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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1934.
in den Organen der Seewarte sind in den Ann. d. Hydr. 19831, IIT, 8.73, in einer
Fußnote zusammengestellt. Merkwürdigerweise haben sowohl die gegenwärtigen
betreffenden Zeitungsnachrichten wie auch die früheren Veröffentlichungen der
Seewarte mit wenigen Ausnahmen?) trotz der Formel: »Die Bedürfnisse des
Menschen bestimmen den Inhalt der Kltmakunde?)« fast durchweg nur den
Einfluß der meteorologischen Elemente bzw. des Wetters auf den Menschen selbst
ins Auge gefaßt, während die »Waren-Meteorologie« ganz zurücktritt, wenn wir
ubsehen von der entstehenden Ware, der Frucht auf dem Halme oder Baume,
der Wolle am Schafe usw. (>Landwirtschafts«- und »+Ertrags«-Meteorologie®). Der
Grund liegt in der vom Standpunkt des Geschäftsmannes aus berechtigten Geheim-
haltung der betreffenden Erfahrungen. Man bedenke, was es privat- und national-
wirtschaftlich für Folgen haben würde, wenn z. B. ein Tabaksfabrikant genötigt
wäre, seine in langjährigen Versuchen gesammelten Erfahrungen über die Ein-
wirkung von Lufttemperatur und Feuchte aut den zu bearbeitenden Tabak der
Öffentlichkeit preiszugeben. Gleichwohl werden die Interessenten gewisse Grundtat-
sachen von den zuständigen Instituten fordern und fordern dürfen, da letztere der
Nationalwirtschalt zu dienen haben. Die Beschaffung des nötigen Beobachtungs-
materials sollte, soweit die deutsche Schiffahrt in Betracht kommt, von den Reede-
reien und Seefahrern in engster Zusammenarbeit mit der Serewarte erfolgen, um
von vornherein die Brauchbarkeit der betreffer.den Meß-Resultate zu sichern.
Wir wissen bisher sehr wenig von den physikalischen Eigenschaften der Luft
in den Schiffsrdumen, obwohl die Praxis drängt, mehr Gewicht hierauf zu legen,
wie Semmelhack im Anschluß an eine Mitteilung von Kapitän Reiss mit Recht
betont*). Auch eine kurze Notiz in der »Hansa« vom 7. Mat 1932, 8.682, weist in
gleiche Richtung. Es handelt sich dort um ein Verfahren zur fäulniswidrigen Im-
prägnierung von Schiffskleidung, Persennings, Sonnensegel usw. Die Tatsache, daß
eine solche Imprägnierung für nötig gehalten wird, zeigt, wie wichtig es ist, auch
den meteorologischen Ursachen (»Hauswetter«) der Schimmelbildung auf den Grund
zu gehen mit dem Ziele, sie möglichst zu beseitigen.“
Wir sehen, daß nach Harries die Ansprüche der Weltwirtschaft an die
angewandte Meteorologie noch über den Inhalt der Bio-Klimatologie hinaus-
gehen, erkennen aber auch gleichzeitig die Schwierigkeiten, die sich der
Forschung zumal in dem Augenblick entgegenstellen, wo organische [und natür-
ich auch anorganische] Substanz zur „Ware“ wird! Es ist psychologisch be-
greiflich, wenn Meteorologen bisher vielfach noch eine gewisse Zurückhaltung
den neuen Ideen gegenüber an den Tag gelegt haben und beispielsweise in
Fragen der „klimagestaltenden“°) Tätigkeit des Menschen [„Kleidung; Klima der
Wohn- und Arbeitsräume“S), ferner Trocknung der Luft, Ventilation, Kalt- und
Warmluftzufuhr u. a. m.] die physikalische Technik für die zunächst „zuständige“
Stelle ansahen. Hierbei wurde übersehen, daß maßgebend unter allen Um-
ständen auch das „Wetter“ und das „Klima“ im bisherigen Sinne sind, die ver-
ständnisvolle Mitarbeit des Meteorologen mithin unerläßlich ist, um die be-
rechtigten Ansprüche der Praxis an die wissenschaftliche Forschung erfüllen zu
können. Ganz klar hat Kapitän Harries auch diesen Sachverhalt erkannt in
seinen textlichen und tabellarischen Ausführungen in den Ann. d. Hydr. 1933,
S. 15—18 [„Neue schiffsraum-meteorologische Messungen‘“] und ihn an Hand von
Beispielen aus der Praxis erörtert.
Für die Entwicklung der „Großraum-Klimatologie“ (Wilh. Schmidt)
kann ich nur einen Vorteil darin erblicken, daß der Praktiker, insbesondere der
Seemann, wegen des engen Zusammenhanges zwischen „Außen- und Innenwetter“,
„Makro- und Mikroklima“ wieder mehr an guten Außenluft-Messungen interessiert
wird, was er seit dem Aufhören der Segelschiffahrt nach dem Urteil maßgebender
Nautiker nur noch sehr bedingt gewesen ist: die „reine Meteorologie“ gewinnt
jetzt infolge neuer Verwendungsmöglichkeiten für die seemännischen Beobachter
wieder höheren praktischen Wert! Von diesem Gesichtspunkt aus begrüßen
gerade die „Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie“ die
Mitarbeit der „Beiblätter“ besonders freudig: der „Abhängigkeit des organischen
Lebens im Erdboden, in den Flüssen und Seen von den Zuständen der Atmo-
sphäre“ und den Begriffen „Klima im Wasser der Seen“, „Büroklima“, „Klima in
Baumstämmen“ usw. (vgl. auch Harries’ obige Ausführungen im „Seewart“)
4) Ann, Hydr., 1924, S, 127 (einige der „Beispiele‘‘), ebenda 1930, 5, 412. — ?%) Ann, Hydr. 1925,
S, 369, — ?%) Ann, Hydr. 1924, 8, 127 (unten), ferner 1932, S. 110. — %) Ann, Hydr. 1932, 8, 218.
5) „Beiblätter“ Nr, 1, Seite 6 (Wilh, Schmidt).