Pratje, O.: Sind die Bodenprofile aus den Röhrenloten ohne Unterbrechungen? 143
bis auf 40% hinab mit einem Durchschnitt von 50.3% für 0—20 cm Tiefe der
R.-Profile und 51.1% für 14—20 cm der K-B.-Profile. Von dort findet in den
R.-Profilen ein ständiges Ansteigen bis auf 67.7% statt, wärend bei den K-B.-
Profilen ein erstes Mal Höchstwerte bei ,
50—70 cm (65.2 %) auftreten. Dann findet Durchschnittswassergehalt auf 3 Stationen.
ein Absinken um 10% bis 100—150 cm
Tiefe und ein erneutes Ansteigen auf
fast 69% bis zum Ende statt. Dieses
Auf und Ab ist in allen drei Kammer-
bohrungen zu erkennen. Ohne Zuhilfe-
nahme des Kalkgehaltes würde man ver-
sucht sein, die hohen Werte am Ende
der R.-Profile auf das erste Maximum
der K-B.-Profile zurückzuführen. Aber
schon die Einzelbetrachtung der Sta-
tion II zeigt die Unwahrscheinlichkeit
einer solchen Annahme. Bis 50 cm bleibt der Wassergehalt der R.-Profile hier
unter 60%. In den gealterten Schichten beträgt er 65—68%. Entsprechende
Werte sind in der Kammerbohrung erst in Tiefen von 2 m, für 68% erst in
über 3 m anzutreffen. Hierin liegt ein deutlicher Hinweis, daß große Teile aus-
gelassen sein müssen und erst tiefere Teile in den unteren Enden der R.-Profile
wieder erscheinen.
Diese Vergleiche von Schichten durch ihren Wassergehalt haben zur Voraus-
setzung, daß wir ihn unverändert annehmen und jede Zusammenpressung aus-
schließen. Eine Pressung dieser weichen Schichten würde nur auf Kosten des
Wassergehalts möglich sein. Ein Blick auf die Wassergehaltstabelle zeigt uns
jedoch, daß in den R.-Profilen in den gleichen Tiefen eine höhere Wassermenge
vorhanden ist als in den K-B.-Profilen, daß also keine Verdichtung eingetreten
sein kann. Auch die Durchschnittsspanne von rd, 51% bis rd. 68% stimmt in
beiden Profilarten überein, selbst die Extremeinzelwerte von 39.6 % R., 40.75 % K-B.
und 71.5% R., 73.6% K-B. sind so außerordentlich ähnlich, daß wir eine Kom-
pression ausschließen müssen und einen neuen Beweis dafür erhalten, daß die
R.-Profile aus Abschnitten der durchsunkenen Sedimentsäule zusammengesetzt
sein müssen,
Überblicken wir zusammenfassend unsere Beobachtungen an den Haff-
sedimenten, so scheinen die obersten 30 Zentimeter in den Röhrenlotprofilen
der tatsächlichen Schichtenfolge zu entsprechen, dann folgen einzelne Abschnitte
aus tieferen Teilen des Sedimentes, wobei verschieden große Mächtigkeiten aus-
gelassen werden. Irgendeine nennenswerte Zusammenpressung findet dabei
nicht statt, wie aus dem Wassergehalt festgestellt werden konnte, Eine wesent-
liche Verlängerung des Profils durch tieferes Hineindrücken in den Boden als
3m ist nicht erfolgt, so daß in den tieferen Schichten immer weniger aufge-
nommen sein muß, Nur feste Ablagerungen können schließlich noch als kurzer
Pfropfen eindringen und das Profil endgültig abschließen.
Wir haben uns danach den Lotvorgang so vorzustellen, daß die Röhre
beim Eindringen in den Haffboden zunächst ein Profil herausstanzt. Sehr bald,
nach etwa 30 cm, wird jedoch die Reibung der Sedimentsäule im Rohr so groß,
daß sie der unterliegende weiche Schlick nicht zu überwinden vermag. Daher
dringt nun das gefüllte Lotgerät wie eine massive Stange weiter ein und schiebt
dabei das Sediment beiseite. . Wenn dann in tieferen Teilen des Bodens der
Druck des Sedimentes die Reibung überwinden kann, dringt wieder ein Stück
ain, bis die Reibung den Überdruck ausgeglichen hat und so geht es fort.
Festere Schichten weichen schwerer aus und werden daher eher aufgenommen,
Sie reiben aber meist stark und verhindern dadurch längere Zeit weitere
Sedimentaufnahme.
Das Ergebnis ist für die Anwendbarkeit der Röhrenlote zunächst nicht sehr
ermunternd, denn ihre Profile sind in dieser Form in den tieferen Teilen wertlos.
Es fragt sich nun, ob alle mit dem Röhrenlot gewonnenen Profile zu beanstanden