Wörner, H.: Die Brauchbarkeit der funkentelegraphischen Seeobsmeldungen usw. 107
schon an sich so verschieden, daß der mittlere Fehler auch bei mehr als 20 Beob-
achtungen oft noch weit über + 1° liegt, was aber in diesem Falle für die
Genauigkeit des Endwertes nichts besagt,
Wir sehen, daß etwa von Zp=5 an der mittlere Fehler ständig unter -+ 0.6°
bleibt, Gleichzeitig ist auch deutlich zu erkennen, daß bei mehr als fünf Beob-
achtungen der mittlere Fehler nur noch sehr
langsam mit steigender Anzahl der Beobach-
tungen absinkt, der Wert von + 0.3° wird nur
noch ganz vereinzelt unterschritten,
Zu dem hier abgeleiteten Resultat sind auch
schon frühere Autoren (z. B. Petersen a,a. O0.) "”
gekommen, indem sie einfach feststellten, daß *20.
das Mittel aus fünf beliebigen Beobachtungen
praktisch mit dem Mittel aus allen Beobachtungen
übereinstimmte. In den genannten Arbeiten wur-
den jedoch Einzelmessungen erheblich größerer
Genauigkeit benutzt und es ist interessant, daß
man auch bei den hier vorliegenden viel un-
genaueren Werten dasselbe Resultat erhält, Man
kann also zusammenfassend sagen, daß es bei der Bestimmung der Wasser-
temperatur für 2}3°-Felder aus den Seeobsmeldungen genügt, für jedes Feld
wenigstens fünf (im obigen Sinne) vollwertige Messungen zu besitzen, um diese
Temperatur auf mindestens -+0.6° genau angeben zu können.
Zum Schluß seien nun noch gewissermaßen als Beweis für die Brauchbar-
keit der Seeobsmeldungen die auf dem geschilderten Wege gewonnenen Werte
der Wassertemperaturen in Tabellenform wiedergegeben, Sollen diese Werte nun
im Sinne der Sandströmschen Untersuchungen verwendet &verden, so sind noch
die entsprechenden „Normalwerte“ nötig, Für die vier Monate: Februar, Mai,
August und November liegen diese in Form von Isothermenkarten der Temperatur
des Oberflächenwassers im Nordatlantischen Ozean vor, die vom dänischen-
meteorologischen Institut herausgegeben worden sind. Aus diesen können die
Normaltemperaturen der 2}3°-Felder graphisch interpoliert werden. Außer diesen
Karten ist in den letzten Jahren ein größeres holländisches Kartenwerk über
den Atlantischen Ozean erschienen (4), das auch Wassertemperaturen enthält, und
zwar diskrete Werte für 2°-Felder für jeden Monat des Jahres, Die Werte
beruhen auf einer sehr großen Zahl von Beobachtungen aus den Jahren 1870
bis etwa 1920 (das Endjahr ist bei den einzelnen Monaten etwas verschieden).
Leider reichen aber diese Karten nördlich nur bis zum 50, Breitengrad, so daß
nur der westliche Teil des nordatlantischen Golfstromzweiges erfaßt wird.
Beide angeführten Unterlagen wurden zur Bestimmung der Abweichung der
Wassertemperatur vom Normalwert herangezogen, und die sich ergebenden
Abweichungen sind in der Tabellentafel 12 mit aufgeführt. Zwischen den
holländischen und dänischen Karten bestehen in den gemeinsam überdeckten
Gebieten z. T. systematische Abweichungen, Man erhält für die drei hier unter-
suchten Monate folgende Differenzen:
August November Februar
Abweichung: Holland—Dänemark + 0.5° — 0,6° + 0,3°,
Da die dänischen Werte nur in graphischer Form vorliegen (Isothermen von
1° zu 1°), ist anzunehmen, daß die hieraus berechneten Abweichungen die geringere
Zuverlässigkeit '’besitzen, Daher wurden in den Gebieten, welche von beiden
Kartenwerken überdeckt waren, ausschließlich die holländischen Werte zum Ver-
gleich herangezogen, d. h, also bis zu 50° N-Br. beruhen die mitgeteilten Ab-
weichungen von den Normalwerten auf den holländischen Angaben, bei allen
anderen Feldern auf den dänischen Karten.
Die mitgeteilten Werte der Abweichungen zeigen, daß diese häufig oberhalb
der oben angegebenen Unsicherheitsgrenzen liegen, Auch beweist der gleich-
mäßige Gang der Vorzeichen, daB diesen Zahlen reelle Bedeutung beizumessen
ist, Wir erkennen zunächst deutlich die allgemeine starke Erwärmung des