104 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1934,
büchern der Deutschen Seewarte enthaltenen Messungen, Dieses Material ist. aber
stets erst nach einem längeren Zeitraum in genügender Zahl einer Verwertung
zugänglich, so daß es für prognostische Zwecke praktisch ausscheiden muß,
Seit der allgemeinen Einführung der funkentelegraphischen Übermittlung
von Wettermeldungen der Ozeandampfer sind. wir aber jetzt in der Lage, an
jedem Tage eine große Anzahl Temperaturmessungen aus allen Teilen des Nord-
atlantik in kürzester Frist zur Verfügung zu haben, Besonders seit Beginn des
Polarjahres scheint die Anzahl der „Seeobse“ noch ganz beträchtlich zugenommen
zu haben. Ihre Verwendung an Stelle der Beobachtungen in den Schiffstage-
büchern zur Überwachung der Golfstromtemperaturen scheint besonders vorteilhaft,
weil sie außer dem schon erwähnten Vorteil der schnellen Übermittlung auch
noch stets einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sind. Diese telegraphischen
Meldungen haben aber auch leider große Nachteile, Erstens ist durch die Art
der Übermittlung die Gefahr grober Fehler recht groß. Außerdem aber werden
die Messungen auf ganze Celsiusgrade abgerundet und vollends ist bei Einführung
des neuen internationalen Seeobsschlüssels die Wassertemperatur etwas stief-
mütterlich behandelt worden. Wird doch bei Unterschieden zwischen Wasser-
und Lufttemperatur von mehr als 1.6° die Wassertemperatur schon um mehr als
1° ungenau und bei Differenzen über 3° noch wesentlich mehr, Es ist der Zweck
dieser Arbeit, zu zeigen, daß es trotzdem möglich ist, diese Beobachtungen zu
verwerten und aus ihnen einen recht brauchbaren Überblick über die Temperatur-
verhältnisse im Nordatlantischen Ozean zu gewinnen. Wir haben damit die
Möglichkeit, jederzeit und ohne an die oft recht schwer zugänglichen und meist
erst mit großer Verspätung veröffentlichten genauen Messungen der Wasser-
temperaturen gebunden zu sein, diese Temperaturangaben für eine Langfrist-
prognose auszuwerten.
Für die Untersuchung wurden ausschließlich die im „Wetterbericht der
Deutschen Seewarte“ veröffentlichten Schiffsmeldungen herangezogen. Diese
erreichen seit dem letzten Jahre monatlich fast die Zahl 2000. Von diesen fällt
allerdings zunächst ein großer Teil aus, nämlich alle Meldungen im sogenannten
abgekürzten Schlüssel, der keine Wassertemperaturen enthält. Ferner habe ich
mich bei der Untersuchung auf den Atlantischen Ozean nördlich von 40° Breite
beschränkt und später auch das Gebiet zwischen den Azoren und dem Englischen
Kanal ausgelassen, da hauptsächlich die Verhältnisse im Bereich des Golfstroms
bzw. seiner nördlichen Grenzgebiete interessieren, Ferner mußten auch alle
Meldungen fortgelassen werden, bei denen die Temperaturdifferenz Wasser— Luft
mehr als 5° beträgt, da sich infolge der weiten Grenzen der Verschlüsselung
überhaupt kein sicherer Temperaturwert für das Wasser hieraus ergibt, Im
übrigen wird auf den Einfluß der Ungenauigkeit des Schlüssels noch später ein-
gegangen. Trotz dieser Beschränkungen standen für 1932 und 1933 immer noch
an die 400 Meldungen je Monat in dem abgegrenzten Bereich zur Verfügung.
Eine Zusammenfassung zu Monatswerten scheint am zweckmäßigsten, da einer-
seits nur so eine genügend große Zahl von Beobachtungen für kleinere Gebiete
zusammenkommt und andererseitg auch die langjährigen Mittelwerte in den
Veröffentlichungen monatsweise zusammengefaßt sind,
Man kann nun auf zwei Arten diese Meldungen auswerten, Erstens graphisch,
indem man sämtliche Werte eines Monats in eine Karte einträgt und dann die
Isothermen so einzeichnet, daß sie möglichst allen Beobachtungen entsprechen.
Die zweite Methode ist die, den gesamten Bereich in eine Anzahl Quadratfelder
einzuteilen, und für diese auf dem Wege der rechnerischen Mittelbildung den
Temperaturwert zu bestimmen. Die erste Methode hat den Vorteil, daß auch
Werte, die vereinzelt liegen, noch mit berücksichtigt werden können, und es ist
charakteristisch für die hier verwendeten Meldungen, daß sich der allergrößte
Teil auf bestimmte, ziemlich schmale Schiffahrtswege konzentriert und außerhalb
dieser nur vereinzelte Beobachtungen zu finden sind. Ein großer Nachteil ist
aber, daß bei der Einzeichnung der Isothermen doch eine große Willkür möglich
ist, denn leider zeigt die Praxis, daß oft ganz in der Nähe Temperaturen von
mehr als 8 oder 4° Unterschied vorkommen, und das nicht etwa nur an der auch