Neuere Veröffentlichungen.
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für die Änderung der Temperatur in den verschie-
denen, übereinander gelegenen Luftmassen, wie sie
durch den aerologischen Aufstieg bestimmt wird
Pe Z0). In der Kinematik braucht man dann
. x „DT _ dT dT
ein neues Zeichen, z. B. für Di“ +
dT ST . .
+ vr 3y +Ww 5 und muß dann in der Dynamik
ebenfalls schreiben = — x ae 4+1v. So wird
mitunter auch geschrieben. Dann müßte man in
der Thermodynamik schreiben Dqg = cr DT+ApDrv,
der wenn man die Thermodynamik mit der Dyna-
mik verknüpft, die Bezeichnungen wechseln.
Vom physikalischen Standpunkt aus kommt
man mit zwei Differentialquotienten aus; will man
die totalen Differentialquotienten besonders kenn-
zeichnen, dann braucht man einen mehr. — Den
Differentialquotienten & und usw. entsprechen
die beiden Differentiale d und 3. Vielleicht wäre
es konsequenter gewesen, das geometrische Diffe-
rential mit & statt mit ö zu bezeichnen, Doch ist
die Bezeichnung d ganz ungewöhnlich, während
in der Hydrodynamik sehr oft d geschrieben wird
(z. B. C= Zuox +vdy-+wdz).
Ich muß gestehen, daß ich bei den in der
Meteorologie bebaudelten Aufgaben keine Not-
wendigkeit sehe, die totalen Differentialquotienten be-
sonders zu kennzeichnen. Ich denke immer daran,
daß es doch ganz gleichgültig ist, auch für die
tatsächliche Ausführung der Integration, ob man
1P go oder 3? —— ge schreibt. Hier eind
kaum Mißverständnisse zu befürchten.
Viel leichter sind dagegen Verwechslungen
zwischen geometrischer und individueller Differen-
tiation, und diese haben dann die weitesttragenden
Folgen in der Ausdeutung der Ergebnisse! Ich
erinnere an die vielfachen Verwechslungen: zwischen
Stromlinien und Luftbahnen, an den Fehlschluß,
daß bei Föhn in der Vertikalen adiabatischer
Temperaturgradient herrschen müsse, daß der
Aufwind über einer Küste adiabatischen Tem-
peraturgradient erzenge, an Wengers Luv-Wirbel
(5,60 statt A De,0s genommen), an Exnert
Vorstellung, daß eine kleine Druckschwankung
oben ein % mal größere unten erzeuge USW.
Ich glaube daher, daß die Einteilung der
Differentialquotienten nach geometrischen und in-
dividuellen diejenige ist, die den Aufgaben der
Meteorologie am besten gerecht wird,
Was nun den Kälteeinbruch betrifft, so gebe
ich ohne weiteres zu, daß meine Darstellung auf
5, 57 Ihre Mitteilungen, die ich in jedem Wetter-
kunde-Kolleg vortrage, nicht entfernt erschöpft.
Das war aber auch nicht meine Absicht, Meine
Absicht war, die Formel (2) &. 57 und Ihre Formel
über die Höhe der Kaltluftsäule (S, 57, unten) her-
zuleiten. Dieser Formel liegt lediglich die
Vorstellung zugrunde, daß eine kalte Luftmasse
An Stelle einer warmen tritt, ohne daß sich oben
der Druck ändert. Die anderen Vorgänge, die
irgendwie mit dem Kälteeinbruch verbunden sind,
stehen mit der Formel in keinem Zusammenhang.
Wenn ich gerade Sie um eine Besprechung
meines Buches gebeten habe, so deswegen, weil mir
mehr an der Erkenntnis der Vorgänge als an der
— nach Art der Aufgabe unvermeidlichen —
mathematischen Behandlung lag und ich mich bei
jeder Aufgabe bemüht habe, die Grenzen der Rech-
nung aufzudecken.
Ich hoffe, daß meine Ziele noch klarer hervor-
treten werden, wenn der erste Band der Samm-
lung, die Wetterkunde, vorliegen wird.“
Koschmieder.
Otto Pratje: Gewinnung und Untersuchung von
Meeresgrundproben. Handbuch der biologischen
Arbeitsmethoden, herausgegeben von E. Abder-
halden, Abt. IX, Teil 6, S. 377—542. Verl
Urban & Schwarzenberg in Berlin und
Wien 1932,
Das von E, Abderhalden herausgegebene
Handbuch der biologischen Arbeitsmethoden hat
einen erheblich über den bei strenger Abgrenzung
des Titels zu erwartenden Umfang angenommen,
indem nicht nur die Arbeitsmethoden der rein
biologischen Fächer, sondern auch der mit der
Biologie nur in mehr oder weniger enger Beziehung
zatehenden Wissensgebiete berücksichtigt worden
sind, Erfreulicherweise gehört zu diesen auch die
Meereskunde, In dem vorliegenden Buche werden
die Arbeitsweisen der Meeresgeologie behandelt.
Der Stoff wird in drei Teile gegliedert.
In dem Abschnitt „Gewinnung der Proben“
ist der genauen Ortsbestimmung mit Recht große
Bedeutung beigemessen. Bei den Lotgeräten ist
Wert darauf gelegt, die historische Entwicklung
anschaulich zu machen; es werden nicht nur die
neuesten Modelle geschildert, sondern auch die
älteren, wie die Tieflote von Brooke und Belknap-
Sigsbee, das Hydra- oder Bailey-Lot, die Bach:
mannsche Schlammröhre, das Stoßlot nach Sjöstedt
and endlich als neuestes die Stoßröhre der „Meteor“-
Expedition. In gleicher Weise sind die Boden-
greifen behandelt, der Monacogreifer nach L6ger,
er Bodengreifer nach Petersen, nach Ekman-
Birge, der Knudsen-Bodensammler, das Schnapplot,
sowie die Dredschen. Ein weiteres notwendiges
Gerät bilden. die ausführlich behandelten Lot-
maschinen. Über das Verpacken und Konservieren
der Proben werden wichtige Winke gegeben.
In dem Abschnitt „Die Untersuchungs-
methoden“ wird zunächst die Trennung der Korn-
größen (Sieben, Schlämmen) behaudelt und die
Darstellung der Ergebnisse, weiterhin die verschie-
denen Methoden der Untersuchung der Mineralien,
der chemischen Bestimmungen (organische Sub-
stanz, Kalk, Unterscheidung von Kalzit und Ara-
gonit, von Kalzit und Dolomit, Phosphorsäure,
Magnesium, Mangan, Eisen, Schw die Ton-
bestimmung, die Bestimmung der Radioaktivität,
der Schalen und Skelette im Sediment, der Farbe
der Sedimente usw.
Der dritte Abschnitt behandelt die für die
Auswertung der Untersuchungsergebnisse in Be-
tracht kommenden Gesichtspunkte sowie insbe-
sondere die Frage der Benennung der Sedimente.
Nützlich ist eine vergleichende Gegenüberstellung
der deutschen, englischen und französischen Be-
zeichnungen. Abschließend werden Anregungen
für Beobachtungen am Strande und auf dem Watt
gegeben, also für Gebiete, in denen die heutigen
geologischen Vorgänge an Meeresgrunde direkt
zu beobachten sind. Der Anhang enthält Hilfs-
tabellen und ein ausführliches Literaturverzeichnis.
Das Buch ist ein sehr handliches und wichtiges
Hilfsmittel nicht nur für den Meeresgeologen,