Michler, H.: Kimmtiefenmessungen auf D. „Arucas“ im Mai 1933. 9213
Gesamtbeschickung ausgerechnet enthalten, wobei also (ta—tw) keine Berück-
sichtigung findet. Dies sollte aber nicht dazu führen, daß dem Faktor (ta—tw)
überhaupt keine Bedeutung beigemessen wird; ist dieser Unterschied groß, so
muß insbesondere bei flauem Winde oder Windstille mit einer unter Umständen
recht beträchtlichen Kimmanomalie gerechnet werden, so hat man z, B. auf der
Meteor-Expedition 1925—27 in den Tropen bei noch verhältnismäßig normalen
Bedingungen Abweichungen bis zu 3’ gefunden‘*).
Die Beeinträchtigung erscheint um so stärker, je geringer die A.H. ist, was
die in Santa Cruz de Tenerife von der Barkasse aus gemachten Kimmtiefen-
messungen in 1m A.H. bestätigen. Es wurden 50 Einzelmessungen ausgeführt,
der Temperaturunterschied war während der einstündigen Beobachtungszeit un-
verändert + 5.8°, Wind NO 2 bis 3, Seegang 2. Diese 50 Einzelmessungen
wurden zu 8 mittleren Kimmtiefen zusammengezogen, deren Gesamtmittel — 0.9’
bei einer mittleren Abweichung von -+ 0.1’ ergab. Die hier beobachtete starke
Hebung der Kimm ist durchaus nicht auf anomale meteorologische Bedingungen
zurückzuführen, denn bei der Windstärke 2 bis 3 ist bereits mit einer aus-
reichenden Durchwirbelung der Luftschichten zu rechnen. Einflüsse des nahen
Landes scheiden ebenfalls aus, da die Kimm über 180° genügend frei von Land
war und außerdem auflandiger Wind stand. Auch der Seegangeinfluß kann
nicht so stark gewesen sein, denn die mittlere Abweichung wurde mit -+ 0.1’
festgetellt. Hier versagen die meisten der bisher gefundenen Kimmtiefenformeln,
Zum Vergleich seien die für diesen Fall nach verschiedenen Formeln errechneten
Kimmtiefen genannt:
Errech. kt
nach
Formel
1.5 Hessen k= 1,70 VAH. — 0.04’ (ta—tw)
10,38 PrzybyHlok k=1.71' VA.H. — 0.23 (ta —tw)
0.11’ Conrad k=192' VA.H. — 0,35’ (ta—tw)
0.14’ Breusing k= 1,779 VAH. — 0.33’ (ta—tw)
0.56 Kohlschütter k=182' VAH, — 0.41' (ta—tw)
- 1.50 Breitfuß k—1.81' VA-H. — 0.57 (ta—tw)
Diese Formeln wurden durchweg aus Beobachtungen in größeren Augeshöhen
abgeleitet, worauf auch m. E. die Differenzen in der Hauptsache zurückzuführen
sind. Aus den gemessenen Kimmtiefen wurde unter Zugrundelegung des Breu-
singschen A.H.-Faktors folgende Formel abgeleitet: k=—1,779'VA.H.— 0.46’ (ta—tw).
Der Faktor der Temperaturberichtigung ist hier gegenüber den für größere
Augeshöhen unter annähernd gleichen allgemeinen Bedingungen gefundenen
Faktoren erheblich größer. Bei 13 m und 12.5 m sind die Faktoren 0.02’ bzw.
9.06’, bei 7.5 m bereits 0.15’ und bei 1 m 0.46’; der Einfluß von (ta—tw) wächst
also mit Verkleinerung der Augeshöhe. Bei Beobachtungen in niedrigen Auges-
höhen kann (ta—tw) selbst unter sonst normalen Allgemeinbedingungen also
schon Abweichungen ergeben, die in der nautischen Praxis fühlbar werden. In
der Handelsschiffahrt werden allerdings Beobachtungen mit sehr niedriger A.H,
nicht häufig vorkommen, es sei denn, daß man vielleicht bei ruhiger See und
nicht genügender Sicht einmal den Versuch macht, von einer außenbords dicht
über Wasser gefierten Stelling aus zu beobachten, wenn es darauf ankommt,
eine Sonnenhöhe zu bekommen, Anders aber bei der Kriegsmarine; es sei hier
nur an die Langstreckenfahrten der U-Boote erinnert, um zu zeigen. wie wichtig
diese Frage gerade für die Kriegsmarine ist,
Weitere Untersuchungen werden sich mehr als bisher auf die Kontrolle des
Einflusses von (ta—tw) auf die Kimmtiefe bei niedrigen Augeshöhen erstrecken
müssen. Solange es nicht gelingt, Formeln zu finden, die jederzeit mit Erfolg
anzuwenden sind, was bei der Verschiedenartigkeit der Einflüsse, die die Kimm-
1) Vgl. „Handbuch für das Rote Meer und den Golf von Aden“, Berlin. S, 8 (oben), sowie S, 21f
(„Strahlenbrechung‘“),