306 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1934,
der Wind aus W, er geht aber gegen 22b auf SE zurück. Abermals setzt ein
sehr leiser Sprüh@ ein, der um 23% noch anhält. Messung am folgenden Morgen:
2,5 mm.
6. Mai, 7h: t 20°, Wind SSE 2, zeitweise 4. Bewölkung 5. Die Sonne geht
wieder grell und stechend auf. Etwa um &8& bezieht sich der ganze Himmel
mit einer grauen Wolkendecke, die sich langsam aus S heranschiebt. Die
Witterung ist unfreundlich, regnerisch., In NW der Kaguruberge fällt um 10° @;
gegen 10%h regnet es im SE bis SW. Der © wird von leichtem Südwind heran-
gebracht und zieht nach N ab. Es fallen 0.6 mm, Bis 16h hat sich das Wetter
kaum geändert. Dann entsteht wieder in der Ferne eine von SE bis SW reichende
wand, die, sich nach E und W erweiternd, immer näher heranrückt und sich
wie eine Klammer um die Pflanzung legt. Um 16%h geht über der Pflanzung
von S, W und E ein kräftiger © von etwa einstündiger Dauer nieder (18.5 mm).
Danach klart es schnell auf, und die Wolken verschwinden, Die Nacht ist sternklar.
FF. Blitz.
4, Klimatographische Witterungsschilderung. Nr. 24: Ekuador. — Aus der
Sammlung des überseeischen meteorologischen. Dienstes der Deutschen Seewarte. —
Beobachtungen auf der Fahrt von der Sierra Ekuadors durch den
Pastazadurchbruch (Ostkordillere) nach Banios im März 1930. Es ist
bekannt, daß ein leichter Zug!), z. B. an einem geöffneten Fenster, eine schwere
Erkältung, eine Neuritis oder eine rheumatische Erkrankung hervorrufen kann
= ich selbst habe derartige Erfahrungen gemacht —, oder daß etwa in Santiago
de Chile die starke sommerliche Abkühlung‘ zwischen 175 und 20% eine unter
Umständen in Stunden zum Tode führende Bronchopneumonie verursacht. Um
so erstaunlicher ist es, wie allergrößte Klimaänderungen ertragen werden
können. -— Um 85 (Anfang März 1930) läuft das Auto in 3600 m über die
ödbraunen Päramos von Urbina, bald nebelumschwadet, bald im grellen Sonnen-
schein üder durch sturmgepeitschte Graupelschauer bei einer Temperatur von
atwa 6°. Hierbei werden in dieser Höhe die Hände so klamm, daß die Notizen
im Tagebuch in ein unleserliches Geschreibsel ausarten, Dann versteht man, daß
die Päramoserkrankungen (ein Erfrieren bei Temperaturen über 0°, verursacht
durch die Ausstrahlung in jenen Hochebenen in Verbindung mit der Abkühlung
durch den Wind) gelegentlich zum Tode führt; auch eine gewisse Anoxämie
mag, ohne daß eine eigentliche Bergkrankheit vorliegt, diesen Zustand mit ver-
anlassen. Nur 2 bis 3 Stunden später durchfährt man ein föhnbedingtes Trocken-
tal, dessen halbtropischer Anbau durch Berieselung ermöglicht wird, und die
Sonnenglut wird trotz des Fahrtwindes fast unerträglich. Dann dringt man
urplötzlich in die engen, dauernd beschatteten Tuffschluchten im Süden des
Fulkans Tunguragua in die Östliche Hochkordillere, wobei an gewissen Stellen,
besonders an der Brücke, an der die Sierrenflüsse Chimba und Patate zum
Amazonennebenfluß Pastaza zusammenfließen, ein orkanartiger Wind in Stößen
heranbraust. Er hat schon manches Opfer gefordert, u. a. wurde der Erbauer
der Brücke in den reißenden Strom geschleudert. Wir selbst überschreiten, fest
an das Geländer geklammert, die schwankende Brücke und beobachten voll
[nteresse dag Verhalten der beladenen Maultiere, die steif und breitbeinig das
Sturmhindernis nehmen. Durch die mittägliche Erhitzung der wüstenhaften
Sierra wird der SE-Passat durch die Schluchten, übrigens bereits ausgetrocknet,
mit Windstärke B 12 hindurchgesogen,
Bald sind die Engpässe überwunden, und um 163 wird das Ende der Auto-
straße gegen den „Oriente“ in Balios (1800 m), das bereits jenseits, d. h. östlich
des Hauptkammes des ostandischen Gebirgszuges liegt, erreicht. Trotz der milden
Schwüle, die hier wenigstens am Tage merkbar ist, ist die weitere Umgebung
baumlos, jedenfalls frei von Urwald, wenn auch alle Hänge tief moosgrün ge-
polstert sind, Es ist schwer zu entscheiden, ob dies naturbedingt ist, da sonst
im Osten die Baumgrenze erst in 3000 m Höhe liegt, oder aber — was mir aus
meiner südamerikanischen Erfahrung heraus weit einleuchtender ist — der Mensch
!; Val. And, d. Hydr. 1929, S, 182 (Berk u, Castens).