accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 62, 1934

DES 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1934. 
Von fast allen Beobachtern wurde die Kirscheinung dieser flachen Luft- 
strömung bisher so gedeutet, daß die Eis- und Schneeoberfläche durch Strahlung 
erkalte und hierdurch die ihr unmittelbar anliegende Luftschicht mit abkühle, 
so daß die kalte Luft keinen Zusammenhang hat mit den darüberliegenden Luft- 
schichten und unabhängig von diesen dem Gesetz der Schwere auf den schrägen 
Flächen der Schnee- und Eisfläche folgt. 
Die Neigung, mit Mittelwerten zu rechnen, führt auch in dieser Frage leicht 
zu irrtümlichen Vorstellungen. Es gibt eine beträchtliche Zahl von Tagen, an 
denen kein Inlandeiswind bläst, sondern der Wind in entgegengesetzter oder 
anderer Richtung weht. Auch zeigen die Wolkenbeobachtungen vom Südpolar- 
gebiet, ebenso wie die von den bisherigen Grönland-Expeditionen, daß häufig 
Depressionen über diese Gebiete wandern, aus denen das Anwachsen der Schnee- 
decke erklärlich ist, 
Tallner?) fand den „Inlandeiswind“ bei schönem Wetter auch auf den Eis- 
strömen der Alpen; ich selbst vermute, daß auch der nächtliche „Landwind“, in 
dem ich öfters längs der Küste Samoas gegen den Passat ostwärts segelte, ebenso 
auf der nächtlichen Ausstrahlung der tropischen Inseln beruht: eine dünne, vom 
Boden her abgekühlte Luftschicht gleitet infolge der Schwere zum Meeresniveau 
hinab, Die Strömung erlischt in 1-—2 km von der Küste, 
B. Deutung des Problems, 
Hann schloß auf einen Schwere-Wind und auf eine Luftdruckverringerung 
darüber im Innern des Kontinents oder Landes (Spitzbergen, Grönland, Ant- 
arktis), Das Abfließen der kalten Luft aus dem Innern soll dort ein Luftdefizit 
hervorrufen und die abgeflossene Luft wird von außen her in der Höhe ersetzt, 
Für die „Deutsche Südpolar-Expedition 1901/03“ (v. Drygalski) hat 
Meinardus das Problem bearbeitet und in Band III, 1. Hälfte, Heft 2 kommt 
er praktisch zu demselben Ergebnis, zu dem Hann gekommen war, Meinardus 
stellt fest, daß über dem Innern des antarktischen Kontinents durch das Ab- 
fließen der kalten Luft am Boden eine geringe Luftdruckvrerminderung in der 
Höhe eintreten müsse, daß also die Isobarenflächen in der Höhe sich nach dem 
Innern der Kontinentalfläche etwas senken und daß lokal in der unteren Schicht 
wieder der Luftdruck nach dem Innern zu ansteige, was für das Abfließen der 
kalten Luft Voraussetzung ist. 
Simpson bearbeitete dann die „British Antaretic Expedition 1910/13“ (Scott) 
und veröffentlichte seine Ergebnisse im Band „Meteorology“, der 1919 in Calcutta 
arschienen ist. Seine Ansicht weicht in Einzelheiten von der ab, die Meinardus 
vertreten hatte. 
Ich selbst habe 1913 aus den Beobachtungen in Spitzbergen den Schluß auf 
eine Antizyklone gezogen, indem ich den von den zahllosen Gletschern und aus 
den Fjorden abfließenden Wind als Begleiterscheinung einer Antizyklone ansah, 
1926 veröffentlichte dann Hobbs sein Buch über die glazialen Antizyklonen?), 
Hobbs deutete ebenfalls das Abfließen der kalten Luft als Wirkung einer Anti- 
zyklone. 1926 und 1927/1929 führte dann Hobbs zur Klärung der Frage, die 
inzwischen eine zeitweise lebhafte Debatte hervorgerufen hatte, Pilotvisierungen 
an der Südwestküste Grönlands aus®%, Die Beobachtungen zeigen, daß der 
sharakteristische Inlandeiswind praktisch keinen Zusammenhang mit den Druck- 
und Strömungsverhältnissen der darüberliegenden Schichten hat, also ein Schwere- 
Wind ist. 
Die Frage, ob über dem Innern des vereisten Kontinentes erhöhter oder 
verminderter Druck herrscht, können wir offenbar nur wirklich klären, wenn 
regelmäßige gleichzeitige Drachenaufstiege an der Küste und regelmäßige meteor- 
ologische Beobachtungen im Innern vorhanden sind, weil wir bei einer Reduktion 
der meteoralogischen Beobachtungen im Innern auf das Meeresniveau bereits 
1) Met, Z, 1931, Heft 11: Gletscherwinde in den Ostalpen. — %) William Herbert Hobbs „The 
(Hacial Antieyelones*, The Macmillan Company, New York, 1926, — 2%) „Reports of the Greenland 
Expeditions of the University of Michigan (1926—31)“, Part I Aerology, Expeditions of 1926 and 
1927—20: Ann Arbor, University of Michigan Press, 1931.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.