Kalle, K.: Meereskundl. chemische Untersuch. mit Hilfe des Zeißschen Pulfrich-Photometers, 95
sehr selten bis zum Weißen Meere vordringt. Festeis findet man nur bis zu
einem bestimmten Abstand von der Küste, der je nach der Stärke des Frostes
größer oder kleiner ist. Alle übrigen Gebiete sind lediglich von Treibeis bedeckt.
Dieses ist, nach Beobachtungen von Iversen‘!), in der Woronka nur aus kleineren
Eismassen und aus Schnee zusammengesetzt, es macht daher der Schiffahrt keine
so großen Schwierigkeiten wie das Polareis,
in kaltem, stillem Wetter bildet sich durch das Gefrieren der Oberfläche
eine zusammenhängende Eisdecke, die aber von den Gezeitenströmen und besonders
durch den von den Stürmen verursachten Seegang schnell wieder aufgebrochen
wird. Es entstehen nun zunächst scharfkantige, rechteckige Flächen. Diese
runden sich, wenn sie in Bewegung geraten, mehr und mehr ab. An ihrer Kante
formt sich ein Wall aus groben Eisstücken. Schließlich entstehen die kleinen
runden Schollen, die der norwegische Robbenschläger „Tallerkenis“ oder „Sjellis“
nennt. Durch Zusammenfrieren vieler solcher Schollen bei stillem Frostwetter
bilden sich große Eisfelder. Diese bezeichnet der Fangmann als „Florer“.
Die Lage der Treibeismassen ist, wie die den Beobachtungen Iversens aus
dem Jahre 1925 entnommenen sieben Kärtchen der Figur 6 zeigen, in erster Linie
vom Wind abhängig. Bei Winden aus westlicher Richtung (siehe Figur 6,
Karten a, e, g) finden wir das Eis ausnahmslos auf dem rechten Ufer, oder doch
im Begriff, an dieses vertrieben zu werden. Östliche Winde stauen das Eis an
der Murmanküste auf (b, f), während umlaufende, häufig die Richtung wechselnde
Winde, wie Figur 6d erkennen läßt, die Eismassen in der Mitte des Meeres fest-
halten. Die Angaben über die Windverhältnisse stammen teils von Iversen,
teils wurden sie den täglichen Wetterberichten entnommen.
Meereskundliche chemische Untersuchungen mit Hilfe des Zeißschen
Pulfrich-Photometers).
[I1I, Mitteilung. Methodische Untersuchung der Phosphatgehaltsbestimmung.
‚Schluß Von K, Kalle, Hamburg, Deutsche Seewarte.
Schluß.) (Tafel 7 und 8 in Heft II.)
II. Veränderliche: Zinnchlorür-Reagenz.
a) Menge des Zinnchlorür-Reagenzes. Um den Einfluß der Menge des
nach Seite 67 hergestellten Zinnchlorür-Reagenzes auf die Phosphatreaktion zu
prüfen, wurden gemäß Tabelle 9 und Fig. 6 zwei Reihenversuche an destilliertem
Wasser und künstlichem Meerwasser angesetzt,
Das Ergebnis (Tabelle 9, S. 96) der mit Zunahme des Zinnchlorür-Reagenzes
zuerst steigenden und dann wieder abfallenden K-Werte läßt sich am besten
wohl folgendermaßen auffassen. Wir haben in dem Zinnchlorür-Reagenz zwei
einander entgegengesetzt wirkende Einflüsse auf die Phosphatreaktion. Eine
Vermehrung des Zinnchlorürs begünstigt, eine Vermehrung der Salzsäure*)
hemmt dagegen die Reaktion. In diesem Kräftespiel überwiegt zuerst der
Einfluß des Zinnchlorürs. Bei weiterer Steigerung des Reagenzzusatzes bei 0.15
bis 0.30 ccm beginnt jedoch der Säureneinfluß die beherrschende Rolle zu über-
nehmen, so daß von da ab ein langsamer, allmählich wachsender Abfall der
K-Werte einsetzt, M
Besonders auffallend in dem obigen Versuch ist, daß bei doppeltem oder
dreifachem Zusatz des Reagenzes besonders hohe K-Werte erreicht werden, höher
vor allem als man bei einmaligem Zusatz der Gesamtmenge der Reagenzlösung
erhält. Diese Erscheinung läßt sich wohl dadurch erklären, daß die Bildung des
blaugefärbten Reaktionsproduktes, die eine gewisse Zeit dauert (siehe Seite 100)
infolge der schnellen Oxydation des Zinnchlorürs in der Untersuchungslösung
nicht zum vollen Abschluß gelangt (Tabelle 10).
5) Iversen. Drivis og selfangst, Bergen 1927, S, 39.
*) 1 ccm des Zinnchlorür-Reagenzes verbraucht = 3.80 com £ NaOH (Indikator: Methylrot),