Scherhag, R.: Die Entstehung des Ostsee-Orkans vom 8, und 9, Juli 1931. 157
der SE-Seite eines Tiefs aus NW, im NE-Sektor hingegen aus SW ziehen, also
auf der Vorderseite divergieren. Die weiteren Folgerungen aus dieser Theorie
stehen mit zahlreichen meteorologischen Tatsachen im Einklang, doch wollen
wir uns damit erst nach Besprechung von weiteren Beispielen befassen. Zunächst
ist es unsere Aufgabe, die Notwendigkeit einer Höhendivergenz schon als Folge
der unteren Konvergenz zu beweisen.
Die zyklonale Konvergenz.
Wir wollen versuchen, die in das Zentrum des Tiefs einströmende Luftmenge
zu berechnen. Sehen wir die Isobaren als kreisförmig an, so strömt in der Ent-
fernung r vom Zentrum in der Stunde die Luftmenge
H
M=7200xrT [ v+cosa-dh so
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ein, wenn v die Windgeschwindigkeit im m.p.5, @& der Ablenkungswinkel und
H die Reibungshöhe ist. Pro Flächeneinheit folgt dann ein stündlicher Massen-
zufluß von
H
Ma Bf ers
Für die von der 1000 mb-Linie umschlossene Fläche finden wir einen mittleren
Radius von 350 km. Mit diesem Wert, erhält man:
Mp=002 fv-cosa-dh,
Ü
In Tabelle 2 werden die mittleren Ablenkungswinkel am Boden sowie die
mittleren Windgeschwindigkeiten für die in der Nähe der 1000 mb-Linie liegen-
den Orte berechnet. Die letzte Vertikalspalte dient zur Bestimmung des mitt-
leren Wertes von vcos«. Die ”
Windrichtungen wurden den Tabelle 2. Ablenkungswinkel am Boden
Wetterkarten der betreffenden am 8. Juli 1981, 8 Uhr,
Länder entnommen, die Gra-
dientrichtungen dem Wetter-
bericht der Deutschen See-
warte, Nur für die schwe-
dischen Stationen erwies sich
die Herstellung einer beson-
deren Isobarenkarte auf Grund
der zahlreichen, im schwe-
dischen Wetterbericht aufge-
führten Ergänzungsstationen
als notwendig:
Wir erhalten als mittleren
Ablenkungswinkel 56°, in
guter Übereinstimmung mit Mittel
den sonst erhaltenen Werten,
Als mittlere Windgeschwindigkeit ergibt Tabelle 3. Mittlere Windgeschwindig-
sich 7 m/sec, Die durchschnittliche Ent- keiten am 8. Juli 1981.
fernung der 1000 und 995 mb-Isobaren | Tan 900m om | dm | a
beträgt im Wetterbericht der Seewarte ! Boden | 200 m / 500 m | 1000 m | 1500 m
etwa 240 km, woraus sich der Gradient- 7 oa a Tan
wind bei dem über Deutschland vorhan- 3 10 12 14 | 46
denen Krümmungsradius von r=2000 km -
zu 14 m. p.s. ergibt), Das Verhältnis zwischen Wind und Gradientwind beträgt
also am Boden etwa 0.5 in Übereinstimmung mit früheren Resultaten?. Wir
können jetzt leicht eine Übersicht der wahrscheinlichsten mittleren Wind-
*) Vgl. A. Defant, Wetter u, Wettervorhersage, 2, Aufl., S, 33, — % Vgl. Hann-Süring,
Lehrbuch der Meteorologie, 4, Aufl., S, 7754f.