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Full text: 62, 1934

'52 Annalen der Hydrographie und Maritimern Meteorologie, April 1934. 
geologischen Verhältnisse im Nordpolarmeer seit langer Zeit unverändert ge- 
blieben sind. 
4. Schweremessungen. Eine weitere wichtige Aufgabe war die Ausführung 
von Schwerebeobachtungen mit der von Vening-Meinesz geschaffenen und auf 
zahlreichen U-Bootfahrten erprobten Pendelapparatur, Das Fehlen von Schwere- 
beobachtungen aus dem Polarbecken ist vor allem deswegen als großer Mangel 
empfunden worden, weil durch den Vergleich der Schwerewerte im Polargebiet 
mit denen am AÄAquator eine wichtige Grundlage für die Berechnung der Ab- 
plattung der Erde gegeben ist. Für diese wird heute der aus den vorliegenden 
Schwerebeobachtungen und geodätischen Messungen berechnete Wert !/„.4 an- 
genommen. Die Gewinnung von zuverlässigen Schwerewerten aus möglichst 
großer Nähe der Pole würde eine ausgezeichnete Möglichkeit geben, die Richtig- 
keit unserer Anschauung über die Größe des Wertes der Abplattung der Erde 
zu prüfen. 
Bei der Verwendung des Pendelapparates von Vening-Meinesz ist ruhige 
Lage des Schiffes Voraussetzung, wie sie bei Unterwasserfahrten in 20 bis 30 m 
Tiefe vorhanden ist. Da diese Möglichkeit aber aus dem oben angeführten 
Grunde ausgeschlossen war, wurde innerhalb des Treibeises in mehreren 100 m 
Entfernung vom KEisrande gearbeitet und im Laufe von 8 Tagen konnten 
fünf Beobachtungen durchgeführt werden, zwei weitere Messungen gelangen im 
Eisfjord und in der Croßbai. Die gefundenen Werte sind nicht zahlreich genug, 
einen sicheren Beitrag für die Frage der Erdgestalt zu geben, sie scheinen den 
Wert !/2,9 für die Abplattung der Erde zu bestätigen, doch bedarf es zur weiteren 
Entscheidung weiterer Beobachtungen; ihr wesentlichster Wert dürfte vorläufig 
darin liegen, daß die Bestätigung über die Verwendbarkeit der Methode auch im 
Polargebiet geliefert ist. 
Wenn also die „Nautilus“-Expedition das ursprünglich gesetzte Ziel nicht 
hat erreichen können, so ist die Fahrt doch durchaus nicht als völliger Fehlschlag 
anzusehen. Es wurden wertvolle Beobachtungen gewonnen, insbesondere gilt dies 
für die Lotungen und ozeanographischen Serien, weiterhin wurde der Beweis 
erbracht, daß es sehr wohl möglich ist, mit einem U-Boot jene wissenschaftlichen 
Untersuchungen auszuführen, auf die es bei der Erforschung des Nordpolar- 
beckens in erster Linie ankommt, und man kann den Bemühungen von Wilkins, 
seine Expedition mit einem besser ausgerüsteten U-Boot zu wiederholen, nur 
vollen Erfolg wünschen. 
Die Entstehung des Ostsee-Orkans vom 8. und 9. Juli 1931. 
Die Bedeutung von Konvergenz und Divergenz für die Bildung der Hoch- und Tiefdruckgebiete. 
Von R. Scherhag, Hamburg, Deutsche Seewarte, 
(Hierzu Tafel 17.) 
‚Zusammenfassung, Der schwere Sturm vom 9. Juli 1931 verdankte seine Energie den Temperatur- 
gegensätzen zwischen einer warmen Lftmasse und von Westen vorbrechender Kaltluft, Diese breitete 
sich als Kaltlufttropfen zungenförmig nach Osten aus, An ihrer linken Seite entstand eine Zone 
mit divergenten Höhenisobaren, wo zugleich der Luftdruck am schnellsten fiel. Die 
Notwendigkeit einer starken Höhendivergenz folgt schon aus der unteren zyklonalen Konvergenz, und 
eine Berechnung der in das Tief einströmenden Luftmenge aus den Boden- und Höhenwindmessungen 
ergibt einen Betrag, der zu den beobachteten starken Niederschlagsmengen einen großen Teil beiträgt. 
Die Bildung einer geschlossenen Wolkendecke wird durch die Turbulenz verhindert. Da sich am 
8. Juli besonders in großen Höhen Isobaren und Isothermen fast rechtwinklig schnitten, konnte eine 
weitere rasche Vertiefung der Depression aus den aerologischen Beobachtungen erschlossen werden. 
Die Entstehung dieses Sturmes als Folge divergenter Höhenströmung wird in dieser Mitteilung 
nur roh angedeutet. Vor allem kann der nähere Mechanismus der Energieumsätze und der Anteil 
der Stratosphäre an den auftretenden Druckänderungen erst später auseinandergesetzt werden, Zu- 
nächst gilt es, von Erfahrungstatsachen auszugehen, und daher werden demnächst weitere Beispiele 
den Zusammenhang zwischen dem Verlauf der Höhenisobaren und den Druckänderungen zur Dar- 
stellung bringen, 
Am 8. und besonders in der Nacht zum 9, Juli 1931 vertiefte sich eine über 
der Ostsee liegende Depression so ungewöhnlich rasch, daß am Morgen des 9.
	        
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