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Full text: 62, 1934

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1934, 
können wir als Leistung der Reibungskraft, als verausgabte Reibungsenergie X 
pro cm* und sec auffassen 
A an 200 (4 eos p- ws sing} . 
Wenn auch die letzte Annahme zweifellos nicht völlig zutrifft, so gibt doch 
die Untersuchung der geographischen Verteilung dieser Energiewerte einen neuen 
and aufschlußreichen Einblick in die Dynamik der Erdatmosphäre. Vor allen 
Dingen ist das Vorzeichen von X wichtig. Positive Werte bedeuten eine meri- 
lionale Verteilung der zonalen Winde in der Weise, daß bei nordsüdlichem Luft- 
massenaustausch die Zirkulation gebremst wird, während bei negativem Vor- 
zeichen die Zirkulation gefördert erscheint. Berechnet wurde dieser Energie 
wert £ mit Zuhilfenahme des geostrophischen Zonalwindes nach der Formel: 
BES (an 10)5 
für jeden der 48 Bezugspunkte mittels der A-Werte und den gegenseitigen Ab- 
ständen der Druck- und der Austauschlinien auf den Karten 1 und 2, 
Wir erkennen auf Karte 3, die Linien gleicher turbulenter Energieausgabe 
in erg pro cm® und sec enthält, ein recht regelmäßiges Bild. Zwischen negativem 
Pol- und Äquatorgebiet schiebt sich ein Ring mit positiven Werten ein, Das 
besagt: die Atmosphäre gewinnt sowohl am Pol als am Äquator Wärmeenergie 
und Energie der Lage auf anderem als dynamischem Wege, also vermutlich 
durch Strahlungsvorgänge, welche das Auftreten von Bewegungen, verknüpft 
mit Turbulenzerscheinungen, veranlassen; die Zwischenzone stellt den eigentlich 
Arbeit leistenden Zweig der atmosphärischen Maschine dar, wobei Turbulenz- 
energie im gleichen Sinne wie bei physikalischer Reibung in andere Energie- 
formen umgewandelt wird, Wir haben für die atmosphärischen Bewegungen 
also einen Motor sowohl in hohen wie in niederen Breiten. In der Tat fallen 
nach Karte 3 die negativen Gebiete annähernd zusammen mit dem, was man als 
Wärme- und Kältequelle der Atmosphäre zu bezeichnen pflegt; beiden kommt 
im großen gesehen eine gleichartige Bedeutung zu, nur wird dieselbe dem 
Synoptiker in verschiedenen Höhenschichten ersichtlich, nämlich als Nährgebiet 
der Aktivität einmal der Polarfront und einmal der Aquatorialfront. Das Plus- 
gebiet bei den X-Werten umfaßt im wesentlichen die Zone der wandernden Tief- 
druckgebiete. Auffällig und vermutlich nicht unwirklich erscheint die Verlage- 
rung des polaren Minusgebietes nach dem nordamerikanischen Kontinent, während 
Sibirien nicht umfaßt wird, Das könnte damit in Einklang gebracht werden, 
daß über Asien ausgesprochene Zugstraßenzonen von Zyklonen nicht bekannt 
sind; es müssen duher wandernde oder pulsierende Antizyklonen, wie man sie 
hier im Norden Iındet, die „Friktionsräder“ im Triebwerk der allgemeinen Zir- 
kulation darstellen, Jedoch sei neben näheren Einzelheiten auch ein Eingehen 
auf die Zahlenbeträge der Energiewerte vermieden, da die vorläufig halb graphisch, 
halb numerisch durchgeführte Berechnung dieser Zahlen nur beschränkte Sicher- 
heit gewährleistet. 
Wir dürfen wohl abschließend sagen, daß der im Einzelfall selbst für eine 
ganze Halbkugel so ungesetzmäßig erscheinende Bewegungszustand der Atmo- 
sphäre sich bei zusammenfassender Behandlung eines genügend langen Zeit- 
raumes als doch verhältnismäßig geregelt erweist, was in der Verteilung der 
Turbulenzenergieausgabe zum Ausdruck kommt. Nachdem das an Hand älterer 
Beobachtungen gezeigt werden konnte, erscheint es aussichtsreich, diese Bearbeitungs- 
verfahren auf neuere Zeitabschnitte, insbesondere das letzte Polarjahr, anzuwenden, 
Geophysikalisches Institut der Universität Leipzig. 
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