Kleinere Mitteilungen.
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Gestern herrschte westlicher Wind bei stark bedecktem Himmel und vorüber-
gehendem Regen; heute ist es klarer geworden, Um 8» NWzW 3—4; t; 11.5°;
Cu, gleichmäßig verteilt, Im Laufe des Vormittags zieht eine kurze Regenbö
über den Hafen hin. Mittags ist t auf 13° gestiegen; der Wind weht etwas
stärker aus der bisherigen Richtung.
Um auch die Vegetation der Insel im Januar kennen zu lernen, schließe ich
mich einer Autofahrt an, die sich über die ganze Insel erstrecken soll. Wer die
[nsel Malta nur von See aus gesehen hat, hält sie für einen unfruchtbaren Felsen;
er nimmt in seiner Perspektive nur wenige der vielen kleinen Felder wahr, die
alle von niedrigen Mauern umgeben sind zum Schutze gegen Wind und Wasser.
Von den Höhen aus ist das Bild wesentlich anders. Ich sah fast überall saftig-
zrüne Flächen, dazwischen einzelne rotbraune Ackerstreifen, auf denen die ersten
Kartoffeln gestanden hatten. Die grünen Flächen waren Kohl, junger Klee und
Getreide, das schon 30 cm hoch stand, An den kleinen Abhängen zwischen den
teilweise stufenförmig angelegten Feldern blühten viele wilde Osterlilien. Also
eine ausgesprochene Frühlingsstimmung. In einer Schlucht an der Südküste
(beim Ghirghenti Palast) liegt ein großer Park, den die Malteser ihr „Wäldchen“
nennen. Umgeben von Pinien, Zypressen, einzelnen Palmen und einigen anderen
größeren Bäumen steht dort wirklich ein kleiner Wald von Orangen- und
Zitronenbäumen, und der schönste Anblick war: die Bäume waren voll von reifen
und reifenden Früchten. Einige konnte man ohne Übertreibung als überladen
bezeichnen; sie wuchsen aus einem Teppich von jungem, zierlichem Klee, von
niedrigen Mauern umgeben. Beim Anblick der Früchte überkam uns eine Herbst-
stimmung. Da es morgens geregnet hatte, und jetzt die Sonne schien, war alles
äußerst reizvoll, wie überhaupt der Januar für Malta der landschaftlich schönste
Monat ist nach Aussage der dort wohnenden Deutschen. Im Sommer verdorrt
and verstaubt das meiste.
Bei Sonnenuntergang stand ich auf der höchsten Erhebung des westlichen
Inselteiles beim Torri Nadur (239 m). Die Witterung war unverändert. Wind
NW 4; ringsum blauer Himmel; Cu; im NE zog in der Ferne eine Regenbö vor-
über, Im WSW war die Sonne hinter stärkerer Bewölkung verschwunden, Als
ich anderthalb Stunden später wieder an Bord kam, war die Bewölkung im
WSW verschwunden, und der Wind etwas flauer geworden; t; 12°,
Die nächsten beiden Tage (15. und 16. Januar) verliefen ganz ähnlich; der
Wind spielte zwischen NWzW und WNW. Am 16. mittags setzten wir die
Reise nach Port Said fort. Der WNW-Wind, Stärke 4—5, begleitete uns noch
36 Stunden lang. Gustav Schröder, I. Offiz. der H.-A.L.
5. „Nautische Meteorologie“. Die „Annalen der Hydrographie usw.“ begrüßen
die klimatographischen u, ä. Beiträge ihrer nautischen Mitarbeiter stets mit be-
sonderer Freude. Diejenigen Nautiker, die häufiger die gleichen Seeverkehrs-
wege durchfahren, sind — zumal wenn sie die „offenen Augen“ des Natur-
Erschauers Goethe haben!) — wie sonst niemand dazu berufen, subjektiv und
doch — wegen der räumlichen und zeitlichen (verschiedene Jahre!) Vergleichs-
möglichkeiten — auch streng objektiv zu schildern, Sie werden nicht der Neigung
des reisenden Reporters verfallen, Superlative und schillernde Farben um des
Lesers willen zu fühlen und zu sehen, wie der in dieser Zeitschrift früher?)
gezeichnete „dilettierende »Magazin«-Wissenschaftler“.
Die „Nautische Meteorologie“ erweitert gegenwärtig ihren Bereich in sehr
beachtlicher Weise! Bisher haben wir unter jenem Begriff im allgemeinen wohl
nur „Störungs“-Meteorologie*) verstanden, nämlich atmosphärische Störungen
[einschl. ihrer Entwicklungsbedingungen], die unmittelbar oder in ihren Folgen
irgendwie auch störend für den nautischen Betrieb sind: Stürme (unge-
wöhnliche Stromversetzungen und Wasserstau-Erscheinungen), Nebel, Einwirkung
auf die Ablenkung von Sicht-, Funk- und Schallstrahlen, Einschränkung der Sieht-
) Ann, Hydr, 1932, S. 169. — ?) Ann, Hydr. 1933, S. 133. — 3%) Ann. Hydr. 1933, S. 36.