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Full text: 62, 1934

Kleinere Mitteilungen. 
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Gestern herrschte westlicher Wind bei stark bedecktem Himmel und vorüber- 
gehendem Regen; heute ist es klarer geworden, Um 8» NWzW 3—4; t; 11.5°; 
Cu, gleichmäßig verteilt, Im Laufe des Vormittags zieht eine kurze Regenbö 
über den Hafen hin. Mittags ist t auf 13° gestiegen; der Wind weht etwas 
stärker aus der bisherigen Richtung. 
Um auch die Vegetation der Insel im Januar kennen zu lernen, schließe ich 
mich einer Autofahrt an, die sich über die ganze Insel erstrecken soll. Wer die 
[nsel Malta nur von See aus gesehen hat, hält sie für einen unfruchtbaren Felsen; 
er nimmt in seiner Perspektive nur wenige der vielen kleinen Felder wahr, die 
alle von niedrigen Mauern umgeben sind zum Schutze gegen Wind und Wasser. 
Von den Höhen aus ist das Bild wesentlich anders. Ich sah fast überall saftig- 
zrüne Flächen, dazwischen einzelne rotbraune Ackerstreifen, auf denen die ersten 
Kartoffeln gestanden hatten. Die grünen Flächen waren Kohl, junger Klee und 
Getreide, das schon 30 cm hoch stand, An den kleinen Abhängen zwischen den 
teilweise stufenförmig angelegten Feldern blühten viele wilde Osterlilien. Also 
eine ausgesprochene Frühlingsstimmung. In einer Schlucht an der Südküste 
(beim Ghirghenti Palast) liegt ein großer Park, den die Malteser ihr „Wäldchen“ 
nennen. Umgeben von Pinien, Zypressen, einzelnen Palmen und einigen anderen 
größeren Bäumen steht dort wirklich ein kleiner Wald von Orangen- und 
Zitronenbäumen, und der schönste Anblick war: die Bäume waren voll von reifen 
und reifenden Früchten. Einige konnte man ohne Übertreibung als überladen 
bezeichnen; sie wuchsen aus einem Teppich von jungem, zierlichem Klee, von 
niedrigen Mauern umgeben. Beim Anblick der Früchte überkam uns eine Herbst- 
stimmung. Da es morgens geregnet hatte, und jetzt die Sonne schien, war alles 
äußerst reizvoll, wie überhaupt der Januar für Malta der landschaftlich schönste 
Monat ist nach Aussage der dort wohnenden Deutschen. Im Sommer verdorrt 
and verstaubt das meiste. 
Bei Sonnenuntergang stand ich auf der höchsten Erhebung des westlichen 
Inselteiles beim Torri Nadur (239 m). Die Witterung war unverändert. Wind 
NW 4; ringsum blauer Himmel; Cu; im NE zog in der Ferne eine Regenbö vor- 
über, Im WSW war die Sonne hinter stärkerer Bewölkung verschwunden, Als 
ich anderthalb Stunden später wieder an Bord kam, war die Bewölkung im 
WSW verschwunden, und der Wind etwas flauer geworden; t; 12°, 
Die nächsten beiden Tage (15. und 16. Januar) verliefen ganz ähnlich; der 
Wind spielte zwischen NWzW und WNW. Am 16. mittags setzten wir die 
Reise nach Port Said fort. Der WNW-Wind, Stärke 4—5, begleitete uns noch 
36 Stunden lang. Gustav Schröder, I. Offiz. der H.-A.L. 
5. „Nautische Meteorologie“. Die „Annalen der Hydrographie usw.“ begrüßen 
die klimatographischen u, ä. Beiträge ihrer nautischen Mitarbeiter stets mit be- 
sonderer Freude. Diejenigen Nautiker, die häufiger die gleichen Seeverkehrs- 
wege durchfahren, sind — zumal wenn sie die „offenen Augen“ des Natur- 
Erschauers Goethe haben!) — wie sonst niemand dazu berufen, subjektiv und 
doch — wegen der räumlichen und zeitlichen (verschiedene Jahre!) Vergleichs- 
möglichkeiten — auch streng objektiv zu schildern, Sie werden nicht der Neigung 
des reisenden Reporters verfallen, Superlative und schillernde Farben um des 
Lesers willen zu fühlen und zu sehen, wie der in dieser Zeitschrift früher?) 
gezeichnete „dilettierende »Magazin«-Wissenschaftler“. 
Die „Nautische Meteorologie“ erweitert gegenwärtig ihren Bereich in sehr 
beachtlicher Weise! Bisher haben wir unter jenem Begriff im allgemeinen wohl 
nur „Störungs“-Meteorologie*) verstanden, nämlich atmosphärische Störungen 
[einschl. ihrer Entwicklungsbedingungen], die unmittelbar oder in ihren Folgen 
irgendwie auch störend für den nautischen Betrieb sind: Stürme (unge- 
wöhnliche Stromversetzungen und Wasserstau-Erscheinungen), Nebel, Einwirkung 
auf die Ablenkung von Sicht-, Funk- und Schallstrahlen, Einschränkung der Sieht- 
) Ann, Hydr, 1932, S. 169. — ?) Ann, Hydr. 1933, S. 133. — 3%) Ann. Hydr. 1933, S. 36.
	        
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