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Full text: 62, 1934

Semmelhack, W.: Die Staubfälle im nordwest-afrikanischen Gebiet des Atlantischen Ozeans, 275 
strömung des Harmattan überlagert den Kaltluftkörper des eigentlichen Passat, 
der eine Vertikalausdehnung von rund 1200 m besitzt. Unmittelbar vor der Küste 
wird der Passat gelegentlich außerordentlich flach, so daß seine Mächtigkeit auf 
Beträge von 50 m und darunter sinkt, In solchen Fällen handelt es sich offenbar 
uam eine westliche Verlagerung der normalerweise weiter im Binnenlande liegenden 
kontinentalen Passatfront. Über der Harmattanschicht schließlich streichen bis 
zu den größten Höhen westliche bis nordwestliche Winde. 
Träger der aus dem Saharabereich stammenden Sand- und Staubmassen ist 
augenscheinlich die Öst- bis Nordostströmung des Harmattan, dessen Basis 
namentlich im Winter in Nordwestafrika bis auf den Erdboden reicht, Im nor- 
malen jährlichen Gange der Häufigkeit der Staubfälle wird daher der Winter 
das Maximum aufweisen, Fehlt die über dem Passat normalerweise liegende 
Ostströmung, geht also der bodennahe NE-Passat in der Höhe unmittelbar in 
westliche Strömungen über — wie es von Pummerer im März 19281!) beobachtet 
worden ist —, so werden keine Staubmassen auf das Meer verfrachtet, und es 
fehlt damit die Veranlassung zu mechanischen Sichttrübungen und zu Staub- 
Fällen, Das sekundäre Maximum im Sommer findet seine Erklärung vermutlich 
in dem Auftreten außerordentlich heftiger Wirbel, die in dieser Jahreszeit am 
südlichen Rande der Sahara, dem Konvergenzgebiet Harmattan/SW-Monsun, sich 
bilden. Wahrscheinlich haben wir es hier mit einer klimatischen isobaren- 
parallelen Staubwirbelzone zu tun, dem tropischen Gegenstück zu einer von 
Bergeron und Swoboda geschilderten?) wetterlichen „isobarenparallelen 
Regenzone“, Wir dürfen erwarten, daß in dieser Zone sich ähnliche Witterungs- 
vorgänge abspielen (örtlicher Charakter der Wirbel, Windstillen, unruhiger Ver- 
lauf der Isolinien), wie sie der von den genannten Autoren hervorgehobene 
„Wetterbericht der Deutschen Seewarte“ vom 12. Oktober 1923 (Castens) ver- 
merkt hat, Die „Dschani“%*) genannten Wirbel tragen Wüstensand bis in große 
Höhen, wo er von dem östlichen Oberwind erfaßt und dem atlantischen Meeres- 
gebiet zugeführt wird. 
Selbstverständlich ist das Vorkommen der Staubfälle je nach den meteoro- 
logischen Vorbedingungen zu ihrer Bildung in den einzelnen Jahren verschieden, 
Dasselbe gilt auch hinsichtlich ihrer Stärke, Von feinstem rotgelbem Staub 
bis zu grobem rotbraunem Wüstensand werden alle Übergänge festgestellt. 
Treffend wird die Auswirkung eines starken, Mitte Februar 1934 bei den Kana- 
rischen Inseln tagelang aufgetretenen Staubfalles gekennzeichnet durch den Be- 
richt der Führung des Fünfmast-Schoners „Werner Vinnen“: „Unser Schiff sah 
aus wie eine braune Zementfabrik“. In derartigen Fällen ist die Sichtverminde- 
rung außerordentlich groß. Kapt. H. Piening, M. SS, „Pionier“, teilt beispiels- 
weise mit, daß bei dem genannten Staubfall die Sicht an der Mole von Las 
Palmas auf 350 m herabgesunken ist. 
Das Verbreitungsgebiet der Staubfälle in den einzelnen Monaten und in 
den Jahreszeiten ist aus den Skizzen der Tafel 30 zu ersehen. Die beigefügten 
Zahlen entsprechen der in der Zusammenstellung auf Seite 273 mitgeteilten 
prozentualen Häufigkeit der gemeldeten Fälle, Wenn auch die meisten Staub- 
Fälle innerhalb der angedeuteten Grenzen liegen, so sind doch solche bekannt 
geworden, deren Auftreten in erheblich größerer Entfernung vom Lande fest- 
gestellt ist. Als diejenigen, welche den weitaus größten Abstand von der afrika- 
nischen Küste besitzen, seien hier folgende Staubfälle erwähnt: 18. März 1888 
in 22° N und 41° W4); 6. Februar 1908 in 17° N und 44° W; 9. Mai 1902 in 
14° N und 45° W; 23. August 1904 in 13° N und 46° W. In den beiden letzten 
Fällen hat die Küstenentfernung mehr als 1700 Seemeilen betragen. 
Da die Sand- und Staubmassen dem afrikanischen Kontinent entstammen 
and durch den Harmattan und Passat dem Meeresgebiet zugeführt werden, findet 
die Form des Verbreitungsgebietes der Staubfälle ihre Erklärung durch einen 
Blick auf die Karte der nordwest-afrikanischen Vegetationsgebiete (Abb. 2), Ohne 
74.8.0. 5,74. — %) Wellen und Wirbel an einer quasistationären Grenzfläche über Europa, 
Veröffentl. d. Geophysikal, Inst. d. Univ, Leipzig. Zweite Serie, 3. Bd., S. 79. — 3 Vgl. Jeutzsch, 
2.20. 8. 374f. — 4) Staubfälle im Passatgebiete des Nordatlant. Ozeans, Ann, d. Hydr. 1891, S, 318.
	        
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