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Full text: 62, 1934

L64 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1934. 
matischer Fehler bei etwaigem Beobachterwechsel, also vorgetäuscht. Sobald 
jedoch die hohe formale Ähnlichkeit aller drei Schaulinien erkannt ist, wird diese 
aber wohl niemand mehr aufwerfen. Ihr „zusammenhanglos voneinander Bestehen“ 
bei gleicher Periodenlänge würde einer ganz eminenten Unwahrscheinlichkeit 
gleichkommen, die anzunehmen man sich kaum so bald entschließen dürfte. Dazu 
kommt, daß es sich bei der Bestimmung der interd. L.-V., Kurve a, stets nur um 
fortlaufende Differenzenbildung des konkreten Luftdruckstandes handelt, dabei 
also systematische Fehler nahezu unmöglich sind, die Kurve ihrer Jahresmittel, 
weil auch rechnerisch mehrfach überprüft, daher absolut richtig sein muß. 
Endlich sollen, wie nochmals betont werden möchte, die anemographischen 
Aufzeichnungen und subjektiven Windregistrierungen von Bremen tatsächlich 
völlig unabhängig voneinander und noch dazu im vertikalen Abstande von 42 m 
durchgeführt worden sein! Das nahezu gleichzeitige Auftreten ihrer tiefsten 
und höchsten Werte in den Kurven b und ec, sowie das übereinstimmende Vor- 
kommen einer kleinen Störung des Kurvenverlaufes von 1900 bis 1903 muß also 
ebenfalls reell sein. Auch die scheinbare Abnahme der Kurve c im äußersten 
linken Teile wird ohne weiteres verständlich und spricht nicht dagegen, sobald 
wir erfahren, daß die subjektive Windschätzung in den ersten fünf Jahren von 
1891 bis 1895 nicht in der Station „Bremen-Hafenhaus“, sondern an einem 
stadtnäheren und daher windstillerem Orte, nämlich in „Bremen-Schönhausen- 
straße 43“ erfolgt ist, 
Aus dem Gesagten geht also, wie mir scheint, eindeutig hervor, daß das 
Nachhinken des säkularen Ganges der Windgeschwindigkeit gegenüber jenem 
der interd. L.-V., nicht mehr weiter zu bezweifeln ist. Als mögliche Erklärung 
der Erscheinung finden wir nun etwa folgendes: 
Da die säkularen Schwankungen der interd. L.-V. Komplexwirkung von 
Unruheänderungen sämtlicher über Bremen gelagerter Luftschichten sind, die 
säkulare Schwankung der W.-G. aber nur den Bewegungszustand der aller- 
untersten bodennächsten angibt, so hat es entgegen den Verhältnissen in den 
Alpen fast den Anschein, als ob sich hier in Bremen die säkularen „Zusatz- 
effekte“ nicht von unten nach oben, sondern von oben nach unten entwickeln 
möchten. 
Eine zweite, sehr merkwürdige Erscheinung betrifft den deutlichen Unter- 
schied zwischen den beiden Säkularwellen der W.-G. in Kurve b und c von Fig. 1. 
Wir fragen: 
Wieso kommt es, daß die Säkular-Amplitude der subjektiv beobachteten 
W.-G, im Garten des „Hafenhauses“ auf einen nahezu dreimal so großen 
Wert hinweist, als jene der anemographischen Registratur am Turme des 
„Hafenhauses“ nur 42 m darüber? oder, wie wäre verständlich zu machen, 
daß in Zeiten minimaler säkularer W.-G. am Erdboden die Zunahme derselben 
mit der Höhe in den untersten 42 m eine so sehr rasche ist, und etwa 2 m/sec 
beträgt, während sie zur Zeit des säkularen Windmaximums im gleichen Intervall 
nur etwa den dritten Teil davon ausmacht? Ein Zustand erhöhter vertikaler 
Durchmischung der Luft zur Zeit des säkularen Maximums der W.-G, wäre gegen- 
über den Zeiten ihres Minimums wohl nahegelegt, daß die diesbezüglichen Unter- 
schiede bei der relativ geringen säkularen Variation von nur 0,60 m/sec in 42 m 
Höhe aber derartige Dimensionen annehmen können, muß doch einigermaßen 
befremden!). 
Den einzigen Weg zu einer möglichen Klärung dieser Fragen scheint mir 
eine sinnvolle Trennung des Materials, aus welchem sich die angeführten Jahres- 
mittel zusammensetzen, nach Tages- und Jahreszeit, sowie vornehmlich nach 
Windrichtung zu bieten. Dies kann des hierzu erforderlichen großen Zeitauf- 
wandes wegen hier leider noch nicht geschehen, doch wären die Probleme wohl 
wert, z. B. in den Arbeitsplan der zuständigen Bremenschen Landeswetterwarte 
aufgenommen zu werden. 
4) Die Unterschiede des 35 jährigen Geschwindigkeitsmittels am Turm von etwa 5,8 m/sec und 
in den untersten 10 m nach der Beaufort-Schätzung von etwa 3.0 oder 4.4 m/sec stehen recht gut in 
Übereinstimmung mit anderen ähnlichen Ergebnissen (siehe z, B. in Hann’s Lehrbuch, 4, Aufl, S. 403).
	        
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