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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 62 (1934)

Reichel, E.: Über den Einfluß des Meeres auf Wind, Temperatur und Feuchtigkeit usw. 195 
Uber den Einfluß des Meeres 
Wind, Temperatur und Feuchtigkeit an der pommerschen Küste. 
Von E. Reichel, Berlin, 
(Hierzu Tafel 22.) 
Über Auftreten und Erscheinungsform des Land- und Seewindes an den 
deutschen Küsten liegen bereits einige Arbeiten vor, von denen die Dissertation 
M. Kaisers!) eine längere Strecke der deutschen Seeküste ins Auge faßt und 
damit zu Ergebnissen kommt, die Vergleiche in einem größeren Raum zulassen, 
Jedoch ist in dieser Untersuchung nur die Erscheinung des eigentlichen Land- 
und Seewindes im regelmäßigen Wechsel auf Grund von Windregistrierungen 
in einigen Küstenorten in Betracht gezogen, während die Veränderung des 
Ganges der übrigen meteorologischen Elemente unter dem Einfluß des Wind- 
wechsels nicht behandelt ist. Die sich daraus und schließlich überhaupt aus der 
Nähe des Meeres ergebenden Eigentümlichkeiten im Temperatur- und Feuchtig- 
keitsverlauf sind wiederum an einigen Beispielen für einzelne Küstenorte näher 
beschrieben, In einer einschlägigen Untersuchung sind diese Arbeiten zusammen- 
gestellt?). Über einen etwas größeren Raum erstreckt sich bereits eine eigene 
Untersuchung über die Swinemünder Bucht?); in der vorliegenden Darstellung 
sollen nun diese regionalen Untersuchungen etwas weitergeführt werden und 
daneben weitere Beispiele für die Wirkung des Windwechsels an der Küste auf 
Temperatur und Feuchtigkeit beigebracht werden. 
Als Problem schwebt mir dabei eine ins einzelne gehende Darstellung des 
Meereseinflusses auf Temperatur und Feuchtigkeit, gegebenenfalls auch auf Be- 
wölkung‘) und Niederschlag°) vor Augen, wobei wir natürlich über die Behand- 
lung des Windwechsels allein weit hinausgreifen müßten; die Grundlage hierzu 
wird naturgemäß die Darstellung der Windverhältnisse geben. Wir wissen wohl 
und sehen es in allen Klimakarten dargestellt®), wie sich im Endergebnis die 
Meeresnähe auf die Verteilung der klimatologischen Elemente auswirkt. Wie 
aber dieses Ergebnis aus der Summe der einzelnen Tage zustande kommt, damit 
haben wir uns bisher weniger beschäftigt. Hier erscheint eine gründliche For- 
schung mit Hilfe eines dichteren Netzes von Registrierstationen oder mittels 
einiger Profile allein erfolgversprechend, Im folgenden soll daher auch auf 
Grund bisher vorliegenden Beobachtungsstoffes versucht werden, einen Anhalt 
für die Ausdehnung einer solchen Untersuchung zu gewinnen, während wir in 
Bezug auf die eigentliche Fragestellung nur einen bescheidenen Schritt vorwärts 
tun können. Als Untersuchungsgebiet kommt wegen der größten Längserstreckung 
unter den deutschen Küsten wohl am ehesten die hinterpommersche Küste in 
Frage, wo Störungen durch Buchten, Haffe oder Watten kaum in Betracht 
kommen, und wo auch durch das bereits vorhandene Stationsnetz die Möglich- 
keit gegeben ist, ohne übermäßige Kosten weiterzubauen, 
Es werden hier zunächst die Windverhältnisse der Sommermonate 1930 
bis 1932 in Betracht gezogen, für die Beobachtungen aus Rügenwaldermünde (Rü), 
Köslin (Kö), Greifenberg (Gr), Lauenburg (Lau), Muhlendorf (Mu) und Rein- 
wasser (Rei) vorliegen. Als Vergleichsstation im Binnenlande wird Deutsch-Krone 
(DKr) herangezogen, wo wir wegen der 110 km betragenden Entfernung keine 
Störung durch das Meer vermuten brauchen, Zunächst wurden alle Häufigkeits- 
werte der Windverteilung an diesen Stationen’) auf Prozent unter Ausscheidung 
+) M. Kaiser, Land- und Seewinde an der deutschen Ostseeküste, Diss, Halle 1906. — 
2 E Reichel, Ergebnisse gleichzeitiger Registrierungen ... zu Misdroy ... Ber. Tät. Preuß. Met. 
Inst. 1932, S. 953. — 3) E. Reichel, Große Temperaturunterschiede an der Swinemünder Bucht bei 
östlichen Winden, Ebenda 1931, S. 63—68. —- %*) H. Renier, Der FKinfluß von Nord- und Ostsee 
auf die Bewölkung und Sonnenscheindauer an den deutschen Küsten, Ebenda 1932, S. 120—125. — 
5) H. Henze, Ozeanität und Kontinentalität bei den sommerlichen Niederschlägen Norddeutschlands, 
Met, Z. 1929, 8, 129-—137 u. weitere Arbeiten von A, Dieckmann. — 0. r7. Schubert, Wirkungen 
des Reibungsunterschiedes über See und Land auf die Luftströmung im Bereich der Deutschen Bucht, 
Ann. d. Hydr. 1926, 8. 273-—279. — °®) G. Hellmann u. a., Klimaatlas von Deutschland. Berlin 
1921. — E. Reichel, Vergleich der Frühjahrs- und Herbstmittel für Temperatur und Niederschlag 
in Deutschland. Ann. d. Hydr. 1930, S. 81—89. — 7’) Die Terminwerte von Rü wurden von der 
Deutschen Seewarte ausgezählt, Für die Bereitstellung danke ich an dieser Stelle,
	        
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