Thiel, G.: Kapt, L. Schubart: Praktische Orkankunde mit Anweisungen zum Manörrieren u8w,
999
Kapitän L. Schubart:
Praktische Orkankunde mit Anweisungen zum Manövrieren in Stürmen‘.
Von 6, Thiel.
in diesem Werk behandelt Kapitän Schubart, ehemaliger Abteilungsvorstand
der Deutschen Seewarte, in umfassender und ausführlicher Weise die Natur und
das Wesen der Orkane, der furchtbarsten Stürme, die wir auf dem Meere kennen,
und gibt, selbst ein praktischer Seemann, unter Berücksichtigung neuester Er-
fahrungen und neuzeitlicher Hilfsmittel Anweisungen und Regeln für das Manö-
vrieren in Orkanen, wie sie in solcher Ausführlichkeit und klaren Anordnung
wohl in keinem einschlägigen Werk vorhanden sind.
Den Inhalt gliedert der Verfasser außer einem allgemeinen Teil in drei
Teile: 1. Die tropischen Wirbelstürme, 2. Die Schiffsführung bei Wirbel-
stürmen und 3. Gemäßigte Zone,
Im allgemeinen Teil werden unter anderem eine Reihe nützlicher Tafeln
für die Verbesserung der Barometerablesungen und Kärtchen der Sturmhäufig-
keit in den Ozeanen gegeben,
{m ersten Teil: „Die tropischen Wirbelstürme“ behandelt Kapitän Schubart
im ersten Abschnitt „Erklärung des Orkans“ das Wesen eines Orkans, seine
Entstehung, Ausdehnung, die Luftbewegung, die Wanderung sowie die Häufigkeit
des Auftretens und im zweiten Abschnitt „Die ÖOrkangebiete der Welt-
meere“ nicht nur die Gebiete, in denen Orkane auftreten, sondern auch die-
jenigen, in denen Orkane nicht vorkommen.
In dem Abschnitt „Erklärung des Orkans“ vermissen wir eine Erwähnung
der Achse des Orkans. Pater Algu€e, Direktor des Observatoriums in Manila,
einer der gründlichsten Kenner der Taifune, sagt in seinen Werken über Taifune?)
in den Ausführungen über die Achse des Taifuns, nachdem er vorher dargelegt
hat, daß die Achse zuzeiten eine Nutation oder Schwankung vollführt, wörtlich:
„A... welche mit ihrer Nutation, die sie manchmal hat, sehr stark die Winde und
den ganzen Aufbau des Sturmes beeinflußt. Ihr schreibt Redfield die bemerkens-
werte Verschiedenheit in der Gewalt der Winde bei gleichen Abständen vom
Kern und ihre Böigkeit zu,“ Nachdem er ausgeführt hat, daß, wenn die Achse
in der Richtung der Orkanbahn geneigt ist, die Wolken der Vorderseite niedriger
liegen und die Winde dadurch heftiger und böiger werden als die der Rück-
seite, die Achse auch seitwärts geneigt sein kann und die fahrbaren und gefähr-
lichen Halbkreise vertauscht werden können, sagt er weiter: „... deshalb sieht
man, wie bedeutend der Einfluß ist, den die Stellung der Achse auf die Elemente,
die einen Orkan zusammensetzen, ausübt. Darum ist es eine schädliche Idee, die
[ahrbaren und gefährlichen Halbkreise als festliegend anzunehmen, Immerhin
ist im Gebiet der Philippinen die Bahngeschwindigkeit der Taifune im Vergleich
zur zyklonalen Bewegung nicht so groß; darum ist auch die von der Bahn-
geschwindigkeit abhängige Komponente nicht so groß, um einen größeren Ein-
fluß auf die Geschwindigkeit-der Winde und die anderen Elemente des Örkan-
körpers auszuüben.“
Aus diesen Ausführungen ersiceht man, daß der Stellung der Achse ein Einfluß
auf die Elemente des Orkankörpers zugeschrieben werden muß.
Bei der Beschreibung der Mitte des Orkans sagt Kapitän Schubart:
„Während man früher annahm, daß in der Mitte die von allen Seiten hinzu-
geströmte Luft wie in einem Schornstein aufsteige, besteht heute die Auffassung,
daß im Innern der Mitte absteigende Luftbewegung herrsche,.,“ Pater Algu@
führt zu diesem Punkt aus, daß man in der Mitte des Orkans zwei Zonen von
ganz verschiedener Natur unterscheiden müsse: eine Zone veränderlicher
Winde, die nach dem Innern zu das Gebiet der schwersten Winde begrenzt und
die ganz zentrale Zone, und fährt dann wörtlich fort: „Nun gibt es Meteoro-
ljogen, die in der Mitte des Orkans aufsteigende und andere, die absteigende
‘) Mit 111 Abb, Verlag E. &. Mittler & Sohn, Berlin 1934, Preis 10 bzw. 12 RM, — % P. Jos6
el > di Baguios. 6 Cyelones filipinos, Manila 1897 und The Cyelones of the Far East, 2, Aufl,
anıla s