerichtet sein. Im Sommer 
aber ist die Dichte gering am Eisrand infolge der Zufuhr von Schmelzwasser, 
und erst etwas nördlich vom Eisrande findet man das Dichtemaximum, Im Be- 
reich dieses Maximums müßte man im Sommer eine Konvergenz erwarten, wenn 
letztere nur durch die thermohaline Zirkulation bedingt wäre. Tatsächlich liegt 
die Konvergenz aber — wenigstens im Gebiet östlich von Süd-Georgien, aus dem 
viele Beobachtungen vorliegen — mehr als & Breitengrade weiter nördlich und 
kann deswegen nicht durch die thermohaline Zirkulation allein veranlaßt sein. 
Das System der thermohalinen Zirkulation wird aber noch von der Wind- 
strömung überlagert. Im Gebiet nördlich und südlich der Konvergenz weht der 
Wind sowohl im Winter wie im Sommer von Westen; infolge der direkten Wind- 
wirkung. würden die Oberflächenschichten nach Norden transportiert werden, 
wenn keine anderen Faktoren vorhanden wären. Der Windstrom ist demnach 
im großen und ganzen der thermohalinen Strömung entgegengerichtet. Es ist 
nun möglich, daß in einem Teil des Gebiets der Windstrom überwiegt und in 
einem anderen der thermohaline Strom, In unserem Fall scheint südlich der 
Konvergenz die Windwirkung zu überwiegen, während nördlich von ihr die 
thermohaline Strömung das Übergewicht hat. Im Sommer wird aber der Wasser- 
transport nach Norden auf der Südseite der Konvergenz verstärkt, weil am Eis- 
rand die thermohaline Strömung auch nordwärts gerichtet ist infolge der Zufuhr 
von leichtem Schmelzwasser, Dieses ist, wie von Deacon hervorgehoben, die 
Ursache der Verstärkung der Nordströmung im Sommer, 
Es ist mit großen Schwierigkeiten verbunden, die hier angedeutete Erklärung 
der Entstehung der Antarktischen Konvergenz theoretisch nachzuprüfen. Da- 
gegen läßt sich zeigen, daß nördlich der Konvergenz die thermohaline Strömung 
und der Windstrom wahrscheinlich von derselben Größenordnung sind, wenn wir 
die Verhältnisse im südlichen Atlantischen Ozean betrachten, Nach Simpson‘) 
beträgt der mittlere Wärmeverlust der Erdoberfläche zwischen 40° und 50° 
Breite etwa 0,03 gr. cal/ecm* min oder eiwa 5.10-* gr, cal/sec, Nehmen wir an, 
daß diese Wärmemenge einer sich südwärts bewegenden, 100 m dicken Wasserschicht 
entzogen wird, so ist deren Temperaturabnahme etwa 55-1078 Grad/sec. Bei 
einer Temperatur der Schicht von etwa 6° entspricht dies einer Volumenzunahme 
von ungefähr 7 -10-1 Einheiten/sec, d. h. A 7.1017 Nach den Beobach- 
tungen wächst das spez. Volumen des Oberflächenwassers im südlichen Atlan- 
tischen Ozean zwischen 42° und 50° um etwa 5-10-4 Einheiten auf 8 Breiten- 
graden, oder ST 5,5107 Demnach müßte die südwärts gerichtete Kom- 
ponente der thermohalinen Strömung eine Geschwindigkeit von etwa 1.3 cm/sec 
haben. Bei einer mittleren Geschwindigkeit des Westwindes von etwa 10 m/see 
und unter der Voraussetzung, daß der Tangentialdruck des Windes der Gleichung 
T=82-10—8 w?2 gehorcht?), wo w die Windgeschwindigkeit in cm/sec bedeutet, 
1) Further Studies in Terrestrial Radiation, Memoirts of The Royal Met, Society Vol. ILL No. 21, 
London 1928, — *) Vgl. Ann. Hydr. 1906, S, 539 (V. W. Ekman: Beitr. zur Theorie der Meeres- 
strömungen), ferner Abderhalden, Handb. der biolog. Arbeitsmethoden, Abt. II, Teil 3, S. 3037 
{H. Thorade: Methoden zum Studium der Meeresströmungen),
	        
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