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Full text: 62, 1934

Castens, G,: Georg Wüst: Das Bodenwasser und die (iliederung des Atlantischen Ozeans, 191 
der Vertikalen, die allein ihre aus Wattenbergs!) Kohlensäure-Schnitten zu 
folgernde gründliche Durchlüftung erklären kann und die ebenfalls ozeanologisch 
folgerichtig die horizontalen und vertikalen t- und S-Unterschiede sich dem 
Nullwert stark nähern läßt [vgl. Defant: Dynam. Ozgr., S. 27]. 
Das Gefühl einer großen Unsicherheit empfinde ich auch bei Verbindung 
der potentiellen Temperaturen mit Wüsts „Stromachse‘“ des Antarktischen 
Bodenstroms. Diese Achse liegt im Argentinischen Becken, wenn wir die t,-Karte 
mit den t,-Querschnitten vergleichen, anscheinend z, T., schon oberhalb der 
abyssischen Sprungschicht, d.h. im Bereiche des über dem Bodenstrom lagern- 
den neuen Stromstockwerks. Dessen ganz anders geartete t,-Werte dürfen dann 
aber keinenfalls im Sinne eines hier besonders starken Mischungseffektes gedeutet 
werden, wozu der von Wüst geleitete Leser der Abhandlung vielleicht neigen wird, 
Besonders zu begrüßen ist schließlich noch Wüsts Karte über die „Gliederung 
des Atlantischen Tiefseebodens“. Hinsichtlich der Benennung schlägt der 
Verfasser (S. 83) vor, als „Rücken“ nur die steileren Erhebungen mit aus- 
gesprochen linearer Erstreckung zu be. 
zeichnen, also den „Nordatlantischen 
Rücken“ (Satteltiefe 3500 m), den „Süd 
atlantischen Rücken“ (3500 m), den „Wal- 
fisch-Rücken“ (3600 m) und den „Neu- 
fundland-Rücken“ (3600m). „Alle übrigen 
Aufwölbungen des atlantischen Tiefsee: 
bodens sind. flache Erhebungen und ver- 
dienen daher cher die Bezeichnung 
‚Schwellen. Diese Unterscheidung 
Wüsts scheint auch eine genetische Be- 
rechtigung zu haben. In der Tabelle 4 
sind alle 10 „Schwellen“ zusammen- 
gestellt, deren Satteltiefen Wüst ange- 
geben hat. Ihre mittlere Satteltiefe be- 
trägt rund 4500 m, das ist genau die Tiefe, in der dasjenige der beiden Häufig- 
keitsmaxima der bekannten „Hypsographischen Kurve“ der Erdrinde liegt?), 
das durch Alfred Wegeners Kontinenten- Verschiebungstheorie eine gewisse Be- 
rühmtheit erlangt hat. 
Weitere wichtige Befunde und Stellungnahmen von Wüst berühren die 
Frage der Herkunft des atlantischen Boden- und Tiefenwassers (S. 48) — den 
Einfluß der Erdwärme auf das Bodenwasser, den der Autor vollkommen ablehnt 
(S. 55) — die Ursache, weshalb der Salzgehalt des Bodenwassers im Gegensatz 
zu den früheren Vermutungen gleichförmiger ist, als man nach der thermischen 
Spanne erwarten würde (S. 50) — die von L. Möller früher in dieser Zeitschrift?) 
erörterten Unterschiede in der „Chlorkonstante“ der verschiedenen Wasser- 
arten (S. 55) — die „potentielle Dichte“ (S. 32, 55), eine noch stärkere und meines 
Erachtens noch gewagtere Abstraktion, als der „t,“-Begriff — das meridionale 
Gefälle der abyssischen Sprungschicht (20 m je 100 km: S.78) u. a. m. Wir sehen, 
der Verfasser setzt sich mit fast den gesamten zuständigen Problemen aus- 
einander, deren Lösung wir von dem „Meteor“-Werk erhoffen. Wenn der 
Rezensent in Einzelheiten zu anderen Folgerungen gelangt ist oder gewisse Fest- 
stellungen von einem anderen Standpunkt aus beleuchtet hat oder vielleicht — 
auf dem reichen Wüstschen Ideen- und Stoffmaterial bauend — die eine und 
andere möglicherweise brauchbare Anregung geben durfte, so sei daran erinnert, 
daß er, der Rezensent, — wie stets im Leben — eine sehr viel leichtere Aufgabe 
hatte, als der das ungeheure Urmaterial schöpferisch bearbeitende Forscher: 
Kritisieren und Weiterbauen auf bereits vorliegenden Ideen ist — das lehrt die 
ganze Wissenschaft — die kleinere Leistung. 
1) Wiss, Ergeb, Dtsch. Atl. Exp. „Meteor“. Bd, VIII, Teil I: Beilagen H und IX bis X\. 
3) Siehe u. a. Supan-Obst: Grundzüge d. Phys. Erdkunde. 7. Aufl,, S. 71/72. — 3) 1933, S, 24.
	        
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