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Full text: 62, 1934

Sverdrup, H, U.: Wie entsteht die Antarktische Konvergenz? 
DIE 
Wie entsteht die Antarktische Konvergenz? 
Von HM. U, Sverdrup, Bergen. 
Es jst festgestellt worden, daß die Antarktische Konvergenz um den ganzen 
Antarktischen Kontinent herum verfolgt werden kann!) als scharfe Grenzlinie 
zwischen dem schwereren antarktischen und dem leichteren subantarktischen 
Oberflächenwasser,. Auch unterliegt es keinem Zweifel, daß im Gebiet der Kon- 
vergenz ein Sinken des Oberflächenwassers stattfindet, daß also eine Konvergenz 
der Oberflächenströmungen vorhanden ist. Dagegen ist eine einwandfreie Er- 
klärung für die Entstehung dieser Konvergenz noch nicht gegeben. Der Ver- 
{asser?) hat die Vermutung ausgesprochen, daß die größten Windgeschwindig- 
keiten südlich der Konvergenz angetroffen würden und daß hieraus eine Kon- 
vergenz in der Windtrift der Oberflächenschichten sich ergäbe. Deacon®) er- 
blickt hingegen die Ursache der Konvergenz in der thermohalinen Zirkulation 
der oberen Schichten. Keine dieser Erklärungen befriedigt indes, wohl aber 
scheint es möglich, durch beider Kombination der‘ Wahrheit näherzukommen. 
Die Windverhältnisse allein können die Konvergenz nicht verursachen, da 
kein wesentlicher Windgeschwindigkeit-Sprung in dem betreffenden Gebiet er- 
kennbar ist (Deacon a. a. O.). Außerdem ist gegen diesen Erklärungsversuch 
einzuwenden, daß zutreffendenfalls das Wasser auf der Nordseite der Konvergenz 
sich ebenfalls nordwärts bewegen müßte, wenn auch langsamer als auf ihrer Süd- 
seite. Der scharfe Temperatursprung an der Konvergenz deutet aber an, daß die 
Meridional-Komponente der Oberflächenbewegung auf beiden Seiten der Konver- 
genz entgegengesetzte Richtung hat. 
Eine thermohaline Zirkulation der Oberflächenschichten kann auch nicht 
allein eine Konvergenz hervorrufen. Zum Beweis muß etwas näher auf den 
Charakter dieser Zirkulation eingegangen werden, In ihrem Buch: „Physika- 
lische Hydrodynamik“ haben V. Bjerknes, J.Bjerknes, Solberg und Bergeron 
die Zirkulationen behandelt, die innerhalb eines geschlossenen Systems vorhanden 
sein können, wenn einem Gebiet des Systems Wärme entzogen wird und ein 
anderes Gebiet Wärme zugeführt erhält. Statt von Wärmezufuhr und Wärme- 
entziehung wird man aber besser von Gebieten sprechen, in denen unter der 
Einwirkung von Außenkräften Kontraktionen oder Expansionen stattfinden. Der 
allgemeine Satz bezüglich der thermohalinen Zirkulationen lautet dann: Damit 
eine thermodynamische Maschine Arbeit leistet, muß die Kontraktion unter ge- 
ringeren Druck stattfinden als die Expansion. In dieser Form läßt sich der 
Satz am besten auf die ozeanischen Verhältnisse anwenden; in den Oberflächen- 
schichten sind nämlich die Volumenänderungen nicht nur von Wärmezufuhr oder 
Wärmeabgabe abhängig, sondern auch von Niederschlägen und Verdunstung, 
und in den tieferen Schichten von der Vermischung von Wassermassen mit ver- 
schiedenem spez. Volumen. | . 
Wenn nun an der Oberfläche das spez. Volumen des Wassers wegen äußerer 
Bedingungen (klimatische Verhältnisse) örtlich konstant bleibt, räumlich sich 
aber ändert, so muß sich eine Zirkulation einstellen, bei der sich das Oberflächen- 
wasser in der Richtung des Gradienten des spez. Volumens bewegt, d. h. von 
Gebieten mit großem spez. Volumen zu Gebieten mit kleinem, Bei dem Vor- 
handensein einer solchen Zirkulation bleibt die Verteilung des spez. Volumens 
konstant, wenn: 
aV_. dV 
at Un In? 
oder wenn die Änderung des spez. Volumens, Se einer individuellen Partikel gleich 
ist dem Produkt aus dem Gradienten des spez. Volumens, und der Ge- 
schwindigkeit un in der Gradientenrichtung. Wegen der Oberflächenströmung 
i) Deacon: „Die Nordgrenzen antarktischen und subantarktischen Wassers im Weltmeer“. 
Ann. Hydr. 1934, S. 129 ff. — ?%) Discovery Reports VII, S. 139—170, Cambridge 1933. — %) Discovery 
Reports VII, S. 171—238,
	        
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