Pratje, O.: Sind die Bodenprofile aus den Röhrenloten ohne Unterbrechungen? 139
Als Schuh ist also empfehlenswert entweder einer mit konischer Bohrung wie
Abb. 3b oder einer mit zylindrischer Bohrung aber mit geringerer lichter Weite
als das eigentliche Lotrohr (Abb. 1, unteres Ende).
Die starke Reibung an den Wänden der Röhren konnte auch an folgender
Erscheinung beobachtet werden. Die KRöhrenlotprofile wurden durch einen
Stempel, der genau in die Röhren paßte, nach unten hinausgedrückt, nachdem
der Schuh abgeschraubt worden war. Alle ursprünglich ebenen Grenzflächen
und Einlagerungen zeigten im Längsschnitt eine halbkreis- bis U-förmige Ver-
biegung mit der gewölbten Seite nach unten, Beim Herauspressen waren also
die randlichen Partien durch die Reibung an den Wänden zurückgeblieben und
hatten eine entsprechende Verlagerung der Teilchen im Profil bewirkt. Im Früh-
jahr sollen Lotungen mit Glasröhren gemacht werden, die dann zerschlagen
werden, um festzustellen, ob in den Profilen eine Verbiegung mit umgekehrter
Wölbung der ebenen Flächen stattfindet. Bei festeren ozeanischen Sedimenten
in engeren Röhren wurde sie bisher nicht angetroffen.
Auch Kuenen hat sich auf der hölländischen „Snellius“-Expedition eingehend
mit der Verlängerung der Proben befaßt und hat wiederholt Versuche bei
Tiefseelotungen gemacht. Leider hat er dabei die Reibung der Grundprobe in
der Lotröhre unberücksichtigf. gelassen, trotzdem er die äußere Reibung der
gesamten Lotröhre als wichtigen Faktor beachtet hat. Er weist nämlich darauf
hin, wie wichtig es ist, daß der Schuh einen größeren äußeren Durchmesser als
die Röhre hat. Dadurch läßt sich die Röhre viel leichter aus dem Schlamm
herausziehen und dringt auch tiefer ein. Beides ist eine Folge der verminderten
Reibung am Lotrohr durch Beiseitedrängen des Schlammes. Um die Probe im
Rohr zu verlängern, versuchte er die Geschwindigkeit des Lotens zu ändern,
ferner das Ventil empfindlicher zu machen und vor allem die Schneide des
Schuhs günstiger zu gestalten. So flachte er das untere Ende der Röhre ab
und versah es ein anderes Mal mit einem schräg abgeschnittenen und geschärften
Rohr, doch alles war ohne merklichen Erfolg. Eine wesentliche Verlängerung
erhielt er einmal durch Vergrößerung des inneren Rohrdurchmessers, indem er
eine 4 m lange Stoßröhre von 160 kg Gewicht mit 45 mm lichter Weite ver-
wendete, und ferner durch Fortlassen der vorgesehenen Glasröhre, wodurch sich
die Gesamtdicke der Wandungen erheblich verringerte. Die Durchschnittslänge
von 5 Proben betrug 148 cm gegenüber 58 em auf den gleichen Stationen mit
einem 20 mm Stoßrohr, Kuenen hatte nach Fortlassen der Glasröhre den Schuh
entsprechend ausbohren lassen. Wenn er den Schuh nur wenig oder vielleicht
gar nicht ausgebohrt hätte, würde er voraussichtlich noch längere Proben
erhalten haben.
Da in den Lotprofilen eine Kompression augenscheinlich nicht stattfand,
kam es darauf an, die Auswahl der Sedimente festzustellen. Wie Lundqvist
habe auch ich ältere Teile das Haffbodens in den viel zu kurzen Proben erhalten.
So wurde einmal mit dem Stoßgerät mitten im Frischen Haff gearbeitet und
bei 3.90 m Wassertiefe wurde das Gerät noch 4 m in den Boden gedrückt, In
dem Profil von rd. 80 cm war eine Torfschicht enthalten, die nachher mit dem
Kammerbohrer in der Tiefe von 3.60—3.70 m im Haffboden angetroffen wurde,
Ein sehr tiefer Abschnitt des wahren Profils erschien also viel zu hoch im
Lotprofil,
Die systematischen Bohrungen zu dieser Frage wurden im östlichen Teil
des Frischen Haffs, dem sogenannten Königsberger Haff und vor der Fisch-
hauser Wiek gemacht. Die Positionen der drei Stationen waren:
Station I: 54° 40.2’N, 20° 15.5’ 0, 3.20 m Wassertiefe.
„II: 54° 39.2’N, 20° 13.7’ O, 3.75 m ”
„III: 54° 36.7’N, 20° 3.6’0, 4.00 m »
Das Preußische Hafenbauamt Pillau unterstützte mich in dankenswerter Weise
durch Gestellung des Fahrzeugs und des nötigen Personals. Es wurde bei den
Lotungen der sich unten erweiternde Schuh benutzt, um die Wirkung der Reibung
möglichst deutlich in Erscheinung treten zu lassen. Die Versuche wurden in
der Weise durchgeführt, daß auf der gleichen Station bei verankertem Schiff