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Full text: 62, 1934

Castens, G.: Georg Wüst: Das Bodenwasser und die Gliederung; des Atlantischen Ozeans, 187 
schiede beider (Reihe c) nur im höchsten Maße überrascht sein. Das Wachsen 
der Differenzen in der Reihe e entspricht ganz den Wüstschen Folgerungen über 
die meridionale Reichweite des antarktischen Bodenwassers, da b und c schneller 
ihren antarktischen Charakter verlieren, also eher absterben. 
Von Wüsts Ergebnissen ist weiter hervorzuheben die Entdeckung einer von 
ihm mit vollster Berechtigung als obere Grenze der Bodenströmung aufgefaßten 
t- und S-Sprungschicht in rund 4000 m Tiefe mit At-Werten von 0.30 und — 
über der Rio-Grande-Schwelle — sogar von 0.55° je 100m! Läßt man sich von 
dieser abyssischen Grenzschicht leiten, so müßte man das Nordende der West- 
mulden-Bodenströmung eigentlich zwischen 10 und 15° N ansetzen. Die letzten 
Spuren antarktischen Wassers sind nach Wüst noch bei 40° N nachweisbar, d. i. 
ungefähr dieselbe Breite, unter der auch Schott in seinem „Valdivia“-Zirkulations- 
schema (Bd. I, S. 114) — vielleicht unbewußt unter dem Einfluß von v. Schleinitz 
— die Mitte des Grenzstreifens zwischen antarktischem und arktischem Tiefen- 
wasser angenommen hatte, wie hier in Ergänzung der historischen Angaben 
von Wüst (S. 43, Z. 9 v.ob) bemerkt sei; das arktische Wasser selbst ließ Schott nur 
bis etwa 63°N reichen, was ebenfalls im Einklang mit Wüsts Ansicht steht (S. 37), 
Überraschend ist Wüsts Feststellung, daß die „kinematischen Wirkungen der 
Bodenkonfiguration‘, die sich in Aufwölbungen der Isolinien über den Schwellen 
äußern, „zum Oberwasser hin rasch ausklingen; bereits in den oberen Partien der 
Grenzschicht — also etwa 1000 m höher — sind nur noch schwache Andeutungen 
dieser stationären Schwankungen vorhanden“, Bildet Wüsts abyssische Sprung- 
schicht auch eine Sperrschicht für den Einfluß des Bodenreliefs auf den 
[solinienverlauf der höheren Stromstockwerke? Nach den 1928 von ihm ver- 
öffentlichten t- und S-Schnitten!) scheint die Frage bejaht werden zu müssen. Zu- 
treffendenfalls würde die von Merz®) vertretene Ansicht sich als irrtümlich er- 
weisen, derzufolge die Bodengestaltung auch noch die Tiefenlage der maxothermen 
Achse des N-Atlant. Tiefenstromes beeinflußt. Dieser Merzschen Auffassung 
neigte ich auch meinerseits zu, als ich 1931 auf merkwürdige Beziehungen 
zwischen der ozeanischen Hauptgrenzfläche [Tropo-/Stratosphäre]?®) und der Ge- 
samtwassertiefe hinwies‘). Die Frage bleibt für den offenen Ozean noch un- 
geklärt; empirisch gesichert ist, daß in Meerengen die Sprungschicht nicht 
eine Sperrschicht im obigen Sinne ist: auf Merz-Möllers Dichte-Längsschnitt 
durch den Bosporus wird verwiesen [u. a. Defant: Dynam. Ozeanogr. S. 52]. — 
Erstaunlich ist auch, daß das antarktische Bodenwasser ganz zweifellos nicht nur 
über die Rio-Grande-, sondern sogar noch 30 Grade weiter nördlich über die fast 
ebenso hoch reichende Para-Schwelle hinwegflutet. Merz meinte 1925: „Die hohe 
Erhebung des Rio-Grande-Rückens kann von diesem tiefliegenden Strom nicht überquert, 
sondern nur umflossen. werden‘ 
„Am untersten Stockwerk des Ozeans sind die Wassermassen wesentlich stärker 
differenziert als in der darüber liegenden Tiefenschicht, verharren keineswegs in 
Bewegungslosigkeit, sondern befinden sich offenbar in der Mehrzahl der Tiefen- 
becken in merklich strömender Bewegung, die wir unmittelbar aus dem Verlauf 
der Isothermen ablesen können.“ (Wüst S, 34.) — Diese wichtige Entdeckung liegt 
ganz in der Linie der Auffassung, die Merz und Wüst schon 1922 vertreten 
hatten®): 
„Nach unserem Diagramm hätten wir demnach die höchsten Geschwindigkeiten 
in meridionaler Richtung in erster Linie in den obersten Wasserschichten und in 
zweiter Linie im nordatlantischen Tiefenstrom unterhalb 2000 m zu erwarten... . 
Die Annahme, daß die Stromgeschwindigkeit in den großen Tiefen am 
kleinsten sei, trifft offenbar nicht allgemein zu.“ 
Die Auffassung von Merz und Wüst stand im Einklang mit den Berech- 
nungen einer Kieler Dissertation aus dem Jahre 1905°), nach der sich für die 
2) Zschr. d. Ges. f. Erdk, zu Berlin, Hundertjahrfeierband, Tafel 33 u. 34. —- ?) Sitz, Ber. Preuß. 
Ak. d. Wiss., Phys, Math, K]., 1925, XXXI, S. 569. — ?%) Oder nach Wüst: „Warm- u. Kaltwasser- 
;phäre“. — 4) Ann. Hydr. 1931, 5. 17. —— °) Zschr. Ges, Erdk, Berlin, 1922, S, 35, — %) Wiss, Meeres- 
antersuch., hrsg, v., d. Komm. z. Untersuchung d, dtsch Meere, Abt. Kiel, NF, Bd 8: „Untersuch. 
iber die Strömungen des Atlant, Ozeans“ |S. 266; Dissert, S. 281.
	        
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