276 Annalen der Hydrographie nnd Maritimen Meteorologie, Juli 1934,
Zwang ergibt sich die ovale Zungenform des Staubfallgebietes aus der VvOor-
herrschenden Windrichtung und der Lage der westafrikanischen Trockengebiete
(Wüste, Wüstensteppe und niedrige Grassteppe). Aus dieser Erkenntnis aber
ergibt sich weiter die Frage, ob unbeschadet der Einwirkung von Meeres-
strömungen gewisse Bestandteile der oberflächlichen Ablagerungen des atlan-
tischen Meeresbodens etwa die Form des Staubfallgebietes widerspiegeln, Mög-
licherweise können geologisch-mineralogische Untersuchungen von Meeresboden-
proben hierüber Aufschluß geben.
Abb. 2.
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„AT
Wüstensteppe (Dornbusch,
Halbsträucher),
%
Steppe (niedriges Gras,
Trockengehölze).
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Savanne (hohes Gras, Ufer-
wälder).
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4
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Regenfeuchter Urwald,
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40
30
Vegetationsgebiete Nordwest-Afrikas
(nach FP. Thorbecke: Afrika, 1. Tell, Breslau 192%.
0
1
A
F.
Weniger augenfällig in ihren Ausmaßen als die Staubfälle im nordwest-
afrikanischen Meeresgebiet sind diejenigen, welche in der winterlichen Trocken-
zeit in Oberguinea, dem nördlichen Teil von Niederguinea und den angrenzenden
Meeresgebieten auftreten. In feinster, puderartiger Verteilung werden im Winter
Staub- und Sandmassen, von Grasbränden herrührende Aschenteilchen und
Trümmer von Diatomeen aus dem Überschwemmungsbereich des Niger nördlich
von Togo und dem Tsadseegebiet (?) durch den in dieser Jahreszeit weit nach
Süden vordringenden Harmattan der Küste und dem Golf von Guinea zugeführt.
Für eine hinreichende Erklärung dieser Erscheinung fehlt es einstweilen noch
an den erforderlichen meteorologischen Unterlagen.
Im Sprachgebrauch des in Guinea lebenden Europäers fällt dem Begriff
„Harmattan“ eine vom meteorologischen Sinne abweichende Bedeutung zu. Be-
zeichnet Harmattan meteorologisch den über dem Westen und der Mitte Nord-
afrikas das ganze Jahr hindurch aus dem Ostquadranten wehenden trockenen
und staubführenden Wind, so versteht der Guinea-Europäer unter Harmattan
vielmehr die Begleiterscheinungen dieses Windes (Austrocknung, größere tägliche
Temperaturschwankungen, verstärkte Taubildung), ferner seine physiologischen
Auswirkungen (Kältegefühl, Reizung der äußeren Haut und der Schleimhäute) und
endlich die durch den mitgeführten Staub verursachte Sichttrübung!). Um Ver-
wechselungen zu vermeiden, ist es daher angebracht, diese Erscheinung als
„Guinea-Harmattan“ zu bezeichnen?). Trotzdem er relativ trocken ist, wird er
doch im Küstengebiet von Guinea im Gegensatz zum Binnenlande durchweg
als schwül empfunden?), Das kommt deutlich zum Ausdruck in der Abbildung 3.
In ihr ist die Lage willkürlich herausgegriffener, an typischen Harmattan-
tagen in Guinea festgestellter Temperatur- und Feuchtigkeitskombinationen zur
1) Vgl. hierzu Ann, d, Hydr. usw, 1932, S, 123, S. 216ff. und 1933, S, 263f. — In der Asante-
Sprache der Eingeborenen von Guinea bedeutet z. B. „baramata“ Dunstzeit, S, Mittlg, v. Forschungsr.
u. Gelchrten a, d. Disch. Schutzgeb., 12, Bd., Berlin 1899, 8. 11 u. 14. — 2% v, Danckelman
nennt dies den „Harmattan im engeren Sinne“ (Mitilg, v, Forschger. u. Gelehrt, a, d. Dtsch. Schutzg.
4%, OÖ. 5.26). Siehe auch J. Hann: Hdb, d, Klimat., 2. Bd. Stuttgart 1910, 8,63. — 5%) Siehe
Ann, d. Hrydr. usw. 1924, 8, 215f, (Breuel),