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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 62 (1934)

Deacon, G. E. R.: Die Nordgrenzen antarktischen und subantarktischen Wassers im Weltmeer, 131 
Diese auffallenden Unterschiede in der Lage der Nordgrenzen des antarktischen 
und subantarktischen Wassers werden verständlich, wenn wir einen Blick auf die 
Oberflächenströmungen der antarktischen und der subtropischen Zone werfen. 
Der Verlauf der antarktischen Konvergenz. 
Zwei triftige Gründe sprechen für die Annahme eines außerordentlich starken 
Abflusses antarktischen Wassers nach Norden hin im atlantischen Raume: Das 
im Stillen Ozean mit der Westwindtrift nach Osten strömende Wasser wird an 
der Westküste von Graham-Land nach Norden abgedrängt; auch vereinigt es sich 
mit der kräftigen Strömung, die das Wasser der Weddell-See nach Norden und 
Osten hin verfrachtet. Die letztere beeinflußt in hohem Maße die hydrologischen 
Bedingungen des Südatlantischen Ozeans. Sie ist es vor allem, die im Ostraum 
des Südatlantischen die antarktische Konvergenz so stark nach Norden drängt; 
es lohnt, hierauf etwas näher einzugehen. 
Sowohl im Atlantischen wie im Indischen herrschen südlich von 66° S öst- 
liche Winde vor; vermutlich gilt dasselbe auch für den Stillen Ozean einige 
wenige Grade weiter südlich. Wenn sich von Antarktika aus keine Halbinseln 
oder unterseeische Schwellen nordwärts erstrecken würden, so hätten wir zweifellos 
eine zusammenhängende zirkumpolare Westströmung an der Küste des Kontinents. 
Unsere Feststellungen sprechen für das Vorhandensein dieser Strömung; sie wird 
jedoch durch das Graham-Land nach Norden abgedrängt, und zwar so weit, daß 
sie unter den Einfluß der Westwinde gerät. Hierbei wird sie überwiegend nach 
Osten abgebogen; nur ein verhältnismäßig geringer Teil von ihr dringt nördlich 
von Graham-Land westwärts in die Bransfield-Straße hinein. 
Im Bereiche des Indischen Ozeans bleibt die antarktische Konvergenz 
zwischen 48 und 53° SS. Wo über den Schwellen zwischen der Marion-Insel und 
den Crozets sowie südlich der Kerguelen die Ostströmung nach Norden ausbiegt, 
folgt ihr die Konvergenz. Umgekehrt dringt sie in dem tiefen Kanal zwischen 
jenen Schwellen wieder nach Süden vor. — Recht beachtenswert ist ein Vergleich 
zwischen der Lage der antarktischen Konvergenz und der der Eistriftgrenze. 
Diese liegt nach v. Drygalski auf dem Bouvet-Meridian unter 48° S, auf dem 
der Kerguelen unter 62!/,°. Die Konvergenz durchquert den Indischen unter 
rund 50° S unter dem Einfluß des antarktischen Wassers, das aus der Weddell- 
und Bellinghausen-See herrührt; keine Strömung verfrachtet indes das Treibeis 
so weit nach Osten hin, wenigstens nicht im Sommer, Auf dem Kapstadt- 
Meridian befindet sich im Oberflächenwasser eine horizontale „Temperatur- 
Inversion“: südlich von der aus der Weddell-See heraus sich ostwärts erstreckenden 
Kältezunge nimmt die Temperatur nach Süden hin wieder zu, Es erscheint 
recht wohl möglich, daß im Winter oder gegen Wintersende in der Osthälfte 
des Atlantischen zwischen der Weddell-See-Ströämung und dem antarktischen Eis- 
rand offenes Wasser angetroffen wird! 
Die südliche Ausbiegung der antarktischen Konvergenz unter 90° O 1äBßt 
sich erklären als Folge einer Süd-Komponente der Öberflächenströmungen, die 
ihrerseits in Zusammenhang steht mit nordsüdlich sich bewegenden Zyklonen 
(= Warmluftkörpern), wie sie Meinardus und Griffiths Taylor im Raume 
westlich von Australien angenommen haben. Ich erinnere hierbei an Meckings 
Untersuchung der Beziehungen zwischen den Zyklonen und der antarktischen 
Treibeisgrenze, in der der Autor die Ausbiegungen der letzteren in gleicher 
Weise erklärt!). — Das nördliche Vordringen antarktischen Wassers unter 120° 0 
ist hingegen meines Erachtens bedingt durch eine Lücke, die wir in der unter 
50° S jenen Raum zonal durchquerenden östlichen Ausbiegung der Kerguelen- 
Schwelle feststellten. Südlich von Ostaustralien und der Tasmanischen See weicht 
unsere Konvergenz polwärts bis etwa 55/56° S und Östlich von Neuseeland 
sogar bis 58° S aus. Dieses Zurückweichen ist entweder durch ein Schwächer- 
werden des Zuflusses von antarktischem Wasser verursacht oder dadurch. daß 
I) Ann. Hydr. 1932, S. 297f,
	        
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