Kalle, K.: Meereskundl. chemische Untersuch. mit Hilfe des Zeißschen Pulfrich-Photometers. 101
Zusammenfassung.
1. Es wird eine methodische Untersuchung der Phosphatgehaltsbestimmung
mit Hilfe des Zeißschen Pulfrich-Photometers in destilliertem Wasser und
künstlichem Meerwasser von 35%.) Salzgehalt durchgeführt.
2. Speziell untersucht wurde die Abhängigkeit der Phosphatreaktion von
a) der Wellenlänge des Untersuchungslichtes im Photometer,
b) der Zusammensetzung und der Menge des Molybdänschwefelsäure-
Reagenzes.
der Menge, dem Alter und der Art der Zugabe des Zinnchlorür-
Reagenzes,
d) der Temperatur,
e) der Zeit zwischen Reagenzzusatz und Ablesung der Farbtiefe,
£f) Licht und Luft.
3, Es ergaben sich zu den obigen Faktoren verschiedene, teilweise sehr
interessante Gesetzmäßigkeiten, die besonders deshalb von großem praktischen
Wert sind, weil die Arbeitsweise der Pulfrich-Photometerapparatur die Grund-
vorgänge mit einer Genauigkeit von -+ 10 K zu erfassen gestatten. Im Normal-
falle entspricht dies einem Gehalt von 0.6 mg P/m?®.
4. Für die praktische Ausführung der FPhosphatbestimmung haben sich
folgende Gesichtspunkte ergeben. +
Es werde das bekannte, auf der Osloer Tagung allgemein angenommene
Molybdänschwefelsäure-Reagenz benutzt. Die Menge dieses Reagenzes zur Unter-
suchungslösung betrage 0.5 ccm auf 50 ccm Untersuchungslösung,
Das Zinnchlorür-Reagenz werde in zweifacher Portion von je 0.15 ccm im
Abstand von 10 Minuten zur Untersuchungslösung gegeben, Kolorimetriert werde
etwa 5 Minuten nach Zugabe der zweiten Portion, und zwar mit dem Filter S 72
im 25 cm-Rohr (siehe Seite 67, Ausführung des Grundversuches).
Es ist darauf zu achten, daß die einzelnen Untersuchungsserien bei möglichst
gleichmäßiger Temperatur kolorimetriert werden; andernfalls ist eine Korrektur
anzubringen. Die Größe der Korrektur beträgt bei destilliertem Wasser —1.0%,
bei Meerwasser von 35°. Salzgehalt —1,.2% für eine Temperaturzunahme von 1°C,
Bei Untersuchungen an Meerwasserproben von einem einigermaßen gleichen
Salzgehalt ist es vorteilhaft, den Kennwert der Phosphatreaktion unter den
bestimmten Bedingungen, unter denen man arbeitet, durch Gegenproben zu be-
stimmen, die einen Zusatz von 10 mg P/m? erhalten. Dieser Kennwert ist häufiger,
etwa bei jeder 10. Untersuchungsprobe nachzukontrollieren, Bei Untersuchungen
mit stark schwankendem Salzgehalt empfiehlt es sich, für genauere Unter-
suchungen eine Korrektur anzubringen, Die Größe der Korrektur beträgt je
1% oo Salzgehaltszunahme + 0.33%.
Bei Einhaltung dieser Bedingungen lassen sich die Schwankungen im Phosphat-
gehalt des Meerwassers im Bereich von 0 bis 40 mg P/m?* im allgemeinen mit
einer Genauigkeit von 0.6 mg P/m* erfassen. Wesentlich über einen Bereich von
40 mg P/m® zu gehen, empfiehlt sich nicht, da dann die Fehler wegen der
wachsenden Dunkelheit der Photometer-Gesichtsfelder zunehmen. Untersuchungs-
proben mit höheren Gehalten an Phosphat werden daher zweckmäßig entsprechend
verdünnt.
5. Versuche, ob die Ergebnisse an künstlichem Meerwasser in vollem Um-
fange auch auf natürliches Meerwasser zu übertragen sind, oder inwiefern Be-
sonderheiten bestehen, sind zur Zeit im Gange. Über sie wird gesondert
berichtet werden.
Schrifttum,
1. Denigks, G., 1920. Reaction de coloration exträmement sensible des phosphates et des ars&niates.
Compt, rend. de V’Acad. d, Se, 171, 802—804.
2. Atkins, W.R. G., 1923, The phosphate content of fresh and salt waters in its relationship to the
growth of the algal plankton. FE Marine Biol. Assoe. 13, 119— 150.
3. Buch, K., 1929. Über die Bestimmungen von Stickstoffverbindungen und Phosphaten im Meer-
wasser, Rapp. et. Proc.-Verb. Cons. Int. 53, 36-—52.
4. Gripenberg, St., 1929, The method of Deniges for the analysis of phosphate. A spectro-
photometrie investigation, Report of the 18. Seand, Naturalist Congress, 1929.
Ann. d. Hyär. usw. 1934, Heft III.
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