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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1934.
Tabelle 2,
Die mittleren monatlichen Zahlen der Vertiefungen auf dem Westeuropäischen Meere (1926-—1932),.
Januar........ 8,7 Mäüi.......00000 78 September ..... 4°
Februar....... 8,4 Juni .......... 2.) Oktober ....... 7
März ......,.. 10.4 Je ccersn At November ..... 7 +
April ......... 56 August........ 20 Dezember. ..... 8.4
Dabei ergab sich, daß nur
Südwesten nach Norden
Westen nach Osten.
2. Das Westeuropäische Meer als Naturkomplex.
Das Westeuropäische Meer (Markus 1930, Abb. 3) erscheint als ein deutlich
abgrenzbarer Naturkomplex (vgl. Markus 1933, S. 19), Seine nordwestliche
Grenze fällt ungefähr mit der ozeanischen Polarfront, seine südliche Grenze
mit der subtropischen Konvergenzlinie zusammen (Meyer 1923).
Die Polarfront (Defant 1928) bildet die Grenze zwischen arktischem und
ailantischem Wasser, während hier das Polarwasser dicht an die Westwindtrift
herankommt. Der Polarfront entlang verläuft die Zone einer starken Scharung
der Isothermen und Isohalinen, Wenn man z, B. sich von Südosten in nordwest-
licher Richtung der grönländischen Küste nähert, so kommt man aus einem
ausgedehnten Gebiet relativ hoher gleichmäßiger Temperaturen von 12° bis 13°
allmählich in kältere Gebiete, worin die Temperatur von 20 bis 30 Seemeilen
rasch von 10° auf 5° sinkt (Böhnecke 1930, S. 325 und 326). Diese Zone der
großen Temperatur- und Salzgehaltsgradienten bildet das Mischgebiet zwischen
kaltem salzarmem und warmem salzreichem Wasser. Doch erscheint die Polar-
front als keine geschlossene Konvergenzlinie, sondern ist nur streckenweise aus-
gebildet. Die Jahresisotherme von 5° verläuft im Westen ein wenig nördlicher
und im Osten südlicher als die Polarfront,
Sowohl im Nordatlantischen als auch im Südatlantischen Ozean zieht sich
etwa in der Breite von 30° fast über die ganze Ozeanbreite eine subtropische
Konvergenzlinie, an welcher die Wassermassen der Westwindzone mit denen
der Äquatorialströmungen zusammentreffen und vertikal abwärts gerichtete
Bewegungskomponenten auftreten (Wüst 1928, S, 516 und Taf. XXXV). Diese
Konvergenzen stellen die nördliche und die südliche Grenze des tropischen
Antillen-Meeres (Markus 1930) dar, wobei die nördliche Konvergenz gleichzeitig
das Westeuropäische Meer von dem Antillen- und Nordwestafrikanischen Meer
abtrennt.
Mithin nehmen das Westeuropäische Meer die Wassermassen der West-
windzone ein, die im Nordwesten an die Polarfront und im Süden an die
subtropische Konvergenz angrenzen,
Der zu besprechende Naturkomplex besteht aus Dingen und Erscheinungen,
die kausal miteinander verbunden sind (Markus 1925). Das West-
europäische Meer charakterisieren mächtige warme Meeresströmungen, die aus
dem tropischen Antillen-Meer große Mengen von Wasser und Wärme in das
Westeuropäische Meer transportieren (Wüst 1930). Das Meer ist abnorm
erwärmt (Sandström 1931, Fig. 1): zwischen Westeuropa und Nordamerika be-
findet sich die einzige Stelle des Weltmeeres, wo die Temperaturanomalien
bis + 5° erreichen. Die Temperaturanomalien der Luft steigen sogar bis + 15°
(Schott 1926, Taf. 19). Die Jahrestemperatur der Luft und des Oberflächen-
wassers ist 5° bis 20°. Die jährliche Regenmenge dieses niederschlagreichen
Meeres beträgt 100 und mehr Zentimeter. Eben wurde gezeigt, daß das West-
europäische Meer ein wichtiges Vertiefungsgebiet der barometrischen Minima
darstellt. Wenn wir uns der Kausalität zuwenden, so sehen wir, daß die warmen
Meeresströmungen den bedeutenden Wärmeüberschuß des Meeres hervorrufen,
daß die positiven Temperaturanomalien die große Niederschlagsmenge des Ge-
Dietes bedingen usw.
Bei der Vertiefung der Zyklonen spielt das nordwestliche Grenzgebiet des
Westeuropäischen Meeres eine wichtige Rolle: bei der Annäherung an die
von synoptischen Karten aus verschiedenen Jahren,
ungefähr */„, aller Zyklonen sich von Süden oder
bewegen. Der größte Teil der Minima wandert von