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Full text: 62, 1934

Pratje, O.: Sind die Bodenprofile aus den Röhrenloten ohne Unterbrechungen? 139 
Als Schuh ist also empfehlenswert entweder einer mit konischer Bohrung wie 
Abb. 3b oder einer mit zylindrischer Bohrung aber mit geringerer lichter Weite 
als das eigentliche Lotrohr (Abb. 1, unteres Ende). 
Die starke Reibung an den Wänden der Röhren konnte auch an folgender 
Erscheinung beobachtet werden. Die KRöhrenlotprofile wurden durch einen 
Stempel, der genau in die Röhren paßte, nach unten hinausgedrückt, nachdem 
der Schuh abgeschraubt worden war. Alle ursprünglich ebenen Grenzflächen 
und Einlagerungen zeigten im Längsschnitt eine halbkreis- bis U-förmige Ver- 
biegung mit der gewölbten Seite nach unten, Beim Herauspressen waren also 
die randlichen Partien durch die Reibung an den Wänden zurückgeblieben und 
hatten eine entsprechende Verlagerung der Teilchen im Profil bewirkt. Im Früh- 
jahr sollen Lotungen mit Glasröhren gemacht werden, die dann zerschlagen 
werden, um festzustellen, ob in den Profilen eine Verbiegung mit umgekehrter 
Wölbung der ebenen Flächen stattfindet. Bei festeren ozeanischen Sedimenten 
in engeren Röhren wurde sie bisher nicht angetroffen. 
Auch Kuenen hat sich auf der hölländischen „Snellius“-Expedition eingehend 
mit der Verlängerung der Proben befaßt und hat wiederholt Versuche bei 
Tiefseelotungen gemacht. Leider hat er dabei die Reibung der Grundprobe in 
der Lotröhre unberücksichtigf. gelassen, trotzdem er die äußere Reibung der 
gesamten Lotröhre als wichtigen Faktor beachtet hat. Er weist nämlich darauf 
hin, wie wichtig es ist, daß der Schuh einen größeren äußeren Durchmesser als 
die Röhre hat. Dadurch läßt sich die Röhre viel leichter aus dem Schlamm 
herausziehen und dringt auch tiefer ein. Beides ist eine Folge der verminderten 
Reibung am Lotrohr durch Beiseitedrängen des Schlammes. Um die Probe im 
Rohr zu verlängern, versuchte er die Geschwindigkeit des Lotens zu ändern, 
ferner das Ventil empfindlicher zu machen und vor allem die Schneide des 
Schuhs günstiger zu gestalten. So flachte er das untere Ende der Röhre ab 
und versah es ein anderes Mal mit einem schräg abgeschnittenen und geschärften 
Rohr, doch alles war ohne merklichen Erfolg. Eine wesentliche Verlängerung 
erhielt er einmal durch Vergrößerung des inneren Rohrdurchmessers, indem er 
eine 4 m lange Stoßröhre von 160 kg Gewicht mit 45 mm lichter Weite ver- 
wendete, und ferner durch Fortlassen der vorgesehenen Glasröhre, wodurch sich 
die Gesamtdicke der Wandungen erheblich verringerte. Die Durchschnittslänge 
von 5 Proben betrug 148 cm gegenüber 58 em auf den gleichen Stationen mit 
einem 20 mm Stoßrohr, Kuenen hatte nach Fortlassen der Glasröhre den Schuh 
entsprechend ausbohren lassen. Wenn er den Schuh nur wenig oder vielleicht 
gar nicht ausgebohrt hätte, würde er voraussichtlich noch längere Proben 
erhalten haben. 
Da in den Lotprofilen eine Kompression augenscheinlich nicht stattfand, 
kam es darauf an, die Auswahl der Sedimente festzustellen. Wie Lundqvist 
habe auch ich ältere Teile das Haffbodens in den viel zu kurzen Proben erhalten. 
So wurde einmal mit dem Stoßgerät mitten im Frischen Haff gearbeitet und 
bei 3.90 m Wassertiefe wurde das Gerät noch 4 m in den Boden gedrückt, In 
dem Profil von rd. 80 cm war eine Torfschicht enthalten, die nachher mit dem 
Kammerbohrer in der Tiefe von 3.60—3.70 m im Haffboden angetroffen wurde, 
Ein sehr tiefer Abschnitt des wahren Profils erschien also viel zu hoch im 
Lotprofil, 
Die systematischen Bohrungen zu dieser Frage wurden im östlichen Teil 
des Frischen Haffs, dem sogenannten Königsberger Haff und vor der Fisch- 
hauser Wiek gemacht. Die Positionen der drei Stationen waren: 
Station I: 54° 40.2’N, 20° 15.5’ 0, 3.20 m Wassertiefe. 
„II: 54° 39.2’N, 20° 13.7’ O, 3.75 m ” 
„III: 54° 36.7’N, 20° 3.6’0, 4.00 m » 
Das Preußische Hafenbauamt Pillau unterstützte mich in dankenswerter Weise 
durch Gestellung des Fahrzeugs und des nötigen Personals. Es wurde bei den 
Lotungen der sich unten erweiternde Schuh benutzt, um die Wirkung der Reibung 
möglichst deutlich in Erscheinung treten zu lassen. Die Versuche wurden in 
der Weise durchgeführt, daß auf der gleichen Station bei verankertem Schiff
	        
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