274 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1934,
die Verteilung der Staubfallhäufigkeit, wie sie sich auf Grund der (167) Mel-
dungen holländischer Schiffe aus den Jahren 1870 bis 1925 1) ergibt, so zeigt
sich — wenigstens hinsichtlich der jahreszeitlichen Verteilung — eine beachtens-
werte Übereinstimmung.
Den Schlüssel zum Verständnis des jährlichen Ganges der Häufigkeit bietet
eine Betrachtung der Luftbewegung über dem nordwest-afrikanischen Festlands-
und Meeresgebiet im Jahresverlauf. In den Skizzen der Abbildung 1 ist die
Abb. Bewegung der unteren Luft-
schichten zur Darstellung ge-
bracht?®), Dabei handelt es sich
lediglich um ein schematisches
Bild, und es wird ausdrücklich
darauf hingewiesen, daß die wirk-
liche Luftbewegung keineswegs
so einfach ist, wie sie durch die
Skizzen gekennzeichnet wird.
Drei Windsysteme beherrschen
während des ganzen Jahres die
anteren Schichten der Atmo-
sphäre in den in Betracht kom-
menden Gebieten: der Passat (P)
aus nördlicher bis nordöstlicher
Richtung, der aus dem Kontinent
wehende östliche Harmattan
(77) oder Urpassat und der SW-
Monsun (37), der als abgelenkter,
von der Südhalbkugel kommen-
der SE-Passat angesprochen
werden kann.
Der atlantische NE-Passat
and der Harmattan wehen im
Januar aus dem NE-Quadranten
mit großer Beständigkeit und
dringen fast bis zur Oberguinea-
küste vor, Im April hat der
NE-Passat zwar seine Lage wenig
geändert, aber der Harmattan stößt nicht mehr so weit nach Süden vor. Seine Front
zieht sich von der Sierra Leone-Küste nordostwärts bis 15° N zurück, In den
nächsten Monaten gewinnt der SW-Monsun immer mehr an Einfluß; der NE-Passat
weht im Juli an der atlantischen Küste zwar noch bis 12° N, aber der Harmattan
ist bis 20° N zurückgewichen. Im Oktober schiebt sich der Harmattan erneut
nach Süden vor, während die Lage der Grenzzone zwischen Passat und SW-
Monsun sich gegenüber derjenigen im Juli wenig verändert hat,
Die im westafrikanischen Meeresgebiet ausgeführten Höhenwindmessungen
der Deutschen Seewarte vermitteln ein für die Beurteilung und das Verständnis
der Staubfälle wesentliches Bild der Strömungen in den höheren Luftschichten®),
Die über dem afrikanischen Kontinent bis in große Höhen herrschende Ost-
1) Berechnet nach: Koninklijk Nederlandsch Meteorologiech Institut Nr. 110. Octanographische
en meteorologische waarnemingen in den Atlant. Oceaan, September, October, Xovember (1870 bis
(925). Kaarten, Amsterdam 1931. -— 2% Die Skizzen wurden entworfen nach; Brooks u, Mirrlees,
A study of the atmospberic cirenlation Over wopieal Africa, Geophysical memoirs Nr. 55, London
1932, und Felber, Oberflächenströmungen des Nordatlantischen Ozeans zwischen 159 und 50° N-Br.
Aus d. Arch. d. Dtsch, Seew., 53, Band, Hamburg 1934, — 3% Siebe uw. a. Ernst u, Seilkopf, Meteoro-
logische Beobachtungen auf dem Las Palmas-Flug der Deutschen Luft-Hansa Juni und Juli 1928,
Aus d. Arch. d. Dtsch. Seew., 48. Band, Hamburg 1930. — Pummerer u. Steiner, Höhenwind-
messungen und andere Beobachtungen auf einer flugwissenschaftlichen Forschungsreise nach Rio de
Janeiro und dem La Plata, Ebenda, 49. Band, Hamburg 1930, — Eckardt u, Lühe, Ergebnisse
von Höhenwindmessungen auf dem Ostatlant. Ozean längs der westafrikanischen Küste im Januar
und Februar 1929. Ebenda, 51. Band, Hamburg 1932, — Geiger u. Wagner, Höhenwinde vor der
westafrikanischen Küste im Herbst. Ebenda, 51, Band, Hamburg 2932,