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Full text: 62, 1934

Möller, F.: Über Differenzenmethoden bei Höhenwinden. 
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einem erheblich größeren Beobachtungsmaterial als für Windmessungen mittels 
Drachen- oder Fesselballons. Um die hier aufgetauchte Frage nach den wirk- 
lichen Veränderungen des mittleren horizontalen Temperaturgradienten genauer 
zu untersuchen, wird sich aber eine Bearbeitung der Lindenberger Drachenwind- 
messungen nach den oben dargelegten Methoden lohnen. 
Ungelöst ist hier die für F. Wagner ausschlaggebende Frage der Berechnung 
der Beständigkeit des Windes geblieben. Bei Verwendung der vektoriellen Diffe- 
renzenmethode ist es nicht leicht, das skalare Mittel für die größeren Höhen zu 
berechnen, da der Korrektionsbetrag in der Praxis nicht an den einzelnen Wind- 
beobachtungen, sondern erst am Mittel angebracht wird. Doch erscheint die 
Berechnung dieser prozentualen Beständigkeit auch von theoretisch statistischen 
Gesichtspunkten aus nicht wünschenswert, da ein solches Maß sowieso keine 
klare Vorstellung von der Größenordnung der Windschwankungen gibt. Besser 
dürfte eine an die Definition der Streuung in der mathematischen Statistik an- 
knüpfende Größe sein, die man entweder ebenfalls als Streuung (mit der Dimension 
von m/sec!) oder vielleicht auch weitergehend als Fehlerellipse mit zwei Achsen 
{m/sec) und einer Richtung der großen Achse angeben könnte, Auf deren Be- 
rechnung soll an anderer Stelle eingegangen werden, wo die Gültigkeit der 
Grundrechnungsarten für mittels Differenzenmethode berechnete Größen behandelt 
werden soll, 
Es ist kein Zweifel, daß für die vollständige Beschreibung der Wind- 
verhältnisse eines Ortes ebensowenig das vektorielle wie das skalare Mittel, auch 
nicht in Verbindung mit irgendwelchen Streuungsmaßen, ausreicht, sondern daß 
die Darstellung der Häufigkeitsverteilung das beste Verfahren ist, doch sind 
auch dabei Differenzenverfahren anzuwenden, auf die hier einzugehen allerdings 
zu weit führen würde. qn;versitätsinstitut für Meteorologie und Geophysik, 
Frankfurt am Main, Dezember 1933. 
Der Schwere-Wind. 
Von Kurt Wegener. 
A. Die Beobachtungen, 
Auf allen vereisten Landflächen der Polargebiete fanden die Beobachter 
übereinstimmend folgende Erscheinung: Der Wind bläst im Sommer und Winter 
vom Eis herab — um etwa 45° abgelenkt (soweit er nicht in engen Tälern „ge- 
führt“ wird), offenbar durch die scheinbare Ablenkungsbeschleunigung der Erd- 
Adrebhung. Temperaturmessungen ergaben, daß die Temperatur unmittelbar über 
der Schnee- oder Eisdecke am niedrigsten ist, Bereits in Augenhöhe ist die 
Temperatur merklich höher und nimmt, soweit unsere bisherigen Beobachtungen 
reichen, mit der Höhe noch weiter zu. In etwa 100— 200 m Höhe nimmt zugleich, 
wie wir aus Pilotballonvisierungen in diesen Gebieten wissen, der Wind allgemein ab. 
Vermutlich liegt hier die obere Grenze der Inversion. Die unterste Schicht dieser 
von jedem Inlandeise abfließenden Luft führt bis etwa Meterhöhe (Größenordnung) 
losgelösten Firn mit sich, soweit Schneedecke vorhanden ist. Dieses sogenannte 
„Schneefegen“ ist sehr eindrucksvoll, führt aber an jedem Ort praktisch ebenso 
viel Schnee zu wie ab und die Versuche der „Deutschen Grönland-Expedition 
Alfred Wegener 1930/31% die Wirkung des Schneefegens zu messen*), führten 
auf nur sehr kleine Zahlen, 
Die Abtragung ist im Jahre nur eiwa von der Größenordnung Millimeter 
Höhe. Dies steht in Übereinstimmung mit der Transportleistung, die uns auch 
sonst vom Wind bekannt ist, Aus Windablagerung wird ja der Lößboden 
Chinas erklärt und auch hier kann es sich nur um einen außerordentlich lang- 
samen Prozeß gehandelt haben, weil andernfalls größere Dicken der Ablagerung 
zustandeyvekommen wären. 
1) Band I: Wiss, Ergebnisse d. Deutsch. Grönland-Exped, Alfred Wegener. Brockhaus 1033. 
Ann, d. Hrdr. usw. 1934, Heft VI
	        
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