172 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1934.
und Hörweite u, a. m. Die nicht genug zu rühmende Bereitwilligkeit des See-
manns, auch seinerseits der Forschung zu helfen für die Bedürfnisse des ozeanischen
Flugverkehrs, hat seine erhöhte Aufmerksamkeit auf die Vorgänge in den oberen
Luftschichten nach sich gezogen: Pilotballone, Wolkenzug und -form, atmo-
sphärisch-optische Erscheinungen, Weiter haben die engen Beziehungen zwischen
dem Luftzustand [Feuchte und Temperatur] im Schiffsinnern einerseits und dem
Außenwetter andrerseits [mitsamt dem z. T. durch dieses bedingten Kaltwasser-
Auftrieb] das im Zeitalter der Riesendampfer gegenüber der Segelschiffsära
merklich zurückgegangene Interesse an der Meteorologie unverkennbar wieder neu
belebt!). Mit Überraschung sehen wir, daß der Seemann die Wetterverhältnisse
an Land und ihre Auswirkungen auf die Pflanzen- und Tierwelt seinem Gesichts-
kreis einfügt, vermutlich auf Grund eigener Erfahrungen über ihren Einfluß
auf Art, Menge und Zustand der angelieferten Seefracht.
Beobachtungsergebnisse, die heute noch nicht restlos praktisch verwertbar
sind, können es morgen zum Teil und übermorgen sämtlich werden. Was
zunächst vielleicht als persönliche Liebhaberei eines Seebeobachters aufgefaßt
wird, kann in Bälde einen schätzbaren Beitrag für den „See-Baedeker“ der
Reederei darstellen, sich werbend — nach manchen Richtungen hin — aus-
wirken und schließlich bei Zunahme des Stoffes zu Erkenntnissen führen, die nun-
mehr als wertvoll für den Geschäftsbetrieb teilweise nicht mehr einer größeren
Öffentlichkeit, sondern vorläufig nur dem Sonderforscher für die „Weiterverfolgung
der Sache“ zur Verfügung gestellt werden; wir erinnern an die Entwicklung der
Klimakunde des Laderaums.
Forschung und Praxis! Bei einer Schwester-Wissenschaft, der Chemie,
hat beider enge Zusammenarbeit höchstwertige Frucht getragen zu beider
Vorteil. Die Forderungen der Praxis müssen bei einem verarmten, um seinen
Wiederaufbau ringenden Volk für die Forschung treibend und zielweisend
sein?). Der Höhepunkt der Ara der angewandten Wetter- und Meereskunde
kommt noch. Keineswegs sind mit dem Zeitalter der Segelschiffahrt die An-
sprüche des Seeverkehrs und der Seewirtschaift an beide erloschen. Ihre Zeit
wird erst in Zukunft „erfüllet“ werden! Gerhard Castens.
6. Die erste Johnson-Smithsonian-Tiefsee-Expedition (Jan.—März 1933).
Auf Grund des nunmehr vorliegenden ersten Berichtes?) sei folgendes mitgeteilt:
Die von Paul Bartsch (U. S. National Museum) geführte Expedition wurde von
Eldridge R.Johnson-Philadelphia finanziert, dieser stellte seine Jacht „Caroline“
der Smithsonian Institution für die Zwecke der Expedition zur Verfügung und
rüstete sie auch mit den für biologische und hydrographische Arbeiten erforder-
lichen Instrumenten aus. Die Aufgabe war, Untersuchungen in der Puertorico-
Rinne auszuführen. Aus dem Stationsbericht geht hervor, daß in der Zeit vom
30. Januar bis 9. März 1933 an insgesamt 109 Stationen biologisch gearbeitet
worden ist. Die meisten Stationen befinden sich auf der Nordseite von Puertorico
und der Jungfern-Inseln, meist in weniger als 10 Sm Entfernung von der Küste,
Zahlreiche Stationen liegen zwischen Puertorico und der Mona-Insel, einige in
der Bahia Samanä auf der Nordseite der Insel Haiti. Nur von zwei Stationen
wird berichtet, daß auch hydrographische Serien ausgeführt worden sind und
zwar einmal bis 2400 m Tiefe (Stat. 108), und einmal bis 4500 m (Stat. 89); über
die Ergebnisse soll später berichtet werden,
Ozeanographisch am bedeutungsvollsten sind die Echolotungen. Das Echolot
war mit Unterstützung der Kriegsmarine eingebaut worden, und die Lotungen
wurden durch den vom Naval Research Laboratory, Washington, gestellten
1) Ann. Hydr. 1933, S. 13ff.: Harries, „Neue schiffsranm-meteorologische Messungen“, — 2) „Die
angewandte Naturwissenschaft mehr denn je auf völkische Belange einzustellen ist
Pflicht des Forschers!‘“ (Aus „Mittlgn. d. Verbandes der Deutschen Hochschulen,“ 1933, X,
S, 103ff: F. Schucht.) — Vgl. auch Ann, Hydr. 1932, 8. 505 unter „Maury“, ferner L. Brauer
u. a. „Forschungsinstitute, ihre Geschichte, Organisation u. Ziele“, Hamburg 1930, Paul Hartung Verlag.
3) Paul Bartsch: Station Records of the First Johnson-Smithsonian Deep-Sea-Expedition,
Smithsonian Miscellaneous Collections, vol. 91, Nr. }1. Washington, Dec, 4, 1933.