Deacon, G. E. R.: Die Nordgrenzen antarktischen und subantarktischen Wassers im Weltmeer, 131
Diese auffallenden Unterschiede in der Lage der Nordgrenzen des antarktischen
und subantarktischen Wassers werden verständlich, wenn wir einen Blick auf die
Oberflächenströmungen der antarktischen und der subtropischen Zone werfen.
Der Verlauf der antarktischen Konvergenz.
Zwei triftige Gründe sprechen für die Annahme eines außerordentlich starken
Abflusses antarktischen Wassers nach Norden hin im atlantischen Raume: Das
im Stillen Ozean mit der Westwindtrift nach Osten strömende Wasser wird an
der Westküste von Graham-Land nach Norden abgedrängt; auch vereinigt es sich
mit der kräftigen Strömung, die das Wasser der Weddell-See nach Norden und
Osten hin verfrachtet. Die letztere beeinflußt in hohem Maße die hydrologischen
Bedingungen des Südatlantischen Ozeans. Sie ist es vor allem, die im Ostraum
des Südatlantischen die antarktische Konvergenz so stark nach Norden drängt;
es lohnt, hierauf etwas näher einzugehen.
Sowohl im Atlantischen wie im Indischen herrschen südlich von 66° S öst-
liche Winde vor; vermutlich gilt dasselbe auch für den Stillen Ozean einige
wenige Grade weiter südlich. Wenn sich von Antarktika aus keine Halbinseln
oder unterseeische Schwellen nordwärts erstrecken würden, so hätten wir zweifellos
eine zusammenhängende zirkumpolare Westströmung an der Küste des Kontinents.
Unsere Feststellungen sprechen für das Vorhandensein dieser Strömung; sie wird
jedoch durch das Graham-Land nach Norden abgedrängt, und zwar so weit, daß
sie unter den Einfluß der Westwinde gerät. Hierbei wird sie überwiegend nach
Osten abgebogen; nur ein verhältnismäßig geringer Teil von ihr dringt nördlich
von Graham-Land westwärts in die Bransfield-Straße hinein.
Im Bereiche des Indischen Ozeans bleibt die antarktische Konvergenz
zwischen 48 und 53° SS. Wo über den Schwellen zwischen der Marion-Insel und
den Crozets sowie südlich der Kerguelen die Ostströmung nach Norden ausbiegt,
folgt ihr die Konvergenz. Umgekehrt dringt sie in dem tiefen Kanal zwischen
jenen Schwellen wieder nach Süden vor. — Recht beachtenswert ist ein Vergleich
zwischen der Lage der antarktischen Konvergenz und der der Eistriftgrenze.
Diese liegt nach v. Drygalski auf dem Bouvet-Meridian unter 48° S, auf dem
der Kerguelen unter 62!/,°. Die Konvergenz durchquert den Indischen unter
rund 50° S unter dem Einfluß des antarktischen Wassers, das aus der Weddell-
und Bellinghausen-See herrührt; keine Strömung verfrachtet indes das Treibeis
so weit nach Osten hin, wenigstens nicht im Sommer, Auf dem Kapstadt-
Meridian befindet sich im Oberflächenwasser eine horizontale „Temperatur-
Inversion“: südlich von der aus der Weddell-See heraus sich ostwärts erstreckenden
Kältezunge nimmt die Temperatur nach Süden hin wieder zu, Es erscheint
recht wohl möglich, daß im Winter oder gegen Wintersende in der Osthälfte
des Atlantischen zwischen der Weddell-See-Ströämung und dem antarktischen Eis-
rand offenes Wasser angetroffen wird!
Die südliche Ausbiegung der antarktischen Konvergenz unter 90° O 1äBßt
sich erklären als Folge einer Süd-Komponente der Öberflächenströmungen, die
ihrerseits in Zusammenhang steht mit nordsüdlich sich bewegenden Zyklonen
(= Warmluftkörpern), wie sie Meinardus und Griffiths Taylor im Raume
westlich von Australien angenommen haben. Ich erinnere hierbei an Meckings
Untersuchung der Beziehungen zwischen den Zyklonen und der antarktischen
Treibeisgrenze, in der der Autor die Ausbiegungen der letzteren in gleicher
Weise erklärt!). — Das nördliche Vordringen antarktischen Wassers unter 120° 0
ist hingegen meines Erachtens bedingt durch eine Lücke, die wir in der unter
50° S jenen Raum zonal durchquerenden östlichen Ausbiegung der Kerguelen-
Schwelle feststellten. Südlich von Ostaustralien und der Tasmanischen See weicht
unsere Konvergenz polwärts bis etwa 55/56° S und Östlich von Neuseeland
sogar bis 58° S aus. Dieses Zurückweichen ist entweder durch ein Schwächer-
werden des Zuflusses von antarktischem Wasser verursacht oder dadurch. daß
I) Ann. Hydr. 1932, S. 297f,