Rauschelbach, H.: Hochseepegelbeobachtungen im südlichen Kattegat im August 1931. 185
Die Quadratsumme der Abweichungen der beobachteten Werte von den berech-
neten ergibt sich zu 0.0976 und damit der mittlere Fehler einer Beobachtung
zu + 0.08 em. Dies ist eine innere Genauigkeit, die zumindest nicht geringer
ist als die irgendeines andern Schreibpegels.
Hierbei ist zu berücksichtigen, daß die Ablesung der entwickelten Wasser-
standsstriche bisher mittels eines Maßstabes und mit bloßem Auge auf nur
55 mm geschehen ist. Die erzielte Genauigkeit zeigt, daß es berechtigt ist, die
Wasserstandsstriche mit einer so hohen Genauigkeit auszuwerten, und daß es
keine Übertreibung bedeutet, in Zukunft zu versuchen, die Wasserstandsstriche
mittels eines geeigneten Meßapparates auf 0.01 mm auszuwerten, wenn eine Not-
wendigkeit dafür vorhanden sein sollte.
(Schluß folgt.)
Georg Wüst:
Das Bodenwasser und die Gliederung des Atlantischen Ozeans.)
Von Gerhard Castens,
Eine wichtige, tiefgründige Arbeit mit wertvollen neuen Feststellungen und
Anregungen und — — mit zahlreichen Überraschungen! Manche Ansicht, die
in den Kreisen der Ozeanologen Fuß gefaßt hatte, muß der eindeutigen Sprache
der Wüstschen Karten und Diagramme weichen,
Aus dem Inhaltsverzeichnis : Geschichte der Erforschung des Bodenwassers — Das Quellen-
naterial — Die horizontale Verteilung der Bodentemperatur und des Bodensalzgehaltes — Der
zertikale Aufbau des Bodenwassers -— Die Gliederung des Tiefseebodens — Listen des Quellen-
naterials (Zusammenstellungen der Messungen in mehr als 4000 m Tiefe: a} Bodentemperatur in situ
ınd potentiell; b) Bodensalzgehalte und potentielle Dichten; c) Quellennachweis zu vier meridionalen
Längsschnitten des Raumes 3000 m/Boden). Das 107 Seiten starke Heft enthält 16 Textabbildungen
und 8 z. T. mehrfarbige Beilagen (Karten und Diagramme).
Den „roten Faden“ der Abhandlung bildet der „Antarktische?) Boden-
strom“, dessen Wesen und in wichtigen Zügen natürlich bodengestaltlich be-
dingte Ausbreitung und Abzweigungen Wüst auf teilweise völlig neuartigen
Wegen zu ergründen sucht, Die erste Überraschung ist die, daß seine Arbeit
vor den das Oberflächen-, Zwischen- und Tiefenwasser behandelnden Abhand-
lungen des „Meteor“-Werkes erschienen ist, Die räumliche Verteilung der von
t und S der ganzen Wassersäulen abhängigen Boden-Druckverhältnisse hat der
Verfasser demgemäß seinen Untersuchungen nicht zugrunde gelegt. Er hat nach
anderen Indikatoren gesucht und — man darf ihn zu dem Erfolge beglück-
wünschen, den er hierbei vor allem erzielt hat durch Anwendung eines praktisch-
wissenschaftlichen Kunstgriffs, der vielleicht noch große Verwertungs- und Ent-
wicklungsmöglichkeiten in sich birgt. Es handelt sich gewissermaßen um die
zahlenmäßige Erfassung des Alterns eines Meerwasserkörpers mit der wachsenden
Entfernung von seiner Quelle A: hat er an dieser im t- und S-Felde seine
Wesenseigenart hundertprozentig, und setzt man am Ende N der Strömung, d. h.
dort, wo mit hinlänglicher Sicherheit ein anderer Wasserkörper nun seinerseits
hundertprozentig angenommen wird, jene Eigenart gleich Null, so ergibt sich die
Möglichkeit — besonders, sofern die Änderungen annähernd linear erfolgen —,
die fortschreitende Vermischung des Urkörpers mit fremdem Wasser zahlenmäßig
zu erfassen. Das bisher „im allgemeinen nur auf die vertikale Veränderung
von t* und S°/„„ innerhalb einzelner einheitlicher Meeresgebiete angewandte gra-
ohische Verfahren S= f (t)“ ist von Wüst in der Horizontalen längs eines ganzen
Weltmeeres benutzt worden.
Wer zunächst dem Verfahren zweifelnd gegenübersteht im Hinblick auf die
immerhin nicht unbedeutende Streuung der Einzelwerte®) um die „Normalkurven“
‘) Wise, Ergebnisse der Deutschen Atlantischen Expedition auf dem Forschungs- und Ver-
messungsschiff „Meteor“ 1925—1927. Band VI, Erster Teil, Lief, 1. — ?) An die Folgewidrigkeit solcher
geograph. Herkunfts-Beiworte von Meeresströmungen sei erinnert. [Vgl. Ann. Hydr. 1931, S. 339,
Vorbemerkung zu Tabelle 2.] — 3%) Ich versuchte, für 25 Stationen der südatl, Westmulde die Ver-
nischungsprozente an Hand der betr, „Normalkurve“ (Abb. 5, S. 56) zu bestimmen, wurde hierbei
ndes leider das Gefühl einer fatalen Unsicherheit und Willkür sicht los.
Ann. d. Hrydr. usw. 19341. BHeit V.