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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 62 (1934)

138 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1934, 
keit übrig, daß die Profile gar keine zusammenhängenden Folgen sind, sondern 
nur eine Auswahl der durchsunkenen Sedimentsäule darstellen, aus der immer 
wieder einzelne Abschnitte beiseitegedrückt worden sind. Diese Annahme läßt 
sich beweisen. 
Für meine Versuche bot sich eine günstige Gelegenheit bei den unter Leitung 
der Preußischen Wasserbaudirektion beim Oberpräsidenten der Provinz Ost- 
preußen durchgeführten und noch durchzuführenden Untersuchungen der ost- 
preußischen Haffe. Das Frische Haff und das Kurische Haff sind Strandseen 
mit Höchsttiefen von 6.5 m; große Teile der Haffe weisen aber nur Tiefen bis 
zu 3 m auf. Diese geringen Tiefen reichen bei etwas festerem Boden nicht aus, 
um die bekannten Röhrenlote, selbst das der deutschen Atlantischen Expedition 
mit 35 kg Gewicht (Abb, 1), tief genug in den Boden hineinzubekommen, Ich 
ließ daher von der Königsberger Bohrfirma und Maschinenfabrik E, Bieske AG, 
ein Röhrenlot mit Gestänge bauen (Abb. 2). Die Lotröhre hatte 45 mm lichte 
Weite und eine Länge von 2m. In der Mitte war sie auseinanderzuschrauben, 
um sie handlicher zu machen, unten befand sich ein Stahlschuh mit Schneide 
und oben ein Scheibenventil. An dem Ventilkopf wurde das Rohrgestänge an- 
geschraubt, das aus einzelnen, abwechselnd rot- und schwarzgestrichenen Rohr- 
stücken von je 1 m bestand, so daß die Länge leicht abgelesen werden konnte, 
Um das Lot in festeren Boden hineinzubekommen, war eine Rammvorrichtung 
vorgesehen. In geeigneter Höhe wurde eine Rohrklemme festgeschraubt, dann 
wurde ein Rammgewicht mit zwei Handgriffen und einer Durchbohrung über 
das Rohr gestreift und damit auf die Rohrklemme geschlagen. 
Das Röhrenlot mit Gestänge hat den großen Vorteil, daß man es bis zu 
einer gewünschten Tiefe in den Boden drücken kann, nachdem man vorher mit 
einer Peilstange mit breitem Kopf die Wassertiefe festgestellt hat. Jedoch läßt 
es sich nur bei verhältnismäßig geringen Tiefen anwenden. Solange man kein 
gut vermurtes, also völlig festliegendes Fahrzeug hat, sind 10 m Gestänge 
bereits ziemlich unhandlich, besonders bei schlechterem Wetter auf einem 
kleinen Schiff. 
Die Lotversuche dienten einmal zur Klärung der Frage, wie eine Ver- 
längerung der zu kurz ausfallenden Proben erzielt werden könne. Das be- 
deutete ein Suchen nach den Ursachen der Verkürzung, Lundqvist wollte die 
Verlängerung der Proben, wie erwähnt, durch eine Vergrößerung des Abstandes 
Sedimentoberfläche— Ventil erreichen, indem er einen Schlauch dazwischen- 
schaltete, und erzielte damit nur einen Teilerfolg. Mir schien die Reibung an 
den Röhrenwandungen die hauptsächlichste Bremswirkung auszuüben, und um 
dieses festzustellen, machte ich Parallellotungen mit zwei verschiedenen Schuh- 
sorten (Abb. 3a u, b). Der eine hatte an seiner Schneide einen größeren Durch- 
messer als das eigentliche Lotrohr, der andere einen kleineren; im ersteren 
Falle wurde das Sediment dicht an die Rohrwandungen gepreßt, im zweiten 
Falle lehnte sich bei einigermaßen festem Sediment das herausgestanzte Profil 
nur leicht an die Wände der Röhre an. Zur Kontrolle wurden bei allen 
Lotungen Profile mit dem Moor-Kammerbohrer (Abb. 4) gewonnen, die ent- 
sprechend der Länge der Kammer aus 0.5 m langen Abschnitten bestanden, 
Als Beispiel sei folgende Lotung aus dem Frischen Haff angeführt: Der Kammer- 
bohrer ergab 135 em weichen Schlick (Gyttja) über Sand. Die Bohrtiefe im 
Sediment betrug 140 cm, da der Sand. ein Hindernis bot. Die Lotung mit 
Schuh a ergab einen Sedimentzylinder von 48 cm, unten befand sich Sand; die 
mit Schuh b einen von 100 cm, und ebenfalls war am unteren Ende ein Sand- 
pfropfen. Wenn auch beide Lotungen nicht die volle Länge des wahren Profils 
erreicht haben, so war die Probe mit Schuh b jedoch über 100%, länger und 
gab einen deutlichen Hinweis, wie man die Röhrenlote konstruieren muß, Durch 
die Verengung wurde einerseits die Reibung vermindert und andererseits ver- 
hinderte sie ein Herausrutschen der Probe. Das kann sonst leicht eintreten, da 
die Probe nur ziemlich lose in der Röhre liegt. Bei Tiefseelotungen sollte man 
außerdem nicht auf die Schutzklappen verzichten, die Ekman 1905 vorschlug 
und die auch am Modell D. A, E. der Stoßröhren angebracht sind (Abb. 1 „Zange“).
	        
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