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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1934.
zuführen ist, nur gering und für die nautische Praxis ohne Belang ist, Erst bei
33 mm Luftdruckdifferenz würde die Kimmtiefe um 1’ beeinflußt sein.
Wenn auch eine Beziehung der Kimmtiefe zur geographischen Breite nicht
zu erwarten war, so wurden doch die einzelnen Beobachtungsabschnitte darauf-
hin untersucht. Der mittlere Kimmtiefenwert der einzelnen Abschnitte als Ab-
zissenachse dargestellt fiel mit der Ausgleichenden, die aus den Kimmtiefen-
resten ermittelt wurde, nahezu zusammen; der Breitenunterschied in der Be-
obachtungszeit betrug nur etwa 20°,
Um den Einfluß des Temperaturunterschiedes zwischen Luft und Wasser —
im folgenden (ta—tw) bezeichnet — auf die Kimmtiefe festzustellen, wurden die
Rundmessungen der drei Beobachtungsabschnitte graphisch als Funktion von
{ta—tw) dargestellt und durch Bildung von Gruppenmitteln ausgeglichen. Auf
einen Ausgleich nach der Methode der kleinsten Quadrate wurde in Anbetracht
der auf jeden Beobachtungsabschnitt entfallenden geringen Anzahl von Werten
verzichtet. Die Abbildungen 5—7 zeigen deutlich, daß (ta—tw) nur ganz unbe-
deutenden Einfluß auf die Kimmtiefe hat, was auch bereits die früheren Be-
obachtungen von Hessen, Huber und Thorade?!) bestätigen. Zum Vergleich
wurde in den graphischen Darstellungen auch die Kimmtiefe nach der Kohl-
schütterschen Formel k = 1,82’ VALH. — 0.41’ (ta—tw)“) eingezeichnet, dazu außer-
dem in der Reihe mit A,H.7.5 m auch noch die Kimmtiefe nach der Conrad-
schen Formel k = 1.92’ VA.H. -— 0.35’ (ta—tw)®).
Dazu wurden bereits bei der Aufzeichnung an Bord die Mittel jeder Dwars-
und Kiel-Messung mit dem Wert der Nautischen Tafeln von Breusing (k = 1.779
VAH) verglichen. Da Conrad bei seiner Untersuchung zu dem Ergebnis kommt,
daß (ta—tw) die Kimmtiefe in erheblicher Weise beeinflußt, so wurde bei der
Bildung von B-—R die in den älteren Nautischen Tafeln von Breusing enthaltene
Temperaturkorrektion berücksichtigt, B—R war nur bei 12% der Beobachtungen
ositiv.
E Der Faktor der Augeshöhe, der bei Conrad nahezu den Wert der geodätischen
Kimmtiefe (1.93’) erreicht, deckt sich bei den Beobachtungen auf D. „Arucas“ bei
zwei Beobachtungsabschnitten nahezu mit dem von Przybyllok*) und Hessen?)
ermittelten Werten, bei der dritten Reihe erreicht er nahezu die Größe des
Breusingschen Wertes, Diese dritte Reihe scheint stärker von der Schiffsbewe-
gung beeinflußt, wie schon oben näher ausgeführt. Der A. H.-Faktor der Nau-
tischen Tafeln erscheint also nach den Ergebnissen verschiedener Beobachter
etwas zu groß; die Differenz ist allerdings für die nautische Praxis unerheblich,
Der Temperaturfaktor ist so gering, daß erst eine sehr beträchtliche Tempe-
raturdifferenz, wie sie in der Praxis wohl nur selten anzutreffen ist, einen merklichen
Einfluß auf die Kimmtiefe haben dürfte. Zusammenfassend kann daher in Über-
einstimmung mit anderen Beobachtern gesagt werden, daß sich unter normalen
Verhältnissen eine Berücksichtigung von ta—tw in der nautischen Praxis nicht
lohnt, da der Verbesserungswert zu geringfügig ist. Er dürfte meist nur einen
Bruchteil des Fehlers ausmachen, mit dem bei astronomischen Beobachtungen
in der Handelsschiffahrt von vornherein zu rechnen ist. Zudem ist man auf
dem größten Teil der Schiffe überhaupt nicht in der Lage, die für eine Berück-
sichtigung von (ta—tw) erforderlichen genauen t-Messungen durchzuführen, da
die für die zuverlässige Feststellung der Lufttemperatur allein geeigneten Aspi-
rations-Instrumente leider noch nicht zum zuständigen Bord-Inventar gehören)).
Es ist daher berechtigt, daß in der Praxis die Verbesserung der Kimmtiefe durch
(ta—tw) vernachlässigt wird, was auch Immler®) bestätigt. Meist werden ja zur
Beschickung von Gestirnskimmabständen nur die Tafeln benutzt, die bereits die
) Kimmtiefenmessungen an Bord von Schiffen der Reichsmarine, Berlin 1930. — 2) Folgerungen
aus den Koßschen Kimmtiefenbeobachtungen zu Veradella, Ann. d. Hydrogr. 1903. — %) Astronomische
Ortsbestimmung und Kimmtiefenmessung auf See, Berlin 1933, — *) Kimmtiefenmessungen auf der
Deutschen Antarktischen Expedition. Aus den Schriften der Königsberger Gelehrten-Geselischaft, 1925. —
*) Vgl. auch Harries: Schiffsraum-Meteorologie, „Ann, Hydr.“ 1932, S, 113 u. 220, sowie „Seewart“
(932, S. 149; ferner siehe „Handbuch für d. Rote Meer und den Golf v. Aden‘“, 2. Aufl,, Berlin, S. 5.
5 Kimmtiefenmessungen, Ann, d, Hydrogr., Juli 1927,