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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1934.
enthalte in Reykjavik begann der zweite Teil der Reise, auf den nach kurzem
Besuche von Isafjord die noch fehlenden ozeanographischen Stationen gewonnen
wurden, Sodann wurde Akureyri besucht, „Meteor“ weilte dort während einer
Südwindperiode mit Föhnerscheinungen. Die Lufttemperatur stieg mittags bis
auf 20°, die Feuchtigkeit betrug dabei nur rund 50%. Nach abermaligem Be-
suche von Reykjavik wurde die Rückfahrt angetreten, und am 23. September traf
„Meteor“ wieder in Wilhelmshaven ein,
Der nautischen Abteilung der Marineleitung sowie dem Kommando des Ver-
messungsschiffes „Meteor“ (Korv.-Kpt. Kurze) ist die Deutsche Seewarte zu be-
sonderem Danke verpflichtet für die Ermöglichung dieser Fahrt, ebenso der Not-
gemeinschaft der Deutschen Wissenschaft dafür, daß sie Instrumente aus den
Beständen der Deutschen Atlantischen Expedition zur Verfügung gestellt hat.
Der Sphärant,
ein Instrument zur direkten Beobachtung von Stundenwinkel oder Breite.
Von Herbert Michler, ehem, Schiffsoffizier,
(Hierzu Tafel 5.)
In „The Hydrographic Review“, Vol. VIII, 2., beschreibt H. BSKaster, UV. S.
Naval Reserve, ein Instrument, das die direkte Beobachtung von Stundenwinkel
oder Breite gestattet. Dieses Instrument — Sphärant genannt — wurde vor
einigen Jahren an der California Universität entwickelt; es ist in seiner dritten
Konstruktion von der U. SS. Kriegsmarine in der Praxis brauchbar und zuver-
lässig, sowohl für die See- wie die Luftnavigation befunden worden, Das In-
strument scheint, wenn es das hält, was von ihm erwartet wird, geeignet zu
sein, eine völlige Umwälzung in der Methode der astronomischen Ortung herbei-
zuführen; besonders für die Luftnavigation zeigen sich Möglichkeiten, die mit
den bisherigen Hilfsmitteln bei weitem nicht erreichbar sind. Es soll daher im
folgenden über das, was Kaster von der instrumentellen Einrichtung und Hand-
habung sagt, ausführlich berichtet werden, Kasters Ausführungen wurden in
wesentlichen Teilen zum besseren Verständnis von Instrument und Beobachtungs-
methode ergänzt und auf die in Deutschland gebräuchlichen Begriffe und Formen
umgestellt,
Konstruktion. Die Einstellung bzw. Ablesung des Instrumentes erfolgt auf
drei Kreisen bzw. Kreisbogen, dem Abweichungs- (Deklinations-) Kreis, dem
Stundenwinkelbogen und dem Breitenbogen, Die Beobachtung selbst erfolgt
durch ein Teleskop, dessen Achse lotrecht zur Achse des Abweichungskreises
steht, um die sie rotiert; damit ist das Teleskop selbst parallel zum Abweichungs-
kreis, auf dem es drehbar befestigt ist. Die Achse des Abweichungskreises ist
ihrerseits lotrecht zur Achse des Stundenwinkelbogens und um sie schwenkbar.
Der Abweichungskreis selbst ist somit auch lotrecht zum Stundenwinkelbogen
und parallel zu dessen Achse. Die Achse des Stundenwinkelbogens -— die Polar-
achse — steht senkrecht zur Achse des Breitenbogens, diese ist horizontal, bzw.
der Breitenbogen selbst ist vertikal, wenn die Libellenblase in der Mitte der
Libellenzelle steht. Um die richtige Einstellung‘ der Blase zu erkennen, ist die
Zelle an dieser Stelle mit einem Kreis markiert. Die Übertragung des Libellen-
bildes auf das Teleskopokular erfolgt dureh ein Prismensystem; der Lichtstrahl
wird von der Libellenzelle zunächst entlang der Breitenachse, dann der Polar-
achse und der Abweichungsachse (deren Hülle gleichzeitig als Handgriff dient)
entlang zum astronomischen Feld im Teleskopokular geführt. Dieses astro-
nomische Feld ist durch ein Fadenkreuz markiert (vgl. Tafel 5).
Beobachtungen über der Kimm benötigen zwei Prismen, die unter der Libelle
angeordnet sind, der Strahlengang zum astronomischen Feld ist der gleiche. Es
werden zwei Kimmabschnitte gebraucht, durch die Anordnung der Prismen
schneiden sich die beiden Kimmbilder, der Schnittpunkt wird im astronomischen
Feld ebenso behandelt wie die Libellenblase. Die mittlere Kimmtiefe wird durch