Thiel, G.: Kapt. L. Schubart: Praktische Orkankunde mit Anweisungen zum Manövrieren usw. 301
Methode und hierbei insbesondere der Bedeutung der Funkentelegraphie
für die Orts- und Bahnbestimmung der Orkane, Der heutige Ausbau der Funken-
telegraphie hat zu einer besonders regen Tätigkeit der Wetterdienststellen und
Schiffe in den Orkangegenden geführt,
Nach Anführung der statistischen Methode, die auf der Ausnutzung von
Ergebnissen, die aus früheren Beobachtungen von Orkanen gesammelt sind, be-
ruht, werden in dem Abschnitt „Das Manöyvrieren im Orkan“ zuerst Kärtchen
der wahrscheinlichsten Richtungen und Geschwindigkeiten der Orkane für West-
indien, Ostasien, den Golf von Bengalen und das Arabische Meer ge-
geben, um unter „In welchem Viertel befindet sich das Schiff?“ und
„Das Segelschiff im Orkan“ sowie „Der Dampfer im Orkan“ und „Bei-
drehen im Orkan“ Regeln und Anweisungen für Segelschiffe und Dampfer
aufzuführen, die dem Seemann eine Übersicht über die Maßnahmen geben, die
er anzuwenden hat, um Schiff und Ladung in richtiger Weise durch die Gefahren
eines Orkans hindurchzubringen,
In dem Hauptstück: „Das Segelschiff im Orkan“ prägt der Verfasser klassische
Worte. Er schreibt: „Wenn man bedenkt, welche Fülle von Kraft tagaus,
tagein in den Passaten, Monsunen und den braven Westwinden ungenützt
über das Meer dahinweht, während Dampfer und Motoren sie nichtachtend ver-
spotten, dann drängt sich das Gefühl auf, als ob Unvollkommenheiten technischer
oder wirtschaftlicher Natur vorlägen, die eine solche Kraftanspannung nicht
zuließen.“
Die Regeln für das Manövrieren mit einem Dampfer im Orkan sind deutlich
und genau ohne Weitschweifigkeiten. Die von Kapitän Schubart geprägte Regel
für das Abwettern eines Orkans: „Lege dich zum Abwettern eines tropi-
schen Wirbelsturmes so, daß du den Wind querein auf Nordbreite von
Steuerbord, auf Südbreite von Backbord hast“ sollte, wie er selbst be-
tont, nur als „letztes Mittel“ angewendet werden, Vielleicht hätte die Be-
tonung als „letztes Mittel“ in den Ausführungen unter „Abwettern“ noch
atwas klarer hervorgehoben werden können, Ein Dampfer liegt bei schwerem
Sturm „beigedreht“ am besten und sichersten, wenn er, Sofern der Seeraum
88 erlaubt, bei ganz langsam vorausarbeitender Maschine See und Wind von
achtern oder nahezu von achtern hält, also lenzt. Dies bestätigen eigene Er-
fahrungen und auch das vom Verfasser angeführte Beispiel, wonach von 40 hervor-
ragenden Schiffsführern sich 32 für das völlige Stoppen der Maschinen oder da-
für, mit „ganz langsam“ die See nach achtern oder nahezu dorthin zu bringen,
ausgesprochen haben, 7 vorzogen, mit dem Bug gegen die See beizudrehen, aber
glaubten, daß das andere Verfahren für die meisten Dampfer auch sicher sei
und 3 bei dem Versuch, mit gestoppter Maschine quersee zu liegen, durch das
starke Rollen des Schiffes so beunruhigt wurden, daß sie wieder mit dem Bug
gegen die See beigedreht haben,
Darum sollte das „Abwettern“ in der Art, daß das Schiff sich quer zu
Wind und See legt oder so, daß der Wind etwas achterlicher als dwars ein-
kommt, nach Möglichkeit nur dann in Frage kommen, wenn das Schiff nicht
mehr manövrierfähig ist.
Im dritten Teil des Buches, den er „Gemäßigte Zone“ bezeichnet, gibt
Kapitän Schubart eine Übersicht über „die meteorologischen Verhältnisse
in der gemäßigten Zone“ und „die Schiffsführung in der gemäßigten
Zone‘ In diesem letzteren Abschnitt wird unter „Die Kurse der Schiffe
verlaufen gleichgerichtet mit der Zugstraße der Depressionen“ aus-
geführt, daß neben Dampfern in der Nordatlantik-Fahrt, „die im allgemeinen
nicht ausweichen“, auch Dampfer fahren, „welche die Zugstraße der De-
pressionen umgehen“ und abschließend der Satz aufgestellt: „Große, schnelle
and kräftige Schiffe, Dampfer und Motorschiffe sowohl wie Segler
gehen im Westwindgebiet der gemäßigten Zonen den Depressionen im
freien Ozean nicht aus dem Wege, wenn das Ziel der Schiffe gegen
die Bewegungsrichtung der Sturmgebiete gerichtet ist. Die Stürme
werden nach seemännischen Erfahrungen und Grundsätzen überwunden,“