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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 62 (1934)

Lettau, H.: Atmosphärische Zirkulation auf der nördlichen Halbkugel usw. 255 
veränderlichkeit dieser Konvergenzlinie leicht verstehen; für 10° Breite stellt 
0.49 - 103 em— g sec-— einen zwar unerwartet beträchtlichen, aber keineswegs 
unmöglichen Wert dar, 
Die Karte 2, die noch jeweils die Spuren der insgesamt 48 senkrechten 
Flächen, durch welche der nordsüdliche Luftmassenaustausch berechnet wurde, 
angedeutet enthält, gibt eine Vorstellung von dem verwickelten Getriebe der 
großen Wärmekraftmaschine der allgemeinen Zirkulation, Nur für eine recht 
grobe Übersicht erscheint es berechtigt, zur Untersuchung beispielsweise des 
irdischen Wärmehaushalts mit einem konstanten Austauschkoeffizienten für die 
Erde zu rechnen; auch ist eine gesetzmäßige Breitenabhängigkeit nur im Mittel 
für die ganze Erde vorhanden, wie aus Tabelle 1 hervorgeht*!); als Gesamtmittel 
aller Breiten gilt 0.4 - 10% cm— gsec—, ein Wert, der sich noch weiter ver- 
ringert (0.3 - 10%, wenn man den Umfang der 
verschiedenen Parallelkreise berücksichtigt.?) 
Es wäre nun ohne weiteres möglich, mittels 
Karte 2 und einer entsprechenden Karte der 
meridionalen Temperaturgradienten durch z. B. 
graphische Multiplikation und nachfolgend 
graphische Differentiation einen genaueren 
Überblick über die infolge der Wirksamkeit 
der meridionalen Austauschströmungen VYoOr- 
handenen thermischen Beeinflussungen in der 
Erdatmosphäre zu gewinnen. Das sei hier noch 
nicht durchgeführt; zunächst mögen rein dyna: 
mische Auswirkungen des meridionalen Luft. 
massenaustausches behandelt werden. 
Durch Helmholtz?) wurde klargestellt, daß ein zonaler Luftring auf der 
rotierenden Erde eine gewisse Stabilität in bezug auf meridionale Verschiebungen 
besitzt, bedingt durch die Abhängigkeit des Rotationsmomentes 
Q = wr*cos? m 
von der geographischen Breite (es bedeutet wu die Winkelgeschwindigkeit der 
Erde, © = r den Erdradius). Zunächst werde von der Ostwestkomponente v 
der Luft abgesehen, da diese im gewöhnlichen Fall nur unwesentlichen Einfluß 
auf den Zahlenwert von Q hat; die nachfolgend entwickelten analytischen Be- 
ziehungen vereinfachen sich dadurch stark. Jeder meridionale Austausch bewirkt 
nun das Auftreten von Drehmomenten 
va 
röüg 
in unseren zonalen Luftringen, denen Scherkräfte (r) entsprechen, die sich mit 
Hilfe der wirksamen Hebelarme (r cos) errechnen zu 
DV « 
a m Awsing, 
Diese Scherkraft z, die gleichbedeutend mit einem meridionalen Impuls- 
transport ist, entspricht somit in ihrer geographischen Verteilung im wesent- 
lichen der Austauschgröße selbst, 
Von großer Bedeutung ist nun das meridionale Gefälle dieser Scherkraft, 
welches uns eine Kraft pro Volumeneinheit Luft liefert, und zwar die Turbulenz- 
reibungskraft R, die infolge des Luftmassenaustausches und der Breitenstabilität 
zonaler Luftringe auftritt. Diese Kraft R, deren Richtung zonal ist, versucht 
zonale Luftbewegungen in Gang zu bringen; wir wollen uns jetzt vorstellen, die 
gesamte beobachtete Zonalbewegung vv rühre von dieser Kraft her. Alsdann 
Tabelle 2. 
1) Die Werte der Tabelle 1 wurden aus Karte 2 durch Mittelung von an je 18 Längengraden auf 
jedem Breitenkreis geschätzten 4-Werten erhalten, — 2%) Gemäß früheren Ergebnissen ist das absolute 
Austauschmazimum unter 65° Breite zu erwarten, wurde also in der vorliegenden Darstellung nicht 
erfaßt, was zu beachten bleibt. — 3} Vgl. F. M. Exner, Dynamische Meteorologie. Wien 1925, 8. 2034.
	        
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