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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1934.
sind. Nach den Erfahrungen Lundqvists scheinen in weichen Sedimenten
häufig die gleichen Erscheinungen aufzutreten und deshalb wird man Gyttja-
Profile, die mit verhältnismäßig schweren Geräten gewonnen werden, mit größter
Kritik gegenübertreten müssen. Bei festen Sedimenten jedoch, die ein seitliches
Ausweichen nicht oder nur wenig gestatten, dürften die Profile im wesentlichen
richtig sein, wenn auch geringere Kürzungen in den Mächtigkeiten eintreten
können. Hier spricht mit, daß die lebendige Kraft des herabsinkenden Lotes
im Sediment bald verbraucht ist und dann nur das Gewicht noch wirkt, das
meist nicht ausreicht, auf größere Erstreckung das Sediment beiseite zu schieben,
Es wird dies dadurch bestätigt, daß in ozeanischen Sedimenten die Unterschiede
zwischen der Tiefe des Eindringens und der Länge des Profils im allgemeinen
verhältnismäßig gering sind. Hier dürfte also der einwandfreie Teil des Profils
in der Regel sehr viel länger als in der Gyttja sein, Somit brauchen wir nicht
gleich alle ozeanischen Bodenprofile anzuzweifeln.
Zum Schluß müssen wir uns überlegen, wie wir möglichst lange, einwand-
freie Profile erhalten können, Einmal müssen wir versuchen, die Reibung zu
vermindern. Das läßt sich, wie oben bereits erwähnt, durch Verengung des
Schneideschuhs und durch möglichst glatte Ausgestaltung der Rohrwände (Glas)
erreichen. Weiter soll das Gerät nicht tiefer in das Sediment eindringen als
bis zum Ventil. Dann ist bis zum gewissen Grade die Aufnahme zu tiefer Teile
verhindert. Man erreicht dies bei sehr weichem Boden durch leichte Geräte,
langsames Hinablassen und gegebenenfalls durch Befestigung einer größeren
Scheibe um den Ventilkopf. Bei etwas weniger weichem Boden kann es günstig
sein, dem Lote Zeit zu lassen, in den Boden einzusinken. Man läuft dabei bei
längeren Loten aber Gefahr, daß sie umfallen und unter Umständen gar nichts
heraufbringen, Bei festerem Boden ist ein rasches Herablassen nötig, damit
das Lot überhaupt eindringt, und es ist zweckmäßig, wenn die Wände der Röhre
und damit auch der Schuh möglichst dünn sind, um wenig Sediment verdrängen
zu müssen, Dabei soll der Schuh aber immer noch etwas über die Röhre nach
außen hinwegragen, um die Reibung an der Außenseite des Rohres ebenfalls zu
verringern, In flachen Gewässern mit sehr weichen Sedimenten vermeide man
Röhrenlote überhaupt und verwende Kammerbohrer, die allerdings den
Nachteil haben, daß sie das Profil nicht herausstanzen, sondern herauskratzen,
Daher ist die Reihenfolge der Teilchen übereinander wohl gewahrt, aber sie
sind gegeneinander verschoben, Bei der Entnahme aus der Kammer können
weitere Verschiebungen auftreten und außerdem ist die Sedimentmenge meist
erheblich geringer als in den Röhrenloten,
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